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Angst vor einem Börsencrash? Dann lerne, wie du sogar von ihm profitieren kannst!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Volatilität in den Märkten ist definitiv wieder zurück. Zu Beginn der letzten Handelswoche sind DAX, S&P 500 & Co. wieder deutlich unter die Räder gekommen. Und das, obwohl erst kürzlich neue Bestmarken bei vielen Indizes markiert worden sind. Womöglich ein teuflischer Mix, der auf weitere Unsicherheit und Nervosität hindeuten könnte.

Das lässt bei vielen Investoren vermehrt die Angst vor einem Börsencrash hochkochen. Egal ob Coronavirus oder Handelskonflikt oder einfach bloß teure Bewertungen und ein Durchbrennen von Sicherungen in der Psychologie vieler Anleger: Es könnte einige Gründe geben, die zu einem solchen Auslöser werden.

Sofern auch du dich zu den eher ängstlichen Investoren zählst, gib nun lieber fein acht. Denn im Folgenden wollen wir uns einmal wichtige Schritte ansehen, wie man langfristig aus einem solchen Crash als Profiteur hervorgehen kann.

1. Stehe zu deinen Gefühlen. Dann überwinde sie

Ein erster, wichtiger Faktor, den es dabei zu berücksichtigen gilt, ist, zu seinen Gefühlen zu stehen. Auch wenn erfolgreiches Investieren und bestenfalls ein gefühlloses Blicken auf Indexstände Hand in Hand gehen sollten, so sind wir im Endeffekt alle bloß Menschen. Und, mal ganz im Ernst: Es macht wirklich keinen Spaß, mitanzusehen, wie das eigene Portfolio in einem deutlich zweistelligen Prozentbereich korrigiert, wobei Hunderte, Tausende oder vielleicht auch Zehntausende von Euro vernichtet werden.

Das ist kein Geheimnis und ein wenig Emotionen können hierbei zunächst auch angebracht sein. Zumal die meisten von uns für dieses Geld hart gearbeitet haben, was das Ganze schwieriger werden lässt. Verlustängste sind an der Börse daher sehr real, das möchte ich gar nicht schönreden. Vor allem, wenn die Verluste nicht kurzfristig wieder ausgeglichen werden, sondern über Wochen und Monate, vielleicht sogar Jahre im Portfolio bestehen bleiben, ist das keine einfache Perspektive.

Sich daher einzugestehen, dass man eine solche Situation fürchtet, kann und sollte der erste Weg zur Besserung sein, zumindest, wenn man latente Panik spürt. Sich einfach bloß einzureden, dass schon alles irgendwie wird, ist dabei nicht gerade hinderlich, zumal Verdrängung zu einem konstruktiven Weg führt, mit der Angst umzugehen. Sich anzusehen, was die langfristigen Risiken sind, wie schmerzhaft vergangene Korrekturen waren und wann und wie sie wieder aufgeholt werden konnten, kann hingegen ein Schritt in die richtige Richtung sein. Sowie ein konstruktiver Weg, der Angst zu begegnen.

2. Entwickle einen Schlachtplan

Nachdem man sich dieser Angst generell gestellt hat, sollte man einen Schritt weitergehen und einen Schlachtplan entwerfen. Dieser kann einerseits Bewältigungsmechanismen beinhalten, wie man im Fall der Fälle mit seiner Angst umgeht, und man sollte dieses Thema möglicherweise auch bewusst aufgreifen. Allerdings wollen wir uns nun vermehrt der Chancenseite widmen.

Ein erstes, wichtiges Kriterium für den eigenen Schlachtplan sollte dabei eine Watchlist sein, auf der man spannende Aktien aufführt, die möglicherweise noch zu teuer sind. Auch wenn sich eine Korrektur möglicherweise nicht so anfühlen wird und viele Medien Angst und Panik verbreiten: Aber mit einem objektiven Blickwinkel sind die meisten Aktien inzwischen wieder sehr günstig und es empfiehlt sich, hier in der Folge handlungsfähig zu sein.

Zu wissen, welche Aktien man während einer Korrektur zunächst kauft, ist ein wichtiges Kriterium, um langfristig als Profiteur aus einer solchen herauszugehen. Zudem bietet es sich an, diese Entscheidungen noch zu treffen, wenn keinerlei Eile geboten ist. Beispielsweise, wenn man noch während der Zählerstände auf Rekordniveau, wo man möglicherweise etwas weniger kauft, spannende Aktien analysiert, bei denen man im Crash schnell zugreifen wird.

3. Senke deine Einstiegskosten

Zu guter Letzt kann es außerdem ein smarter, Foolisher Move sein, bei seinen bestehenden Aktien zuzugreifen. Das mag sich bei einigen Aktien und den jeweiligen, bitterroten Vorzeichen vielleicht anfühlen wie ein Griff in ein fallendes Messer. Wer sich jedoch auf seine ursprünglichen Investitionsthesen stützt und sich diese in Erinnerung ruft, wird hier wohl relativ schnell sehen können, dass sich fundamental wenig verändert hat. Bloß, dass die Aktienkurse günstiger geworden sind.

Sofern man während eines Crashs daher bereits bestehende Positionen erweitert, wird man dadurch künstlich den Einstiegskurs senken. Oder, falls du ein Fan von Anglizismen bist: Du betreibst in diesem Falle Averaging Down. Das kann nicht bloß helfen, langfristig bessere Renditen zu generieren, sondern zugleich auch die Schwelle bis zum Break-Even weiter absenken. Was wiederum dazu führt, dass man mit seinen Aktien schneller wieder in der Gewinnzone ist, zumal man zu günstigeren Kursen relativ gesehen mehr Aktien kaufen kann. Der Durchschnittskosteneffekt nach unten wird daher beschleunigt, je weiter die Aktien fallen und je mehr man kauft.

Ein bitterer, lukrativer Moment

Ein Crash kann ein angsteinflößendes Thema sein. Das eigene Geld wird zumindest als Buchwert kurzfristig vernichtet, sich daher einzugestehen, dass man vor diesem Event (insbesondere, wenn man das bislang noch nicht mitgemacht hat) etwas Panik schiebt, ist daher der erste Weg hin in Richtung Besserung.

Sofern man das jedoch verinnerlicht hat und auch die Tragweite einer Korrektur oder eines Crashs versteht, wird man sich auch damit beschäftigen können, wie man profitiert. Weiter kaufen und ruhig bleiben heißt hier die Devise, wofür man allerdings zunächst einen kühlen Kopf benötigt.

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