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Anzeige gegen Bellingham - BVB reagiert

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Nach der Niederlage des BVB gegen den FC Bayern kritisiert Jude Bellingham Schiri Felix Zwayer deutlich - und macht eine brisante Anspielung auf dessen Vergangenheit.

Jude Bellingham könnte Ärger ins Haus stehen. (Bild: Reuter)
Jude Bellingham könnte Ärger ins Haus stehen. (Bild: Reuter)

Jude Bellingham hat nach der ebenso knappen wie umstrittenen 2:3-Niederlage von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern kein Blatt vor den Mund genommen. 

Seine Kritik richtetet sich gegen Schiedsrichter Felix Zwayer, der bei mehreren strittigen Szenen im Mittelpunkt stand.

"Du gibst einem Schiedsrichter, der vorher schon mal ein Spiel verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland", sagte Bellingham nach der Partie vor laufenden Kameras: "Was erwartest du dann?"

BVB-Profi offenbar angeklagt

Worauf der BVB-Profi offensichtlich anspielte: Zwayer war im Jahr 2004 in den Wettskandal um den damaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt.

Die Aussagen könnten nun Konsequenzen für den 18-Jährigen haben. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bereits die Ermittlungen aufgenommen.

"Der Kontrollausschuss wird die Äußerung des Dortmunder Spielers Jude Bellingham auf ihre sportstrafrechtliche Relevanz prüfen", ließ der Kontrollausschuss-Vorsitzende Anton Nachreiner den SID wissen.

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Im Raum steht nach Informationen der Bild-Zeitung aber nicht nur eine DFB-Untersuchung, sondern auch eine Strafanzeige.

Diese soll Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase, also ein Mitarbeiter des DFB, gegen Bellingham und auch Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe gestellt haben. Bild zitiert aus der Anklageschrift, es geht um den Vorwurf der "Beleidigung, Nachrede und Verleumdung". Gräfe wird angeschuldigt, weil Bellingham "diese Äußerung aus Lebenserfahrung nicht getan haben kann."

Hier könnte auf ein älteres Interview Gräfes angespielt worden sein - der Ex-Referee hatte im Sommer in der Zeit dafür plädiert, dass Zwayer wegen seiner Vergangenheit nicht mehr in der Bundesliga zum Einsatz kommen sollte.

"Für mich war es kein Elfmeter"

Gräfe ist seit dem Wettskandal ein großer Kritiker von Zwayer. Auch nach dem Spiel am Samstag stellte Gräfe den Unparteiischen wieder in Frage. Wie es jetzt weitergeht, ist zunächst offen.

Vor seinen brisanten Aussagen hatte Bellingham im TV auch noch die strittigen Szenen des Abends eingeordnet.

Auf das Handspiel von Mats Hummels in der letztlich entscheidenden Elfmeter-Szene vor dem 3:2 der Münchner durch Robert Lewandowski angesprochen, meinte der englische Nationalspieler bei Viaplay: "Für mich war es kein Elfmeter. Er schaut nicht mal in Richtung Ball, kämpft nur darum, irgendwie dranzukommen. Der Ball trifft ihn und er sieht ihn nicht mal." 

Nach Meinung von Bellingham könne man sich darüber hinaus "viele andere Entscheidungen in diesem Spiel anschauen", in denen der BVB vom Schiedsrichter benachteiligt worden sei. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

BVB-Bosse springen Bellingham zur Seite

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc verteidigte Bellingham. "Der Junge ist 18, spricht nach einem hitzigen, emotionalen Spiel. Er benennt alte Fakten, das muss man nicht machen", sagte Zorc dem SID: "Er ist eben ein Heißsporn. Die Dinger sind jetzt in der Welt, aber wir stehen da zu ihm. Strafrechtlich sehe ich da nichts Problematisches."

Ähnlich äußerte sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit dem Kicker: "Sein Satz ist nicht falsch, auch wenn er ihn nicht sagen muss. Aber das ist dann auch der Emotionalität geschuldet, die man einem 18-Jährigen zugestehen muss."

Bellingham habe "niemanden beleidigt, sondern ein Faktum geschildert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm daraus irgendwelche Nachteile entstehen."

Droht Bellingham eine Strafe?

Hintergrund zum Wettskandal: Zwayer half zwar dabei, den Manipulationsskandal anschließend aufzudecken, ein 2014 von der Zeit veröffentlichtes DFB-Sportgerichtsurteil offenbarte jedoch, dass er für sechs Monate gesperrt worden war, weil er es unter anderem zunächst versäumt hatte, ihm bekannte Manipulationen von Hoyzer zu melden.

Nichtsdestotrotz: Gut möglich, dass Bellingham seine Emotionen unmittelbar nach Ende des hitzigen Spitzenspiels noch auf die Füße fallen. Es scheint jedenfalls kaum vorstellbar, dass der DFB dem Youngster derartige Aussagen gegen einen Schiedsrichter ohne Weiteres durchgehen lässt. 

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Bayerns Vorstandsboss Oliver Kahn sieht Bellinghams Äußerungen sehr kritisch. "Ich bin der Letzte, der kein Verständnis hat für Spieler. Da sagt man auch Dinge, die man hinterher bereut. Nur, das geht natürlich einen Schritt zu weit. Einen gewaltigen Schritt", erklärte er bei Sky.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Spieler schon mal was in der Art von sich gegeben hat. Ich weiß nicht, wo er das her hat, wie er auf die Idee kommt, so eine Aussage zu machen."

Ob auf Bellingham tatsächlich eine Strafe durch das DFB-Sportgericht zukommen könnte, wird sich in den kommenden Tagen klären. Genauso, ob die Strafanzeige womöglich sogar noch weitreichendere Folgen hat.

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