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Apple: Mega-Wachstum, aber warum reagiert die Aktie nicht?

Nils Jacobsen
·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 4 Min.

Der Kultkonzern aus Cupertino hat es mal wieder allen gezeigt. Die jüngste Quartalsbilanz weist fast durchgehend Fabelwerte aus. Allein: Die Aktie steigt nicht. Weiß die Wall Street etwas, was Anleger nicht wissen?

Jubelstimmung ohne Ende: Das Gefühl kennen nicht nur iPhone-Besitzer, sondern auch Apple-Aktionäre (Foto: © Apple)
Jubelstimmung ohne Ende: Das Gefühl kennen nicht nur iPhone-Besitzer, sondern auch Apple-Aktionäre (Foto: © Apple)

Apple hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Vergangenen Mittwoch überbot Konzernchef Tim Cook bei Vorlage der Bilanz für das abgelaufene erste Kalenderquartal nicht bloß die hoch gesteckten Analystenerwartungen: Er pulverisierte sie förmlich!

Zwischen Anfang Januar und Ende März erlöste Apple nicht wie von Analysten erwartet 77,36 Milliarden Dollar, sondern tatsächlich 89,6 Milliarden Dollar! Allein die iPhone-Sparte erlöste mit 47,93 Milliarden Dollar 6,5 Milliarden mehr als von Analysten erwartet.

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Nicht anders sah es bei der Gewinnentwicklung aus: Statt 0,99 Dollar fuhr der Konzern tatsächlich 1,40 Dollar je Aktie ein, die wiederum einem Nettogewinn von enormen 23,6 Milliarden entsprechen!

Erwartungen eingepreist

Und wie reagierte die Aktie? Mit einem Kurssprung von fünf, acht oder 10 Prozent? Tatsächlich fielen die Anteilsscheine des iKonzerns am folgenden Handelstag marginal zurück und vergrößerten zum Wochenausklang das Minus um weitere 1,5 Prozent. Auch nach leichten Zugewinnen zu Wochenbeginn notiert Apple statt auf neuen Allzeithochs heute bei 132,54 Dollar schwächer als vor Bekanntgabe der Quartalsbilanz und sogar als zu Jahresbeginn. Wie kann das sein?

Wieder einmal scheint an der Wall Street das Börsenphänomen des Fait accomplis gespielt zu werden. Auf Deutsch: eine vollendete Tatsache. Übersetzt bedeutet dies, dass Anleger in Erwartung der Apple-Zahlen die Aktie bereits im Vorfeld eingesammelt haben, bei Eintreffen des Ereignisses aber nicht mehr zukaufen bzw. gar Gewinne mitnehmen.

Gerichtsverfahren zwischen Apple und Epic Games gestartet

Gegenwind 1: Die Pandemie endet - der Bonus für „Stay-at-Home Unternehmen auch

Bei aller Demonstration der Stärke gibt es jedoch auch fundamental das ein oder andere Argument, welches Apples Bullenlauf Hindernisse in den Weg legen könnte. Da ist etwa das absehbare Ende der Pandemie, das auf Apples Heimatmarkt bereits mehr oder weniger Fakt ist: In den USA wird deutlich schneller geimpft, die Normalität kehrt in diesen Wochen weitgehend zurück.

Für Apple fällt damit nach und nach der Sonderfaktor der Pandemie weg, der sogenannte „Stay-at-Home“-Unternehmen im vergangenen Jahr beflügelte. Apple profitierte etwa ganz maßgeblich von der Neubeschaffung von MacBooks und iPads, die sich Berufstätige, Studenten und Schüler im Lockdown für die Arbeit zu Hause anschafften. Mehr als die Hälfte davon waren Erstkäufer, wie CEO Tim Cook vergangene Woche in der Telefonkonferenz mit Analysten verriet.

Gegenwind 2: Chip-Mangel bremst Produktion

Die Ausmaße des Kaufbooms waren enorm. Allein im abgelaufenen Quartal erlebten zwei der ältesten Hardwaresparten eine kaum für möglich gehaltene Nachfrage. Die iPad-Sparte verbuchte das größte Umsatzwachstum seit dem Launch vor mittlerweile elf Jahren – nämlich einen Zuwachs von 79 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar, während die Macintosh-Unit nach einem Plus von 70 Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar gar das beste Quartal aller Zeiten erlebte.

Allein: Die Fabelzahlen dürften sich in der Form kaum fortschreiben lassen. Wie das Finanzinformationsportal CNBC berichtet, soll nämlich auch Apple unter der aktuell weltweiten Mikrochip-Verknappung leiden und entsprechend weniger Macs und iPads produzieren können als aktuell nachgefragt werden. Tim Cook erklärte, dass Apple im laufenden Quartal drei bis vier Milliarden Dollar mehr hätte umsetzen können, wenn die Chip-Kapazitäten vorhanden gewesen wären.

Gegenwind 3: Der App Store-Prozess

Und damit nicht genug: Weiterer Gegenwind droht Apple unterdessen auch von juristischer Seite. Seit gestern läuft der mit Hochspannung erwartete Prozess mit Epic Games, den der Online-Spielhersteller angestrengt hat. Im Kern geht es darum, ob Apple seine Machtposition im App Store ausnutzt, um unangemessen hohe Kommissionen von App-Entwicklern einzustreichen. Bislang kassiert Apple 30 Prozent der Umsätze bzw., wenn es sich um Abonnements handelt, ab dem zweiten Jahr 15 Prozent der Erlöse.

Bekommt Epic Games, das im vergangenen Jahr erfolglos versucht, mit Spielgebühren den App Store zu umgehen, Recht zugesprochen, könnte ein wegweisende Urteil Apple einen empfindlichen Dämpfer bei der Gewinnmaximierung zufügen. Nach internen Dokumenten, über die Bloomberg berichtet hat, soll Apple eine enorme Gewinnmarge von 78 Prozent der einbehaltenen Umsätze einfahren. Für Apple-CEO Tim Cook stehen also im Ernstfall viele Milliarden Dollar auf dem Spiel. Entsprechend zurückhaltend scheinen sich Anleger gerader zu positionieren…

Video: Apple wird bunter