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Ant Financial macht es Snoop Dogg nach – und beteiligt sich an Klarna

Der Rapper Snoop Dogg und die Alibaba-Tochter Ant Financial haben jetzt etwas gemeinsam: Beide investieren in das schwedische Fintech Klarna – das nun wieder das wertvollste in Europa ist.

Der Rapper ist ein Werbegesicht des Zahlungsdienstleisters Klarna. Foto: dpa

Es ist eine Finanzierungsrunde der Superlative: Das wertvollste Fintech der Welt investiert in das wertvollste Fintech Europas. Wie das Handelsblatt vorab von dem schwedischen Finanzdienstleister Klarna erfuhr, ist Ant Financial bei dem Unternehmen als Gesellschafter eingestiegen.

Zur Höhe des Investments machte Klarna keine Angaben, sprach lediglich von einer „Minderheitsbeteiligung.“ Nach Informationen der Agentur Reuters soll der Anteil von Ant Financial nun bei etwa einem Prozent liegen. Aus Unternehmenskreisen war zudem zu hören, dass sich die Bewertung mit dieser Finanzierungsrunde erneut erhöht habe. Sie liegt nun oberhalb von fünf Milliarden Euro, wodurch sich Klarna den Rang als wertvollstes, nicht börsennotiertes Finanz-Start-up in Europa zurückerobert.

Noch wichtiger als das neue Kapital dürfte aber die angekündigte strategische Zusammenarbeit sein. Der Finanzkonzern Ant Financial gehört zur chinesischen Alibaba-Gruppe und ist mit mehr als 140 Milliarden Euro bewertet. Kern des Angebots ist Alipay. Was ursprünglich nur eine Online-Bezahlfunktion für einen Onlineshop von Alibaba war, hat sich zu einer Lifestyle-Plattform entwickelt. Mit der Smartphone-App können Nutzer nicht nur bezahlen, sondern beispielsweise auch ein Taxi buchen, einen Tisch im Restaurant reservieren, oder sie bekommen Shopping-Tipps zu Händlern in der Nähe.

Mit diesem Angebot ist Alipay schon lange ein Vorbild für Klarna-Co-Gründer und -Geschäftsführer Sebastian Siemiatkowski. „Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit zwischen Klarna und Alipay steht das gemeinsame Ziel, Nutzerinnen und Nutzern weltweit eine Anlaufstelle für Shopping-Inspirationen zu schaffen“, kommentiert er das Investment. Viel zu lange sei das „Einkaufserlebnis sowohl online als auch offline durch langweilige und komplizierte Services geprägt“ gewesen. Ant Financial wollte sich auf Anfrage des Handelsblatts nicht zu der Finanzierung äußern.

Schon seit Mai vergangenen Jahres arbeiten Klarna und Alipay zusammen: In mehreren Ländern können Kunden von AliExpress, dem globalen Online-Marktplatz der Alibaba-Gruppe, mithilfe von Klarna Waren auf Rechnung kaufen. Nun sollen Klarnas Lösungen „Endkonsumenten und Händlern innerhalb des Alibaba-Ökosystems mehr und mehr zugänglich“ gemacht werden. Denkbar wäre, dass Klarnas Bezahlmethoden auch in die Alipay-App integriert werden. Aktuell gibt es dazu laut Klarna aber „noch keine formale Entscheidung“.

Chinesische App als Vorbild

Die schwedische Firma selbst bietet auch eine eigene App. In Deutschland können Kunden darüber ihre Online-Einkäufe sowie Zahlungen über die Klarna-Kreditkarte verwalten und sich beispielsweise nachträglich für einen Ratenkauf entscheiden. In anderen Märkten wie Schweden, den USA und Australien ist das Angebot schon ausgefeilter. Dort sind bereits Einkäufe direkt über die App möglich. In diesen Ländern geht Klarna also bereits erste Schritte in Richtung einer eigenen Lifestyle-Plattform.

Im vergangenen August war Klarna schon einmal zum wertvollsten europäischen Fintech aufgestiegen. Internationale Investoren hatten rund 412 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt und es mit fünf Milliarden Euro bewertet. Angeführt wurde die Runde damals von der Dragoneer Investment Group, einem führenden wachstumsorientierten Investor mit Sitz in San Francisco. Neben einigen anderen Investoren hatte sich auch die Commonwealth Bank of Australia (CBA) beteiligt.

Sie hatte zunächst rund 90 Millionen Euro investiert und in diesem Januar – zur gleichen Bewertung – nochmals 180 Millionen nachgelegt. Zeitgleich wurde Klarna in die App der australischen Bank integriert. Nachdem das britische Banking-Fintech Revolut kürzlich eine Finanzierungsrunde in Höhe von 450 Millionen Euro abgeschlossen hatte, wurde es ebenfalls mit fünf Millionen Euro bewertet – zog also mit Klarna, in das zuvor auch der Rapper Snoop Dogg investiert hatte, gleich.

Ant Financial wiederum hat bereits in viele Firmen investiert, war in Europa bislang aber kaum als Investor aktiv. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen für rund 630 Millionen Euro die britische Firma WorldFirst übernommen, einen Dienstleister für grenzüberschreitende Zahlungen. Anders der chinesische Konkurrent Tencent, das Unternehmen hinter WeChat Pay. Tencent hatte bereits vor zwei Jahren in die Berliner Smartphonebank N26 investiert und kürzlich in Qonto, einen französischen Anbieter von Firmenkonten.

Der Zahlungsmarktexperte Marcus Mosen wertet die neue Zusammenarbeit zwischen Klarna und Alipay als logischen Schritt: „So wie Apple oder Google ihre globale Plattformen ausbauen, sind asiatische Plattformen ebenso gezwungen, ihre Angebote zu globalisieren“, sagt er. Europa sei für die Asiaten als Zielregion naheliegender als die USA. Für Kooperationen stünden solche Fintechs im Fokus, die App-basierte Finanzdienstleistungen im Zahlungsverkehr oder Banking anböten und einen Zugang zu Endkunden haben. „Wenn aus diesen strategischen Beteiligungen mittelfristig Übernahmen werden, sollte uns das nicht überraschen“, so Mosen.

Als Marke ist Alipay indes schon länger in Europa präsent. Für chinesische Touristen ist Alipay seit Mitte 2016 auch in deutschen Läden verfügbar – WeChat Pay seit Ende 2017. Alipay kooperiert dafür mit den Zahlungsdienstleistern Concardis und Wirecard. Im vergangenen November verkündete Alipay die Zielmarke von zehn Millionen europäischen Einzelhändlern, die die Bezahlmethode akzeptieren sollen. Bislang bieten vor allem Läden an touristischen Hotspots die Zahlungsmöglichkeit mit dem QR-Code an. In Deutschland gibt es einige Tausend Geschäfte, darunter auch Drogerieketten wie Rossmann, Müller und dm.

Alipay expandiert in Europa

Lange waren für die Nutzung ein chinesischer Pass und ein chinesisches Konto erforderlich. Seit vergangenem November können auch Ausländer, die in China unterwegs sind, eine ausländische Kreditkarte als Zahlungsmittel hinterlegen. Dass sich Alipay irgendwann auch europäischen Kunden in Europa öffnet, ist Zahlungsexperten zufolge nur eine Frage der Zeit. Mithilfe von Klarna könnte dieses Szenario näher rücken, denn Klarna hat schon lange eine Banklizenz und gibt Kreditkarten heraus, könnte also EU-Bürgern den Zugang in die App ermöglichen.

Gestartet war Klarna 2005 als Anbieter von Rechnungskauf für den Onlinehandel. Seitdem hat es sein Geschäftsmodell stetig erweitert. Die Bezeichnung als Zahlungsdienstleister greift daher längst zu kurz. Im kürzlich veröffentlichten Jahresabschluss bezeichnet Klarna-Chef Siemiatkowski sein Unternehmen als „Anlaufstelle fürs Einkaufen, Technologieunternehmen, Zahlungsplattform und Bank“.

Neben eigenen Produktentwicklungen hatte Klarna sein Angebot laufend auch durch Zukäufe anderer Unternehmen erweitert. Schon 2014 wurde die Sofort GmbH akquiriert, Anbieter der Sofortüberweisung. 2016 folgte das Team der Zahlungs-App Cookies und 2017 der Rechnungskaufkonkurrent Billpay – alle drei Unternehmen stammen aus Deutschland.

Das schwedische Unternehmen zählt zu den am höchsten bewerteten Fintechs in Europa. Foto: dpa