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Applaus unter Druck: So schlug sich Baerbock auf dem Grünen-Parteitag

·Lesedauer: 3 Min.
Die Grünen-Delegierten bestätigen Annalena Baerbock und Robert Habeck mit 98,5 Prozent als Spitzenduo für die Bundestagswahl 2021.
Die Grünen-Delegierten bestätigen Annalena Baerbock und Robert Habeck mit 98,5 Prozent als Spitzenduo für die Bundestagswahl 2021.

Die Anspannung und der Erwartungsdruck der auf Annalena Baerbock lastet, sind enorm. Der Abrutsch der Grünen Umfrageergebnisse kurz nach ihrer Nominierung im April sind zu großen Teilen der grünen Kanzlerkandidatin zuzurechnen. Ungereimtheiten im Lebenslauf und zu spät gemeldete Einnahmen — die junge Kanzlerkandidatin hat damit ein Stück Glaubwürdigkeit eingebüßt und muss nun an diesem Samstagnachmittag auf dem Bundesparteitag der Grünen das Ruder wieder rumreißen. Insofern es den Grünen Ernst ist mit den Ambitionen aufs Kanzleramt.

Seit Freitag schon läuft der Parteitag, auf dem die Umweltpartei ihr Programm für die Bundestagswahl im September zurechtlegt. Der Höhepunkt ist natürlich die Abstimmung über die Spitzenkandidaten. Im Paket zusammen können die Delegierten entweder Robert Habeck und Annalena Baerbock unterstützen oder ihnen einen Dämpfer verpassen. Doch die erste Hürde ist genommen, mit 98,5 Prozent (678 von 688) bestätigen die Delegierten ihr Spitzenduo, Baerbock und Habeck führen die Grünen also in den Wahlkampf. Nun kann die Kanzlerkandidatin erleichtert in ihre Parteitagsrede gehen.

Baerbock schlägt der Industrie einen Pakt vor

Sie bedankt sich für den Rückenwind "vor allem nach dem Gegenwind der letzten Wochen." Sie habe Fehler gemacht, über die sie sich „tierisch geärgert“ habe. Baerbock betont auch den Rückhalt, den ihr Grünen-Co-Chef Habeck in den vergangenen Wochen gegeben habe. Dann steigt sie ein in ihre Rede. Breitbeinig, im leuchtend rosafarbenen Kleid steht Baerbock vorne, sammelt Applaus der Neumitglieder und Delegierten selbst dann ein, wenn sie sich bei einem Statement verhaspelt hat: "Mein Ziel ist klimagerechter Wohlstand zu schaffen."

Sie schlägt der Industrie einen Pakt vor: Sollten die Grünen in die Bundesregierung kommen, werde der Staat die Kosten ausgleichen, die Firmen zusätzlich noch aufbringen müssen, um klimaneutral zu werden. Dass die Aufregung über die "grüne Verbotspartei" weit hergeholt sei, will Baerbock damit beweisen, dass heutzutage niemand mehr das FCKW in Kühlschränken vermisse, "viele redeten damals das Ende von Kühlschränken made in Germany herbei". Gekommen sei es anders, sagt sie. Und will mit den Grünen ähnliches bei den Ölheizungen und den E-Autos versuchen.

Kanzlerkandidatin spricht über Privates und die Nationalmannschaft

In Teilen wird die Rede der ersten Kanzlerkandidatin der Grünen stark privat. Das Aufstiegsversprechen ihrer Partei untermalt Baerbock mit der Lebensgeschichte ihrer Mutter, die nach einem Schicksalsschlag nur durch ihr familiäres Netz und psychologischer Hilfe die Schule geschafft habe und dann noch für die Kinder im Beruf zurücksteckte. Später zitiert sie den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD): "Es soll sich die Politik zum Teufel scheren, die den Menschen das Leben nicht leichter zu machen sucht."

Mit einem Nicken an die Fußball-Nationalmannschaft, die demnächst ihr erstes Spiel bei der Europameisterschaft bestreitet, streift sie kurz das Nationale. Um schnell zu springen: "Unsere Zukunft ist Europa." Am Ende gibt es nach dem Wahlkampf-Slogan "Alles ist drin" einige Minuten stehenden Applaus, bis Baerbock ihrem Co-Chef zunickt und beide auf eine Seitenbühne wechseln. Der Applaus geht weiter, Baerbock wirkt erleichtert, aber auch irgendwie so, als ob sie die Zustimmung aus dem Saal noch gar nicht richtig genießen könne.

Denn auf den Bundesvorstand kommen im Laufe des Wochenendes noch einige strittige Entscheidungen zu: Unter anderem das Rüstungsthema und der Wirtschaftsbereich stehen nun noch zur Abstimmung.

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