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Anti-Kater-Mittel aus der Apotheke: Helfen die wirklich?

Wem nach einem feucht-fröhlichen Jahreswechsel der Schädel brummt, wünscht sich nichts weiter als ein Wundermittel, das Kopfschmerzen und Übelkeit schnell verschwinden lässt. Drogerien und Apotheken bieten mittlerweile allerlei Mittelchen an, deren Packungen glücklich und katerfrei feiernde Menschen zeigen. Doch helfen die auch?

Nach der Party kommt nicht selten das böse Erwachen: Doch was hilft wirklich gegen Kater? (Symbolbild: Getty Images)

Mittel gegen Kater gibt es viele, vom allseits beliebten Rollmops über kannenweise Kaffee bis hin zu noch mehr Alkohol. Auch der Fachhandel bietet längst Alternativen, die dem Unwohlsein ein schnelles Ende bereiten sollen.

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Trotz eindeutiger Namen wie Katerfly oder Hang&Over dürfen diese Produkte laut “Onmeda” jedoch nicht explizit als Anti-Kater-Mittel verkauft werden. Der Grund: Klinisch nachgewiesen ist ihr Effekt nicht. Stattdessen wird es als Nahrungsergänzungsmittel “für Partypeople und Nachtschwärmer” angepriesen und eine “revitalisierende” Wirkung versprochen.

Kater-Symptome bekämpfen sie so gut wie gar nicht

Letztendlich sind die Produkte allerdings nicht mehr als das: Nahrungsergänzungsmittel, die den Körper mit diversen Vitaminen, Mineralstoffen und Elektrolyten versorgen. Sinnvoll ist das durchaus, denn durch den großen Flüssigkeitsverlust, den starke Alkoholisierung durch häufigeres Urinieren und potentielles Übergeben unweigerlich auslöst, verliert der Körper viel davon. Wer sich noch nicht bereit für feste Nahrung fühlt, dem schadet eine Brausetablette mit Nährstoffen sicherlich nicht.

Doch die gängigen Kater-Symptome werden nicht durch Vitamin- oder Mineralstoffmangel ausgelöst. Die Kopfschmerzen entstehen vielmehr durch den erwähnten Flüssigkeitsmangel. Wenn sich durch den Konsum einer in Wasser aufgelösten Brausetablette also Besserung einstellt, liegt das schlicht daran, dass der Verkaterte etwas getrunken hat, wie Christian Prinz, Direktor der Klinik für Gastroenterologie am Helios Universitätsklinikum in Wuppertal, dem Online-Magazin “bento” erläutert.

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Die Magen-Darm-Beschwerden, die ein Kater oft mit sich bringt, hängen eher mit den giftigen Abbaustoffen von Alkohol zusammen als mit Nährstoffmangel. Auch hier sind Anti-Kater-Mittel nicht unbedingt hilfreich. Möglicherweise sogar das Gegenteil: Einige der Mittel enthalten Ginseng, der zwar als Stärkungsmittel bekannt ist, laut Christian Prinz jedoch in seltenen Fällen zu Magen-Darm-Beschwerden führen kann.

Was wirklich hilft

Die vermeintichen Anti-Kater-Wunder als vorbeugenden Elektrolyt-Kick vor dem Alkoholkonsum einzunehmen bringt dem Magen-Darm-Experten indes gar nichts. Sein Tipp: schon während des Feierns immer wieder ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. “Wer eine Flasche Wein trinkt, sollte in etwa auch eine Flasche Wasser dazu trinken, um den Flüssigkeitsverlust zu vermeiden”, sagte er “bento”.

Auch Bierhefe, die zu den Geheimtipps der Asiaten gehört, zeige Wirkung: “Die Betroffenen greifen häufig auf die Hefe zurück, die dafür sorgt, dass der Alkohol im Darm vergoren wird. Sie blockiert die Alkoholaufnahme.”

Schädlich seien die Anti-Kater-Mittel seiner Ansicht nach nicht. Doch um den Kater zu vertreiben, gibt es bessere Wege.

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