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Angst vor neuen Corona-Mutationen: USA und Italien beschließen Test-Pflicht für Reisende aus China – Deutschland wartet ab

Reisende am 27. Dezember am Flughafen von Chinas Hauptstadt Peking. - Copyright: picture alliance/Kyodo
Reisende am 27. Dezember am Flughafen von Chinas Hauptstadt Peking. - Copyright: picture alliance/Kyodo

Gerade erst hat der Virologe Christian Drosten die Corona-Pandemie in Deutschland für überwunden erklärt, da geht es in China erst richtig los. Nach fast drei Jahren hat Peking seine strenge Null-Covid-Politik für beendet erklärt – und lässt Omikron durchs Land rauschen. Allein in den ersten drei Dezember-Wochen steckten sich laut Schätzungen 248 Millionen Menschen in China mit dem Virus an. Wissenschaftler warnen, die Corona-Welle könnte neue Varianten hervorbringen, die dann ihren Weg in andere Länder finden würden.

Aus diesem Grund haben einige Länder, wie die USA, Japan, Indien und Italien, eine neue Beschränkung für Reisende aus dem asiatischen Land eingeführt. In Deutschland bleibt man derweil gelassen: Man behalte die Situation sehr aufmerksam im Blick, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Donnerstag auf Anfrage.

Die EU-Kommission wollte am Donnerstag über "mögliche Maßnahmen für ein koordiniertes Vorgehen" der EU-Staaten beraten. Es sei ein Treffen mit Vertretern der Gesundheitsministerien der 27 Mitgliedsstaaten einberufen worden, sagte eine Kommissionssprecherin der Nachrichtenagentur AFP.

Unterdessen hat China angekündigt, ab Anfang Januar seinen Staatsangehörigen wieder Reisepässe auszustellen. Im Zuge der Abschottung hatte die Regierung den Behörden untersagt, Dokumente auszustellen, um Reisen zu vermeiden. Zudem steht mit dem wichtigsten Feiertag am chinesischen Neujahrstag am 22. Januar die Haupt-Reisezeit des Landes an: Viele Chinesen konnten die letzten Jahre kaum und wenn nur mit großen Hürden ins Ausland reisen, was sie jetzt möglicherweise nachholen wollen. Sollten sich in diesem Umfeld neue Covid-Mutationen bilden, so gilt eine Verbreitung auch über China hinaus als wahrscheinlich.

Wie wahrscheinlich sind neue Varianten?

Während Chinas nationale Gesundheitskommission keine Zahlen mehr zu den täglich Neuinfizierten und Toten veröffentlicht, gehen Gesundheitsexperten davon aus, dass sich bis April mindestens ein Drittel der 1,4 Milliarden Chinesen mit Corona infiziert haben wird. Das US-amerikanische Institute of Health Metrics and Evaluation geht nach seinen Berechnungen davon aus, dass im Laufe von 2023 in China bis zu einer Million Menschen aufgrund einer Corona-Erkrankung sterben werden. Apotheken, Krankenhäuser und Krematorien sind bereits jetzt landesweit überlastet.

Gesundheitsexperten warnen vor neuen Mutationen: Da das Virus jetzt unter fast einem Fünftel der Weltbevölkerung zirkuliert, von denen fast alle keine Immunität aufgrund einer früheren Infektion besitzen und viele nicht geimpft sind, wird befürchtet, dass China zu einem fruchtbaren Boden für neue Varianten wird.

Zur Nachrichtenagentur AFP sagte Antoine Flahault, Direktor des Instituts für Globale Gesundheit an der Universität Genf, dass mit jeder neuen Infektion die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Virus mutiert. "Die Tatsache, dass 1,4 Milliarden Menschen plötzlich SARS-CoV-2 ausgesetzt sind, schafft offensichtlich Bedingungen, die die Entstehung neuer Varianten begünstigen", sagte Flahault.

Auch Bruno Lina, Professor für Virologie an der französischen Universität Lyon, sagte gegenüber der französischen Zeitung "La Croix", dass China ein "potenzieller Nährboden für das Virus" werden könnte. Das bestätigte auch Soumya Swaminathan, die bis November als leitende Wissenschaftlerin der Weltgesundheitsorganisation tätig war. "Wir müssen alle neu auftretenden Varianten genau beobachten", sagte sie der indischen Zeitung "Indian Express". Ein großer Teil der chinesischen Bevölkerung sei anfällig für eine Infektion, auch weil viele ältere Menschen nicht geimpft oder geboostert worden seien.

Als "politische Überreaktion" wertete hingegen Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Laborärzte, die Reisebeschränkungen. "Eine medizinische Notwendigkeit dafür ist aus dem Pandemieverlauf nicht herzuleiten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch zu Corona-Hochphasen in Europa mit Millionen Ansteckungen binnen kurzer Zeit hätten sich keine gefährlicheren Varianten entwickelt – dies nun in China zu erwarten, sei spekulativ.

Italien testet nach Landung

In Italien müssen Flugreisende aus China nach ihrer Landung noch am Flughafen einen verpflichtenden Corona-Test machen. Die Behörden begannen am Donnerstag mit entsprechenden Maßnahmen am römischen Flughafen Fiumicino, wo am frühen Morgen eine Maschine aus Chongqing landete. Mit Corona infizierte Reisende müssen sich in Italien in Isolation begeben.

Am Mittwoch hatte Gesundheitsminister Orazio Schillaci eine entsprechende Verordnung erlassen und damit auf die Lockerung der chinesischen Corona-Politik sowie auf die extrem gestiegenen Fallzahlen in dem asiatischen Land reagiert. „Die Maßnahme ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass mögliche Virusvarianten überwacht und erkannt werden zum Schutz der italienischen Bevölkerung“, sagte der Minister laut Mitteilung.

Italien entschloss sich zu der Verordnung, nachdem aus Mailand besorgniserregende Zahlen gemeldet worden waren. Am 26. Dezember landeten zwei Flieger aus China in der norditalienischen Stadt. Von den dabei 210 getesteten Passagieren gaben 97 einen positiven Corona-Test ab, wie der Gesundheitsassessor der Region Lombardei, Guido Bertolaso, bekannt gab. Die Proben wurden zur weiteren Entschlüsselung der Covid-Varianten untersucht.

Die Regierung in Rom aber reagierte noch am Mittwoch. Von der Testpflicht betroffen sind alle Reisenden, die aus China nach Italien kommen und auch alle Transit-Passagiere, die also von italienischen Flughäfen sofort wieder weiterfliegen wollen. Am Donnerstagnachmittag wurde in Rom ein weiteres Flugzeug aus der chinesischen Stadt Wenzhou erwartet. Die Tests werden in einem eigens eingerichteten Bereich unmittelbar nach der Landung am Gate durchgeführt.

USA verlangen Corona-Test vor Abflug

Laut US-Gesundheitsbehörde CDC müssen Flugreisende aus China ab dem 5. Januar vor dem Abflug einen negativen Corona-Test vorweisen. Das gelte unabhängig von der Nationalität der Reisenden und von ihrem Impfstatus. Der Test dürfe nicht älter als zwei Tage sein. Die Testpflicht sei auch vorgeschrieben für Reisende aus den chinesischen Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Diese neue Vorschrift gelte ebenso für Personen, die aus China über ein Drittland in die USA kämen, sowie für Fluggäste, die über die Vereinigten Staaten zu anderen Zielen weiterreisen wollten, hieß es weiter. Es gehe darum, eine Ausbreitung des Coronavirus angesichts des Anstiegs der Covid-Fälle in China einzudämmen, da von chinesischer Seite keine ausreichenden Daten geliefert würden.

Japan testet und schickt Infizierte in Quarantäne

Auch Japan greift durch: Alle Reisenden aus China, unabhängig von ihrer Nationalität, sowie diejenigen, die innerhalb der letzten sieben Tage in China waren, werden bei ihrer Ankunft in Japan auf Covid-19 getestet. Diejenigen, deren Test positiv ausfällt, müssen sich sieben Tage lang in ausgewiesenen Einrichtungen in Quarantäne begeben.

Die Quarantänezeit für diejenigen, die positiv getestet wurden, wird voraussichtlich sieben Tage betragen, wenn sie Symptome entwickelt haben, berichtet die "Japan Times". Bei Personen, die keine Symptome aufweisen, wird die Quarantänezeit auf fünf Tage verkürzt, wenn der Test am fünften Tag negativ ausfällt, teilte das japanische Gesundheitsministerium mit.

Indien testet Reisende aus Japan, China, Südkorea und Thailand

Alle internationalen Reisenden aus Japan, China, Südkorea und Thailand müssen sich ab dem 1. Januar nach ihrer Landung in Indien einem PCR-Test unterziehen, und diejenigen, bei denen Symptome oder ein positiver Befund von Covid-19 festgestellt werden, werden in speziellen, medizinischen Einrichtungen unter Quarantäne gestellt, berichtet die "Times of India". Außerdem werden bei zwei Prozent aller internationalen Fluggäste jedes ankommenden internationalen Fluges nach ihrer Ankunft ein Corona-Test durchgeführt. Sie werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt; die Fluggäste müssen jedoch nicht auf die Testergebnisse warten, sondern dürfen nach Abgabe der Probe das Flugzeug verlassen.

Nach fast drei Jahren strikter Vorkehrungen hatte Chinas Führung am 7. Dezember abrupt ein Ende seiner umstrittenen Null-Corona-Politik verkündet. Seit dem Beginn der Pandemie sah Chinas Strategie vor, das Virus so gut es geht einzudämmen und selbst kleinste Ausbrüche mit Lockdowns, Massentests und Zwangsquarantänen zu bekämpfen. Doch konnten die Maßnahmen am Ende gegen die leichter übertragbare Omikron-Variante nicht mehr viel ausrichten. Nun kommen fast alle Chinesen erstmals mit dem Virus in Kontakt.

Mit Material der dpa