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Der Anti-Elon-Musk: Mit Tech-Pionier Bryan Salesky will VW das Milliarden-Rennen gegen Tesla gewinnen

·Lesedauer: 4 Min.
Der Argo-AI-Chef und -Gründer Bryan Salesky.
Der Argo-AI-Chef und -Gründer Bryan Salesky.

Aufgeregt sitzt Bryan Salesky 2017 da, an zweiter Stelle von links, als er gemeinsam mit seinem Co-Gründer Peter Rander und der Chefetage von Ford die Partnerschaft seines Unternehmens Argo AI mit dem Autobauer preisgibt. Eingekleidet ist er schon damals in das kleinkarierte hellblaue Hemd, dessen Kragen unter einem immergleichen dunkelblauen Troyer hervorschaut – eine Kombination, mit der er sich auch heute noch der Öffentlichkeit präsentiert.

Damals stieg Ford mit einem Versprechen und einer Forderung in das Roboterauto-Startup Argo AI ein: Eine Milliarde US-Dollar würde der Autobauer über einen Zeitraum von fünf Jahren investieren. Dafür würden Salesky und Co. im kommenden Jahr 2021 erste autonome Ford-Autos ermöglichen.

Als sie die Partnerschaft verkünden, stolpert Salesky über die Worte, die er sich vor der Pressekonferenz auf einem Blatt Papier notiert hatte. Vor die Öffentlichkeit trat er damals ungern, daran hat sich bis heute nichts geändert. Und auch wenn er bei seinen seltenen Auftritten noch immer seine Hemd-Pulli-Kombination zur Schau stellt, kratzt er heutzutage bereits am persönlichen Milliardenvermögen. Auch dank des kürzlichen Einstiegs eines weiteren Auto-Giganten – des VW-Konzerns.

Die Wolfsburger sind im vergangenen Juni bei Argo AI eingestiegen, wohl auch angetrieben durch die Verfolgungsjagd, die sie auf das ebenfalls aus Kalifornien stammende Tesla aufgenommen haben. Denn das von Elon Musk angeführte Unternehmen hat nicht nur im großen Stil auf dem Markt der Elektromobilität Fuß gefasst, sondern auch im Bereich des autonomen Fahrens. So laufen seit einigen Tagen die ersten Betatests der Fully Self-Driving-Software (FSD) des Unternehmens auf öffentlichen Straßen in den USA.

2,6 Milliarden US-Dollar war Volkswagen der Einstieg in das Startup wert. Doch was erhoffen sich die Wolfsburger vom Argo-Chef Bryan Salesky?

Ein Exkurs in Kalifornien

Der 39-jährige Salesky stammt aus einem Vorort der US-Autostadt Detroit, zog für ein Studium ins vier Autostunden entfernte Pittsburgh. Auf der privaten Carnegie Mellon University leitete er 2007 unter anderem die Software-Abteilung eines Siegerteams im legendären autonomen Autorennen "Darpa Urban Challenge".

Ab 2011 war er dann für Google tätig, führte die Hardware-Abteilung der Roboterauto-Sparte an, die heute als Waymo bekannt ist. Fünf Jahre später zog es ihn dann jedoch zurück in seine Heimatregion, in den Nordwesten der Vereinigten Staaten, an die Great Lakes des Landes, den einstigen Mittelpunkt der nordamerikanischen Großindustrie. In Pittsburgh fasste er Fuß, gründete 2016 gemeinsam mit seinem ehemaligen Google-Chef Peter Rander das Roboterauto-Startup Argo AI.

Anfänglich hielt das Unterfangen sich noch mit kleineren Investitionen über Wasser, bis Ford dann im Frühjahr 2017 mit einer Milliarde US-Dollar einstieg und sich somit knapp vierzig Prozent der Firmenanteile sicherte. Gut drei Jahre später sicherte sich auch der Volkswagen-Konzern knapp 40 Prozent der Anteile, diesmal jedoch für 2,6 Milliarde US-Dollar. Dafür verspricht sich das Wolfsburger Unternehmen die Software, die die ersten autonom fahrenden VW-Autos in nicht allzu ferner Zukunft auch hierzulande über die Straßen steuern soll.

Viel Zeit, die Ford und Volkswagen in die Entwicklung der Technologie stecken und viel Vertrauen, das die Autobauer dem Gründer Salesky entgegenbringen. Der geht damit keineswegs leichtfertig um. Seine Aussagen zum Stand der Technik passen zur Hemd-Pullover-Kombination, fallen eher durch Bescheidenheit auf, als durch große Versprechen. Für die ist in der Branche ohnehin Saleskys Gegenpol Elon Musk zuständig, der schon jetzt mit völlig selbstfahrenden Autos, während die Tesla-Technologie keineswegs fehlerfrei funktioniert.

"Werde Level 5 zu Lebzeiten nicht mehr erleben"

Die Fähigkeiten autonomer Fahrzeugsoftware werden in fünf verschiedene Level unterteilt. Ein großer Teil der bereits heute verkauften Fahrzeuge ist mit Level-3-Funktionalitäten ausgestattet, die Spurhalte- und Abstandsassistenten beinhalten und etwa eigenständig ein- und ausparken können. Ab Level 4 navigiert das Fahrzeug eigenständig über die Straßen – ein Fahrer muss sich jedoch auf dem Fahrersitz befinden und zur Not eingreifen können. Ab Level 5 spricht man dann von kompletter Automation. Während Musk Tesla-Fans Level-5-Autos bereits in naher Zukunft verspricht, sagte Salesky in dem Podcast "Merge Now", dass er diese Stufe der Automation wohl nicht mehr zu Lebzeiten erleben würde.

Mit Einschätzungen wie dieser dürfte er deutlich näher an der Entwicklungs- und Innovationsgeschwindigkeit der etablierten Autobauer im Gegensatz zu den E-Auto-Startups des Silicon Valley liegen. "Ich arbeite seit 15 Jahren mit Autokonzernen zusammen und weiß, dass wir nicht viel diktieren können", sagt er laut "Handelsblatt".

Diese gemeinsame Arbeit bräuchte es jedoch auch. Denn ohne den Autobauer im Rücken sei sein Unternehmen ein Stuhl mit drei Beinen, könne allein nicht funktionieren – dafür bräuchte es die Autoproduktion von Ford und VW. Nur dann, wenn Software (das autonome Fahrsystem) und Hardware (das Fahrzeug selbst) gemeinsam entstünden, würde das bestmögliche Ergebnis garantiert.

So eine Entwicklung braucht Zeit. Zeit, die sich Argo AI, VW und Ford jedoch durchaus leisten können. Denn zumindest im europäischen Raum ist die Automation des Straßenverkehrs nicht nur an die Entwicklungsgeschwindigkeit der Autobauer und Software-Häuser gebunden, sondern auch an die Legislative. Und die Mühlen der regulatorischen Organe mahlen in Deutschland und unseren Nachbarländern bekanntlich langsam.

Dieser Artikel erschien bei Business Insider bereits im Dezember 2020. Er wurde nun erneut geprüft und aktualisiert.

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