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Angst vor Blackout: Wie wahrscheinlich das Szenario ist und was ihr bei einem Stromausfall beachten müsst

Die Angst vor einem Blackout wächst. So bereitet ihr euch darauf vor. - Copyright: picture alliance / Zoonar | Thomas Schmalzbauer
Die Angst vor einem Blackout wächst. So bereitet ihr euch darauf vor. - Copyright: picture alliance / Zoonar | Thomas Schmalzbauer

Die steigenden Strom- und Gaspreise belasten die Verbraucher. Europa steht vor einer Energiekrise. Auch die Angst vor einem flächendeckenden Stromausfall, Blackout genannt, wächst. Nach Informationen der "Welt" bereitet sich die Berliner Polizei genau darauf vor. In dem dreistufigen Plan, bei dem der Blackout den Worst Case darstellt, schätzt die Polizei das Risiko für Plünderungen und Unruhen bei einem Zusammenbruch der Energieversorgung als sehr hoch ein.

Doch ist ein Netz-Kollaps in Deutschland wahrscheinlich? Und wenn ja, welche Maßnahmen können Versorger und Verbraucher ergreifen? Wir beantworten euch die wichtigsten Fragen.

Was ist ein Blackout?

Wichtig zu beachten ist: Nicht jeder Stromausfall ist gleich ein Blackout. Kurze Stromausfälle können immer wieder auftreten. Sie sind regional begrenzt und halten in der Regel nur wenige Minuten oder Stunden an. Von einem Blackout wird meist dann gesprochen, wenn die Energieversorgung für mehrere Stunden oder Tage breitflächig ausfällt. Der Schaden ist hier deutlich höher. Die komplette Infrastruktur droht bei einem Blackout zusammenzubrechen. Eine genaue Definition, ab wann ein Stromausfall als Blackout zu bezeichnen ist, gibt es jedoch nicht.

Kann ich bei einem Blackout noch Heizen und habe fließendes Wasser?

Nach einem Blackout sind eure Steckdosen vorerst unbrauchbar. Alle Geräte, die Strom benötigen und keinen Akku haben, werden nutzlos. Auch das Internet fällt aus. Die Beschaffung von Informationen gestaltet sich dadurch schwieriger. Doch dabei bleibt es nicht unbedingt. Pumpen werden meist mit Strom betrieben. Fallen diese aus, gibt es kein fließendes Wasser in den Wohnungen. Auch Heizungen können je nach Heizart ausfallen, sobald kein warmes Wasser mehr durch die Rohre fließt. Wie sehr ein Haushalt von einem Blackout betroffen ist, hängt daher von vielen Faktoren ab.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts in Deutschland?

Zu kleineren Stromausfällen kann es in Deutschland immer wieder kommen. Diese sind in der Regel schnell behoben. Ausnahmen gibt es allerdings auch. In Berlin kam es im Stadtteil Köpenick am 19. Februar 2019 zum größten Stromausfall in der Nachkriegsgeschichte der Hauptstadt, nachdem Bauarbeiter zwei Stromkabel durchtrennt hatten. Über 30.000 Haushalte waren für 31 Stunden ohne Strom.

Doch auch Cyberattacken können das Stromnetz gefährden. Entsprechende Angriffe auf deutsche Versorgungseinrichtungen hat es schon gegeben – bisher ohne Auswirkungen. Durch den Ukraine-Krieg könnte sich das Problem jedoch verschärfen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch das gesamte Stromnetz lahmgelegt wird, ist jedoch gering. In Deutschland herrschen strenge IT-Vorgaben. Zudem sind die Server der verschiedenen Verteilnetzbetreiber dezentral über ganz Deutschland verteilt. Bei einem erfolgreichen Angriff würde es also nur zu kleineren regionalen Ausfällen kommen.

Auch Experten bezeichnen einen landesweiten Blackout als unwahrscheinlich. Dominik Möst, Professor für Energiewirtschaft an der TU Dresden, erklärte auf Nachfrage der ARD-Redaktion "Alpha": "Das Risiko für einen Blackout schätze ich weiterhin als gering ein." Komplett ausschließen ließe sich ein Blackout jedoch nie, so Möst. Und das unabhängig vom Krieg.

Besorgniserregende Aussagen gab es hier von den Netzbetreibern. Die vier Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, 50 Hertz und TransnetBW haben sich zuletzt einem Stresstest unterzogen. In allen drei Szenarien, die sich je nach der Einsatzbereitschaft französischer Kernkraftwerke und der Verfügbarkeit von Gas unterschieden, wurde die Versorgungssituation für den kommenden Winter als "äußerst angespannt" eingeschätzt, wie die "Welt" berichtet. Im schlimmsten Fall wäre Deutschland demnach nicht dazu in der Lage, den Strombedarf über mehrere Stunden zu decken. Ein Zusammenbruch des Netzes ist dann nur abwendbar, wenn große Stromverbraucher wie Industriebetriebe vom Netz genommen werden, so die Einschätzung.

Kleinere Ausfälle seien der Bundesnetzagentur zufolge möglich, berichtet der "Bayerische Rundfunk". Aufgrund dessen richtet die Behörde zurzeit ein zweites Krisenzentrum ein, um sich auf das Szenario vorzubereiten. Dem "Bayerischen Rundfunk" bestätigte auch eine Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, dass es im Winter "zu einer äußerst angespannten Lage im Stromnetz kommen kann".

Welche Maßnahmen gibt es gegen einen Blackout?

In Europa fließt der Strom mit rund 50 Hertz durch die Leitungen. Kleinere Schwankungen treten dabei immer wieder auf. Sobald die Frequenz auf 47,5 Hertz fällt, greife der Notfall-Stufenplan des Verbandes der Netzbetreiber, berichtet "ARD alpha". In letzter Instanz sieht dieser eine Abtrennung der Erzeugungsanlagen vom Netz vor, um Schäden an den Kraftwerksanlagen zu vermeiden.

Damit es gar nicht erst dazu kommt und genügend Strom vorhanden ist, gibt es auch den Vorschlag, die Kernkraftwerke weiter laufen zu lassen sowie konventionelle Reservekraftwerke zu reaktivieren. Unter den Netzbetreibern ist auch die Rede vom "witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb". Hier würde es erlaubt sein, bei kaltem Wetter mehr Strom durch die Hochspannungsleitungen zu schicken, als eigentlich erlaubt. Des Weiteren kann Deutschland auch Strom aus anderen Ländern importieren. Die Kapazitäten hierfür dürften jedoch aufgrund der Energiekrise eingeschränkt sein.

Als letzte Maßnahme bleibt das kontrollierte Stromunterbrechen. In der Regel betrifft das Industriestandorte, die darüber vorher informiert werden. Doch auch Verbraucher können systematisch vom Strom abgetrennt werden, um das System nicht zu überlasten. Ob die Haushalte oder die Industrie vom Netz genommen werden, entscheidet die Bundesnetzagentur.

Wie kann ich mich auf einen Blackout vorbereiten?

Da bei einem Stromausfall auch die Wasserversorgung einbrechen kann, wird ein Vorrat an Wasser empfohlen. Zudem können Gasheizer die Zeit überbrücken, in denen die Heizung ausfällt. Wer keine alternative Heizart besitzt, sollte auf Decken und warme Kleidung zurückgreifen.

Bei einem Blackout werden Gegenstände nützlich, die nicht auf Strom angewiesen sind. Dazu gehören Utensilien wie Kerzen und Campingkocher. Auch der Kühlschrank muss ersetzt werden. Lebensmittel in Konserven werden nicht so schnell schlecht und können über eine lange Zeit gelagert werden. Etwas Bargeld bei sich zu haben schadet ebenfalls nicht, da Automaten bei einem Blackout ausfallen werden.