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Anne Sophie Geier will „Apps auf Rezept“ zum Erfolg verhelfen

·Lesedauer: 4 Min.

Die Pharmazeutin ist die neue Geschäftsführerin des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung. Er vertritt rund 80 Digital-Health-Start-ups in Deutschland.

Für Anne Sophie Geier werden die kommenden Tage nicht nur in ihren persönlichen Lebenslauf eingehen, sondern in die Geschichte. Die 34-Jährige ist ab 1. Oktober Geschäftsführerin des 2019 gegründeten Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung, der rund 80 Digital-Health-Start-ups vertritt.

Für geschichtsträchtig hält sie allerdings nicht ihren Karriereschritt. In den kommenden Tagen sollen auch die ersten „Apps auf Rezept“ starten, die sich Patienten vom Arzt verschreiben lassen können. Der Gesetzgeber hatte die Möglichkeit geschaffen, dass bestimmte digitale Gesundheitsanwendungen, also Apps und webbasierte Programme, von Ärzten verschrieben werden können und die Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden.

Dabei handelt es sich beispielsweise um Diabetes-Tagebücher, digitale Medikamentenpläne oder Diagnose-Apps, die mit einer KI arbeiten. Hersteller erhalten so Zugang zum milliardenschweren erstattungsfähigen Gesundheitsmarkt. Und die Hoffnungen von Geier und der Branche sind riesig.

„Das ist für mich der Baustein in der Digitalisierung des Gesundheitswesens, der bislang gefehlt hat“, sagte sie dem Handelsblatt. „Es ist ein Momentum, auf das wir zurückblicken werden und sagen: Da ging die Digitalisierung richtig los.“

Damit dies aber aus Sicht der Hersteller auch reibungslos funktioniert, muss Geier in ihrer neuen Rolle noch einige Steine aus dem Weg räumen. Die Digitalisierung geht einigen Akteuren im Gesundheitswesens viel zu schnell. Unter anderem hatten Ärzteverbände in den vergangenen Wochen ihre Bedenken über die Apps auf Rezept geäußert.

Sie fürchten eine unklare Studienlage über den medizinischen Nutzen und warnen davor, dass Patienten zu „Versuchskaninchen“ gemacht werden könnten. Der Erfolg ist von der Unterstützung der Ärzte abhängig, da diese die Apps auf Rezept verschreiben müssen.

Geier hat die Kritik genau vernommen. Die vergangenen Wochen hat sie genutzt, um sich tief in die neuen Gesetze, die Grundlage für die Apps auf Rezept sind, einzulesen. Sie verweist auf das strenge Prüfverfahren des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das jede App auf Rezept nach einem Leitfaden zulassen muss. Der setzt vergleichende Studien über den medizinischen Nutzen voraus.

Geier will Start-ups nun helfen, diese Studien effizient zu planen und auszuführen. Nicht wenige junge Unternehmen haben mit dem Prüfverfahren des BfArM zu kämpfen. Unter anderem organisiert der Verband Seminare für Hersteller, die dort mehr über die Studiengestaltung lernen sollen.

Geier soll dafür ihre Erfahrung im Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) einbringen. Dort war sie zuletzt als Sachgebietsleiterin für die frühe Nutzenbewertung von neu zugelassenen Arzneimitteln zuständig. Sie kennt sich also gut mit wissenschaftlichen Studien aus und weiß, worauf es den Kassen ankommt. „Es ist uns allen wichtig, dass mit digitalen Anwendungen auf Rezept auch medizinische Qualität ins Gesundheitssystem kommt“, sagt sie.

Außerdem organisiert der Verband eine Seminarreihe mit dem Bündnis Junge Ärzte und dem Hartmannbund. Der hatte beklagt, dass es keine geeignete Information über jede App auf Rezept gebe. Gemeinsam wolle man nun an einer Lösung arbeiten, sagt Geier: „Wir arbeiten hart daran, dass sich die Fronten nicht verhärten, und gehen auf die Ärzteschaft zu, um einen gemeinsamen Weg zu finden.“

Ihre Leidenschaft für die Digitalisierung des Gesundheitswesens entdeckte Geier während ihrer akademischen Laufbahn. Geier promovierte im Bereich Pharmazie an der WWU Münster und der Harvard Business School zum Krebsrisiko von Diabetesmedikamenten.

In Deutschland bereitete sie dafür mühsam über ein Jahr einen Datensatz mit 70.000 Patienten auf. In Boston aber stellte sie dann fest, dass es für ihr Vorhaben deutlich mehr Daten bräuchte. „Meine Erkenntnis aus dieser Zeit: Wir werden die Digitalisierung des Gesundheitswesens und unsere Forschung insbesondere dann weiterentwickeln, wenn wir ausreichend große Datenmengen von hoher Qualität haben.“

Dass auf nationaler Ebene ab dem Jahr 2023 ein Forschungsdatensatz entstehen soll, hält sie für einen guten Anfang. Der nächste Schritt müsse die europäische Ebene sein – und, dass sich möglichst viele Digital-Health-Unternehmen und Forschungseinrichtungen enger vernetzen. Hier seien die USA Europa noch weit voraus. Die enge Zusammenarbeit von Unternehmen und Universitäten dort hat sie beeindruckt.

Als Erstes aber steht für Geier eine Party zum Einstand an – oder das, was in der Coronakrise davon eben möglich ist.

Mehr: Gesetz für „Apps auf Rezept“ nimmt letzte Hürde