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Wie Anleger mit Unternehmensanleihen noch Geld verdienen können

Zu kaufen und zu halten gilt bei Firmenbonds als eine bewährte Strategie. In Zeiten der weltweiten Niedrigzinsen gilt diese Faustregel jedoch nicht mehr.

Auch für Fondsmanager wird es immer schwieriger, mit Anleihen Geld zu verdienen. Foto: dpa

Theoretisch sind Anleihen von Unternehmen für Anleger eine interessante Sache. Firmenbonds bieten mehr Rendite als Staatsanleihen und eine gewisse Sicherheit. Wer Anleihen kauft und bis zur Fälligkeit hält, bekommt am Ende der Laufzeit sein Kapital verzinst zurück.

Ob die Unternehmen auch in schwächeren Konjunkturzeiten ihre Gewinne steigern können, interessiert Anleger, die Anleihen kaufen und bis zur Fälligkeit halten, im Gegensatz zu Aktionären nicht. Das Wichtigste für Anleihebesitzer ist, dass die Unternehmen genug Geld für die Zinsen und die Tilgung haben.

Praktisch funktioniert das in den Zeiten der weltweiten Niedrigzinsen aber nicht mehr. „Die Kaufen-und-halten-Strategie ist nicht mehr ratsam“, sagt Ulrich Stephan, der bei der Deutschen Bank die Kapitalmarktstrategie für Privat- und Firmenkunden leitet. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wer sich jetzt noch Anleihen bis zum Laufzeitende ins Depot legt, wird damit nicht mehr glücklich: Die Kurse sind so deutlich über den Rückzahlungswert gestiegen, dass die effektive Verzinsung bis Laufzeitende extrem gering ist.

Im Schnitt liegt sie bei Euro-Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität bei weniger als einem halben Prozent – und ist bei vielen kurzlaufenden Zinspapieren sogar negativ. Etwas mehr bieten Anleihen von Unternehmen aus den USA. Dort liegt die durchschnittliche Rendite für Einsteiger bei knapp drei Prozent.

Bei Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern sind es sogar mehr als vier Prozent. Wichtig ist, dass Anleger dann aber Währungsrisiken einkalkulieren. Diese können die Zinseinnahmen schnell aufzehren. Zudem kommen Kleinanleger nur noch schwer an einzelne Firmenbonds. Die Mindestanlagesumme liegt häufig bei 100.000 Euro.

Bei Fonds ist das Risiko gestreut

Privatanleger können von daher fast nur noch über Fonds in Unternehmensanleihen investieren. Und das ist gerade in Zeiten niedriger Zinsen und steigender Schulden auch besser so. Zum einen streuen Fonds das Risiko breiter, weil sie in viele verschiedene Anleihen investieren.

Ein einzelner Zahlungsausfall fällt von daher nicht so ins Gewicht. Zum anderen fahren die Fondsmanager keine Buy-and-hold-Strategie. Sie handeln aktiv mit Anleihen, schauen, welche Papiere und Laufzeiten über- oder unterbewertet sind, und setzen so auf Kursgewinne während der Laufzeit.

Im Jahr, das nun zu Ende geht, hat das sehr gut funktioniert. Die Unterstützung der Notenbanken weltweit beflügelte die Anleihekurse. Fonds, die global in Anleihen von Unternehmen mit ordentlicher Kreditwürdigkeit investieren, legten laut Fondsanalysehaus Scope in diesem Jahr im Schnitt mehr als zwölf Prozent zu und damit so viel wie seit zehn Jahren nicht.

Nun wird es aber auch für Fondsmanager schwerer, mit Anleihen Geld zu verdienen, weil die Zinsen sehr niedrig sind und die Notenbanken weniger Impulse geben. Bei Unternehmensanleihen sind die Chancen nach Einschätzung von Finanzexperten wegen der höheren Renditen noch besser als bei Staatsanleihen. Das Fondshaus DWS setzt dort besonders auf Firmenbonds aus der Euro-Zone und den Schwellenländern.

Auch die Experten des Asset-Manager Columbia Threadneedle finden Unternehmensanleihen deutlich interessanter als Staatsanleihen. Die Experten von JP Morgan Asset-Management gehen in ihrem langfristigen Kapitalmarktausblick davon aus, dass sich mit Anleihen von US-Unternehmen in den nächsten zehn bis 15 Jahren im Schnitt pro Jahr gut drei Prozent verdienen lassen. Bei Anleihen von Unternehmen aus dem Euro-Raum liegen die Erwartungen bei 1,7 Prozent.