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Antivirus-Programm Avast sammelt Nutzerdaten und verkauft sie an Großkonzerne

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Mit dem Antivirus-Programms Avast sollen Nutzer eigentlich sicher im Internet surfen können. Stattdessen werden sie offenbar ausgerechnet von der Software hintergangen. Der Anbieter des Programms soll das Internetverhalten seiner Kunden ausspähen und die Daten über eine Tochterfirma an Drittunternehmen weiterverkaufen.

Beschützt oder gefährdet das Antivirus-Programm Avast seine Nutzer? (Bild: Andre M. Chang/ZUMA/ddp)

Der tschechische Software-Hersteller Avast Software sammelt über sein Antivirusprogramm Avst Antivirus offenbar massenhaft Nutzerdaten und verkauft diese an Drittunternehmen. Zu den Käufern der Browserdaten sollen Megakonzerne wie Google, Yelp, Microsoft, McKinsey, Pepsi und Condé Nast gehören.

Die Erkenntnis geht aus Recherchen des Online-Portals PC Mag und Motherboard, der Technologie-Publikation des Magazins Vice, hervor. Demnach sammle Avast Antivrus die Nutzerdaten und leite sie an das Unternehmen Jumpshot weiter. Die Tochtergesellschaft von Avast Software werte diese aus und verkaufe sie an Drittunternehmen. Die Daten-Produkte wie das so genannte "All Clicks Feed", das Informationen über das gesamte Click-Verhalten des Nutzers auf Webseiten enthalte, sollen für Millionenbeträge den Besitzer wechseln.

Zu den gehandelten Daten gehörten unter anderem Google-Suchanfragen, GPS-Koordinaten von Google Maps und besuchte Webseiten wie LinkedIn, YouTube und sogar Pornoseiten wie YouPorn und Pornhub. Sie enthielten darüber hinaus Informationen über eingegebene Suchbegriffe auf den jeweiligen Seiten bis hin zu welche Videos angeklickt wurden. Personenbezogene Daten wie Name und Adresse sollen nicht Teil des Datenhandels sein. Allerdings seien die Nutzer aus ihren Bewegungsdaten und über die Geräte-ID leicht identifizierbar, wie das Onlinemagazin heise.de berichtet.

Wie viele Nutzer sind betroffen?

Betroffen könnten hunderte Millionen Nutzer sein. Avast ist nach eigenen Angaben auf rund 435 Millionen Computern weltweit installiert. Jumpshot will im Besitz von Daten aus 100 Millionen Geräten sein. Die Firma vermarktet sich als "einziges Unternehmen", das Walled Garden [geschlossene Systeme] freizuschalten in der Lage sei. Es könne ihren Geschäftspartnern "beispiellose Transparenz, analytische Einblicke und ein umfassenderes Verständnis der Online-Kundenreise bieten, die einen großen Wettbewerbsvorteil darstellen", so das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Avast Antivirus soll jede Bewegung der Nutzer im Internet gesammelt und weiterverkauft haben. (Bild: Getty Images)

Wie lange das Geschäft mit den Kundendaten schon läuft, ist unbekannt. Der Software-Entwickler und Adblock-Plus-Gründer Wladimir Palant hatte schon im Oktober letzten Jahres herausgefunden, dass Avast Kundendaten mit einem Browser-Add-on sammelt und weiterverkauft. Anfang Dezember teilte Mozilla mit, die Erweiterung von Avast und des Antivirusprogramms AVG auf seinem Browser Firefox gesperrt zu haben. Die Webbrowser Opera und Chrome von Google folgten.

Ausgehebelt wurde das Datengeschäft damit nicht. Laut Vice gebe Avast zwar keine Daten mehr über die Browser-Erweiterung an Jumpshot weiter. Dafür sammle das Unternehmen die Informationen nun über seine Antivirus-Software. Seit letzter Woche sollen Nutzer um ihre Zustimmung zur Datenerhebung gebeten werden. Diesen sei jedoch nicht klar gewesen, dass ihre Browserdaten weiterverkauft würden, wie Vice unter Berufung auf Betroffene schreibt.

Das sagt Avast zu den Vorwürfen

Avast teilte auf Anfrage von Motherboard und PC Mag in einem Statement mit, dass Jumpshot von der Antivirus-Software keine persönlichen Daten beziehe wie Name, Adresse, Email-Adresse und Informationen über die Kontaktpersonen der Nutzer. Diese hätten zudem die Möglichkeit, über ein Pop-up-Fenster dem Datentransfer zuzustimmen oder zu widersprechen. Laut PC Mag würden die Nutzer in dem Pop-up jedoch nicht detailliert genug darüber informiert, was mit ihren Browser-Daten passiere. Avast ist sich dennoch sicher, im Einklang mit den Richtlinien des California Consumer Privacy Act (CCPA) und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union zu handeln.