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Apple, Byton, Sono: Warum gerade fast alle Auto-Startups scheitern – und Tesla Erfolg hat

Auch Sono Motors scheiterte mit dem Versuch, den Automarkt aufzumischen. - Copyright: Sono Motors
Auch Sono Motors scheiterte mit dem Versuch, den Automarkt aufzumischen. - Copyright: Sono Motors

Vor knapp zehn Jahren beobachteten etliche Investoren eine massive Veränderung im Markt. Der Diesel-Skandal von Volkswagen stieß die damals überfällige Diskussion an, die Emissionen im Straßenverkehr deutlich zu senken. Gleichzeitig entwickelte sich Tesla von einem kleinen Unternehmen zu einem Anbieter, der die großen Hersteller unter Druck setzte. Da führte zu einem regelrechten Boom im Automarkt und viele kleine Hersteller machten sich auf, die Marktmacht der etablierten Industrie auszuhebeln. Doch die meisten Anbieter sind gescheitert.

Byton und Faraday Future waren die Ersten, die zahlreiche Investoren anlockten. In nur wenigen Jahren sollten Tausende neuer Fahrzeuge auf den Markt gedrückt werden. Beide Hersteller warteten mit erfahrenem Personal auf, dass man von deutschen Herstellern abgeworben hatte. Vor allem Byton traute man zu, den Markt umzukrempeln. Doch der chinesische Hersteller scheiterte krachend. Teils am eigenen Unvermögen, teils daran, dass die Kosten des Unternehmens astronomische Summen erreicht hatten, die die Investoren nicht mehr decken wollten. Obwohl das Auto nahezu serienreif war, wurde die Produktion eingestellt.

Auto-Startup: Unvermögen und Pech

Faraday Future existiert zwar noch, aber außer Ankündigungen hat man von dem Unternehmen nichts gesehen. Nicht wenige Investoren sind abgesprungen und einen besonders soliden Eindruck macht das Unternehmen nicht. Da war Lightyear aus den USA schon weiter. Die hatten immerhin schon das erste Auto auf dem Markt. Aber der Lightyear 1 war teuer, technisch nicht ausgereift und die Produktionskosten schnürten dem Unternehmen die Luft ab. Zwar versucht man weiterhin, irgendwie zu überleben, aber die Chancen stehen schlecht und die Produktion ist bis auf Weiteres eingestellt.

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Während die drei genannten Startups allesamt auf eher hochpreisige E-Autos setzen, wollte Sono Motors es anders machen. Ein günstiges E-Auto mit eigenen Solarzellen auf dem Dach, die dem Auto mehr Reichweite geben sollten. Die Idee war gut, die ersten Vorserienmodelle stießen auf Interesse, aber am Ende waren die Investoren skeptisch. Sono versuchte es mit einem Crowdfunding, was aber auch nicht scheiterte. Immerhin überlebte das Startup knapp und setzt jetzt auf die Produktion von speziellen Solarzellen.

Fast alle Startups sind nicht daran gescheitert, dass sie schlechte Ideen hatten oder nicht innovativ genug waren. Sie scheiterten entweder am mangelnden Willen der Investoren oder weil die Zinsen für die Kredite deutlich anstiegen. Sie scheiterten aber auch, weil sie die Entwicklungs- und Produktionskosten komplett unterschätzten. Gute Ideen sind eine Sache, eine andere, sie in die Tat umzusetzen.

Aber sie sind da nicht allein. Auch Unternehmen mit riesigem Budget haben mittlerweile Abstand davon genommen, in den Automarkt einzusteigen. Seit Jahren gibt es Gerüchte, dass Apple mit einem eigenen, vollautonomen Fahrzeug auf den Markt kommen könnte. Man hatte sogar einige hochkarätige Entwickler aus der Autobranche engagiert. Doch die sind schon seit Jahren nicht mehr bei Apple. Letzte Woche sickerte dann durch, dass der Techkonzern aus Kalifornien das gesamte Projekt eingestellt hat. Ganz überraschend kam das allerdings nicht.

Tesla hatte einfach Glück

Auch Tesla wäre beinahe gescheitert. Als kleines Unternehmen hatte man 2012 mit der Produktion des Tesla S begonnen und man hatte Zeit, das Auto zu perfektionieren. Man konnte Fehler in der Produktion ohne viel Zeitdruck beheben und die Prozesse anpassen. Ganz anders sah die Sache aus, als man mit dem Tesla 3 in die Massenproduktion einsteigen wollte. Elon Musk hat selbst zugegeben, dass das Unternehmen 2017 komplett auf der Kippe stand und er schon kurz davor war, Apple zu fragen, ob die Interesse an seiner Firma haben würden.

Elon Musk hatte einerseits Glück, andererseits konnte er sein Unternehmen auch langsam aufbauen. Der Erfolg des Tesla S zeigte den Investoren, was möglich ist. Da hatten es die anderen Startups schwerer, denn die mussten schon mit dem ersten Auto den Erfolg von Tesla kopieren, eine hohe Rendite einfahren und in die Massenproduktion einsteigen. Wie man heute weiß, ist das ein unmögliches Unterfangen, wenn man nicht Investoren hat, die bereit sind, eine knapp zweistellige Milliardensumme in ein Startup zu stecken. Dieses Glück haben Hersteller wie Nio oder Rivian, deren Investoren ebenso geduldig wie reich sind.

Es hat sich aber gezeigt, dass der Einstieg in den Automarkt keine einfache Sache ist. Die Anlaufkosten sind hoch, die Technik ist hochkomplex und die Kunden sind skeptisch. So schnell wird es keine neuen Auto-Startups geben, die es noch einmal versuchen wollen. Das könnte sich ändern, wenn das vollautonome Fahren auf dem Markt ist und die Technologie dahinter so günstig zu erwerben ist, wie heute ein Airbag. Aber das wird noch ein paar Jahrzehnte dauern.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.