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Börsengang der Ant Group soll mehr als 34 Milliarden Dollar einbringen

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Die Ant Group will ihre Aktien in Schanghai und Hongkong platzieren. Das chinesische Fintech-Unternehmen steuert auf den weltgrößten Börsengang zu.

Der größte Börsengang der Welt steht kurz bevor. Wie das chinesische Finanzdienstleistungsunternehmen Ant am Montag mitteilte, peilt es seine Erstnotierung – das Initial Public Offering (IPO) – in Hongkong am 5. November „oder um diesen Tag herum“ an, wie es in einer Mitteilung hieß. Zwar nannte der Konzern keinen Termin für den Schritt aufs Parkett in Schanghai, Beobachter rechnen jedoch damit, dass der als dualer Börsengang geplante IPO zeitgleich an beiden Marktplätzen stattfinden wird.

Der Alibaba-Ableger nannte am Montag erstmals einen Preis für die Anteile, die zum Verkauf stehen: Demnach werden jeweils 1,67 Milliarden Aktien gehandelt, die in Schanghai 68,8 Yuan je Stück und in Hongkong 80 Hongkong-Dollar kosten sollen. An beiden Handelsplätzen will Ant jeweils rund 17,2 Milliarden Dollar, also insgesamt 34,4 Milliarden US-Dollar einsammeln.

Damit würde der chinesische Konzern die Rekordemission des Ölgiganten Saudi Aramco übertreffen, der vergangenes Jahr 29,4 Milliarden Dollar erzielt hatte.

Ant ist vor allem mit der Bezahldienstleistungs-App Alipay groß geworden. Inzwischen ist der Konzern aber auch auf anderen Feldern tätig, etwa in der Kreditvergabe. Laut dem Marktforschungsunternehmen Analysys haben Ants Konkurrent Tencent und Ant selbst einen Anteil am Markt für mobile Zahlungsdienstleistungen in China von fast 94 Prozent. Ant hält dabei den Löwenanteil mit rund 55 Prozent, Tencent 39 Prozent.

Die „digitale Brieftasche“ von Alipay hat gemeinsam mit den Partnern laut Unternehmensangaben weltweit 1,3 Milliarden Nutzer. In den ersten neun Monaten 2020 hatte Ant seinen Betriebsgewinn um 42,6 Prozent auf umgerechnet 17,8 Milliarden Dollar gesteigert.

Beobachter waren davon ausgegangen, dass Ant den Schritt aufs Parkett noch vor der US-Präsidentenwahl am 3. November machen will, da im Nachgang zur Entscheidung zwischen Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden Turbulenzen an den Märkten erwartet werden. Doch die Genehmigungsverfahren in China haben dem Unternehmen offenbar einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Medienberichten zufolge soll bei der Prüfung durch die Aufsichtsbehörde China Regulatory Security Commission, wo Ant Mitte September den IPO-Antrag eingereicht hatte, das Thema aufgekommen sein, dass die meisten Anleger offenbar nur über das Ant-Bezahlsystem Alipay in das Unternehmen investieren konnten.

Verzögerungen drohten zweitweise auch durch ein mögliches Eingreifen der US-Seite. In den vergangenen Wochen gab es in der US-Regierung um Donald Trump laut Medienberichten offenbar Gedankenspiele, wie man den Börsengang noch verhindern könnte. Wie das genau gehen sollte, war jedoch nicht klar.

Alibaba-Chef Jack Ma hält die Fäden in der Hand

Der Ausgabepreis für die Aktien war laut Aussage von Jack Ma, der das Unternehmen 2004 als Zahlungsdienstleister für sein Onlinehandelsunternehmen Alibaba gegründet hatte, bereits am Freitagabend festgelegt worden. Obwohl Alibaba inzwischen nur noch 33 Prozent der Anteile an Ant hält und seit der jüngsten Finanzierungsrunde 2018 auch namhafte Investoren wie der Staatsfonds Temasek aus Singapur und der Finanzinvestor Warburg Pincus an dem Fintech beteiligt sind, hält Ma weiterhin die Fäden in der Hand.

„Es ist das erste Mal, dass die Preise für eine so große Listung – die größte in der Geschichte der Menschheit – außerhalb von New York City festgelegt wurden“, sagte Ma laut Medienberichten bei einer Veranstaltung am Samstag. „Wir haben uns vor fünf Jahren oder sogar vor drei Jahren nicht getraut, darüber nachzudenken. Aber gerade ist ein Wunder geschehen“, meinte er.

Dass die Wahl des Börsenplatzes für den IPO auf China fiel und nicht auf die USA, war auch als Ausdruck der Spannungen zwischen den zwei Großmächten gewertet worden. Der Onlinehändler Alibaba, aus dem Ant im Jahr 2011 herausgelöst worden war, ging 2014 noch in den USA an die Börse.

Ma zielt mit solchen Aussagen wie der am Samstag auf die Gunst der chinesischen Regierung ab, die am Ende einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens in China hat – auch wenn es sich um ein privates handelt.

Der Gang an den Schanghaier Star Market dürfte ebenfalls kein Zufall gewesen und in der chinesischen Führungsriege gut angekommen sein. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte die Einrichtung der Technologiebörse inmitten des Handelsstreits mit den USA vor rund zwei Jahren angeordnet.

Mit dem Geld aus dem Börsengang will Ant laut eigenen Angaben unter anderem seine Internationalisierung vorantreiben und auf ausländischen Märkten wachsen. Bislang richtet sich das Unternehmen vor allem an chinesische Touristen, die außerhalb Chinas shoppen gehen. In Deutschland etwa können chinesische Kunden bei dm-Drogeriemärkten mit Alipay bezahlen. Die Produkte des deutschen Unternehmens sind bei chinesischen Verbrauchern sehr beliebt.

Ant kooperiert im Ausland meist mit lokalen Anbietern, wie dem Zahlungsdienstleister Kakao in Südkorea oder True Money in Thailand.