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Arbeiten als Wirtschaftsinformatiker: Welcher Weg in den Job führt, wie der Alltag aussieht – und was man verdienen kann

Wer wie Stephan Sachse Wirtschaftsinformatiker werden will, braucht in der Regel einen Hochschulabschluss.
Wer wie Stephan Sachse Wirtschaftsinformatiker werden will, braucht in der Regel einen Hochschulabschluss.

Von Beruf Wirtschaftsinformatiker: Wenige haben eine ganz konkrete Vorstellung, was eigentlich hinter dieser Jobbezeichnung steht. Dabei gehört das Fach mit zuletzt 66.722 eingeschriebenen Studierenden mit zu den größten an deutschen Hochschulen, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Wer das Studium abgeschlossen hat, steht vor komplexen Aufgaben – so wie Stephan Sachse. Der Wirtschaftsinformatiker arbeitet als Manager Digitale Transformation beim Gaskonzern VNG in Leipzig. In diesem Job-Protokoll erzählt er, welcher Weg in seinen Job führte und wie sein Alltag aussieht.

Wirtschaftsinformatiker gestalten betriebsinterne Informationssysteme. Wir bringen Berufstätige beispielsweise dazu, dass sie effizient und nachhaltig an ihrem Rechner für ihre Firma arbeiten können. Dafür benötigen sie passgenaue und firmenspezifische Programme. Oder es geht etwa um den Aufbau einer betriebsinternen Datenbank. Wirtschaftsinformatiker sind sozusagen Brückenbauer zwischen Menschen und Strukturen. Sie tüfteln in Projekten gemeinsam etwa mit Software-Entwicklern, Kaufleuten und Ingenieuren nach Lösungen.

So sah mein Weg in den Job aus

Nach dem Abitur habe ich in meiner Heimatstadt Leipzig Wirtschaftsinformatik studiert. Meine ersten beruflichen Erfahrungen habe ich in der Finanzwelt gesammelt. Später habe ich promoviert und mich einige Jahre in der Start-up-Szene umgeschaut. Und dann kam das Angebot, bei VNG als Manager Digitale Transformation tätig zu sein. Das machte mich neugierig – und so fing es an mit meinem heutigen Job.

Ich analysiere, ob betriebsinterne Abläufe noch zeitgemäß sind, ob sie digitalisiert werden können und ob bereits digitalisierte Abläufe noch zu optimieren sind. Ein Beispiel: Bei VNG stand vor einiger Zeit an, das Intranet zu modernisieren.

Eine Vielzahl von Prozessen, bei denen man Papier in die Hand nimmt, galt es zu digitalisieren. So entstanden elektronische Formulare, etwa Urlaubsanträge. Im Intranet sollte zudem jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter selbst eine Nachricht einstellen oder sich für eine interne Veranstaltung anmelden können.

Meine Aufgabe beim Modernisieren des Intranets bestand nun darin, mich mit unterschiedlichen Dienstleistern wie Programmierern, Software-Entwicklern und Co. zu beschäftigen – und ihre Arbeit als Team zu koordinieren und zu moderieren. Bevor das neue System an den Start gegangen ist, habe ich meine Kolleginnen und Kollegen geschult.

Zusammengefasst: Ich bin Projektmanager, Koordinator und habe zudem eine beratende Funktion, auch gegenüber der Unternehmensspitze. Außerdem moderiere ich Teams und Workshops und habe immer im Blick, dass die Betriebsstrukturen agil, effizient und nachhaltig sind. Dabei sind auch die Themen IT-Sicherheit und Ethik wichtig, denn der Einsatz digitaler Technologien kann auch negative Auswirkungen haben.

Lichtblicke und Herausforderungen in meinem Job

Als Manager Digitale Transformation gestalte ich die Zukunft meines Arbeitgebers mit. Insofern hat meine Tätigkeit eine hohe Sinnhaftigkeit. Außerdem sind meine Aufgaben so vielfältig. Und schön ist auch, mit anderen Menschen intensiv zusammenzuarbeiten und nah an ihren Bedürfnissen zu sein.

Die digitale Welt ist extrem dynamisch, ständig gibt es Neuerungen. Da den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. Gleichzeitig gilt es immer wieder abzuwägen, ob irgendein neuer digitaler Trend für das Unternehmen tatsächlich von Vorteil ist. Das kann mitunter sehr zeitaufwendig sein.

Manchmal kommt man bei einem komplexen Problem trotz aller Mühe nicht zu einer Lösung, das muss man auch mal einfach hinnehmen können. Und: Zum Teil geht es in Sachen Fortschritt bei der Digitalisierung so schnell, dass der ein oder andere schlicht überfordert ist. Dass man dann auch mal einen Gang zurückschalten muss, sollte man ebenfalls akzeptieren können.

Das Einstiegsgehalt für Wirtschaftsinformatiker liegt bei knapp 51.000 Euro

Was Wirtschaftsinformatiker verdienen, ist unter anderem abhängig vom Arbeitgeber, vom Standort, dem jeweiligen Abschluss und der Berufserfahrung. Dem Gehaltsreport von Stepstone aus dem Jahr 2021 zufolge liegt das Einstiegsgehalt für Wirtschaftsinformatiker mit abgeschlossenem Studium bei knapp 51.000 Euro brutto pro Jahr. Das Durchschnittsgehalt ist mit 70.087 Euro pro Jahr bereits um einiges höher. Für den Stepstone-Gehaltsreport 2021 wurden rund 250.000 Gehaltsdaten analysiert, die im Zeitraum Januar 2019 bis September 2020 erhoben wurden.

Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt das mittlere Bruttoeinkommen für Hochschulabsolventen im Fach Wirtschaftsinformatik monatlich bei rund 5350 Euro. Die Bundesagentur gibt hier den Median an: Das ist der Wert, der genau in der Mitte einer Datenverteilung liegt. Er gibt somit den Wert an, bei dem die Hälfte der Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker mehr verdient, die andere Hälfte weniger. Geht man von dem Wert von 5350 Euro monatlich aus, ergibt sich ein Jahresbruttogehalt von etwa 64.000 Euro.

dpa/fj

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