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Appen: Günstig bewertet, an der Basis von KI und ein großes ABER

Florian Hainzl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Künstliche Intelligenz technologischer Fortschritt Technologieaktien
Künstliche Intelligenz technologischer Fortschritt Technologieaktien

Grundsätzlich lernt künstliche Intelligenz (KI), indem man zunächst ein neuronales Netz an selbst lernenden Algorithmen aufsetzt. Diese werden mit Trainingsdaten gefüttert, bis der Algorithmus zur Lösung eines Problems geschult ist. Umso besser die zur Verfügung stehenden Daten aufbereitet sind, desto tadelloser sind in der Regel die Trainingserfolge. An dieser Stelle kommt das australische Unternehmen Appen (WKN: A12HVN) ins Spiel.

Appen sammelt und beschriftet Bilder, Text, Sprache, Audio, Video und andere Daten, die zum Aufbau und zur kontinuierlichen Verbesserung von KI benötigt werden. Der Wettbewerbsvorteil ist dabei eine globale Crowd mit über einer Million Mitgliedern. Diese sprechen mehr als 180 Sprachen und Dialekte und liefern hochwertige Datenpakete für die Tech-Unternehmen.

Appen als KI-Lieferant gut dabei

Damit ist das Unternehmen eigentlich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Zwar schätzten die Marktforscher von Forrester den möglichen Umsatz im Umfeld von KI in 2025 nur noch auf 37 Mrd. US-Dollar, aber im Vergleich zu 2019 handelt es sich weiterhin um eine Verdreifachung des potenziellen Marktes. Optimistischere Prognosen sehen den Markt sogar auf 100 Mrd. oder selbst 200 Mrd. US-Dollar bis 2025 wachsen.

Appen erzielt 89 % seiner Umsätze mit seinen fünf größten Kunden. Zu diesen zählen Unternehmen wie Amazon (WKN: 906866) oder Microsoft (WKN: 870747). Das Geschäft ist in den letzten Jahren stark gewachsen und konnte auch zuletzt in der Corona-Krise leicht wachsen. Auch wenn das Jahr 2020 aufgrund der Auswirkungen durch Corona ruppiger läuft, wird sich der Umsatz gegenüber 2017 fast vervierfachen. Das Ganze erfolgt ohne hohe Verschuldung und zweistellige operativen Margen. Im Gegensatz zu vielen anderen Tech-Unternehmen deuten die Bewertungen auch nicht auf irgendwelche Übertreibungen hin.

Die Disruption droht

Trotzdem werde ich bei der Aktie nicht zuschlagen. Kurzfristig traue ich der Firma durchaus eine positive Entwicklung zu. Langfristig sehe ich allerdings erhebliche Probleme auf das Unternehmen zukommen. Verursacht wird das durch die Partner und Kunden von Appen. So schaffen es die Forscher von Deepmind, einer Tochter von Alphabet (WKN: A14Y6H), bisherige neuronale Netze zu schlagen. Möglich ist das ohne aufwendig per Hand aufbereitete Daten und mit 40 % weniger Trainingsumfang. Auch der Übersetzer DeepL oder die Sprach-KI GPT-3 zeigen, wohin die Reise geht. Zukünftig werden wohl eine immer geringere Datenmenge und weniger sprachliche Experten für die Aufbereitung benötigt.

Hier liegt allerdings heute der große Wettbewerbsvorteil von Appen. Man koordiniert ein riesiges Netzwerk aus Freiberuflern. Werden diese zur Bearbeitung und Bereitstellung der Daten nicht mehr benötigt, hat Appen ein ziemlich großes Problem. Zumal die KI zunehmend praktisch in tatsächlichen Anwendungsfällen eingesetzt wird. Die Crowd von Appen wird dabei in meinen Augen an ihre Grenzen stoßen. Schaut man sich AlphaFold 2.0 von Deepmind für die Voraussage von Proteinfaltungen an, werden nur noch absolute fachliche Experten die Testdaten auswählen und vorbereiten können.

Das Management von Appen scheint ähnlich zu denken. Daher hat man im Jahr 2019 die Firma Figure Eight übernommen. Dadurch verfügt man selbst über eine Technologie, welche automatisch unstrukturierte Daten in maschinenlesbare Form transformiert. Aktuell trägt der Bereich allerdings nur einen sehr kleinen Teil zum Umsatz von Appen bei. Ob das ausreicht, um im Wettbewerb mit den großen Spielern im Markt zu bestehen, kann ich nicht sicher beurteilen und würde ich auch eher bezweifeln.

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Florian Hainzl besitzt Aktien von Alphabet. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A-Aktien), Alphabet (C-Aktien) und Microsoft und besitzt Aktien von Appen. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und empfiehlt die folgenden Optionen: Short January 2022 $1940 Call auf Amazon und Long January 2022 $1920 Call auf Amazon.

Motley Fool Deutschland 2021