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Änderungen im Speichersystem: Google setzt Nutzer stärker unter Druck

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

Auf Google-Kunden kommen härtere Zeiten zu. Der Anbieter wird sein Speichersystem deutlich einschränken. Besonders radikal sind die Änderungen für die weniger aktiven Nutzer von Diensten wie Drive, Gmail und Photos.

Seattle, USA - Oct 15, 2019: The entrance sign to the new Google building in the south lake union area at sunset.
Ein Google-Gebäude in Seattle. (Bild: Getty Images)

Google hat Änderungen hinsichtlich seines Speicherplatz-Systems Drive angekündigt. Ab Sommer kommenden Jahres werden mehr Daten auf die kostenlose Speicherplatz-Konfigration angerechnet. Und: Mit der neuen Storage Policy behält sich der Anbieter die Möglichkeit vor, unter gewissen Voraussetzungen Daten in den einzelnen Diensten zu löschen.

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Der Tech-Konzern bietet jedem Nutzer von Diensten wie Drive, Gmail und Photos einen freien Speicherplatz von maximal 15 GB. Daran wird sich mit der ab 1. Juni nächsten Jahres geltenden neuen Speicherrichtlinie nichts ändern. Weiterhin werden die Nutzer also die Möglichkeiten haben, ihre Mails, Fotos, Videos und andere Daten innerhalb dieses Rahmens kostenlos in der Google-Cloud aufzubewahren. Allerdings werden sie das unter deutlich eingeschränkteren Bedingungen tun könnnen.

Was ändert sich?

Aktuell rechnet Google nicht alle Elemente auf den Speicherplatz an. Im Dienst Photos zum Beispiel belegen jene Bilder und Videos keinen Platz, die der Nutzer in "hoher" oder in "Express-Qualität" hochgeladen hat. Angerechnet werden also nur die Daten in Originalqualität. Diese Toleranzgrenze fällt mit dem genannten Stichtag weg, es werden also auch die Daten der ersten Kategorie Speicherplatz belegen. Eine Ausnahme bilden die Nutzer von Googles Pixel-Handys, die weiter Bilder und Videos in hoher Qualität hochladen werden können, ohne Speicherplatz zu verlieren.

Palo Alto, California, USA - January 02, 2018: Googleplex office in Silicon Valley. Huge Google sign, Android robot sculpture and main Google office.
Bild: Getty Images

Die Änderungen betreffen auch den Dienst Doc, wo laut Google künftig Dateien wie Dokumente, Zeichnungen, Formulare, Tabellen und Präsentationen auf den Speicherplatz angerechnet werden. Ob davon auch die Pixel-Nutzer betroffen sein werden, darauf geht der Konzern in seinen Mitteilungen nicht ein. In jedem Fall wird den Nutzern der "Übergang leichter" gemacht, so der Anbieter. Das heißt: Daten, die bis zum Stichtag bereits hochgeladen wurden, werden nicht angerechnet. Sollten zuvor gespeicherte Elemente allerdings nach dem 1. Juni bearbeitet werden, geht das wiederum auf Kosten des Speicherplatzes.

Was bedeutet das für die Nutzer?

Für die Nutzer bedeuten diese Änderungen schlicht: Künftig wird die Speicherkapazität ihres Google-Kontos deutlich schneller die Grenze zur kostenpflichtigen Konfiguration erreichen. Google schätzt, dass dies bei 80 Prozent aller Nutzer nach drei Jahren der Fall sein wird.

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Wenig erfreulich ist auch eine weitere Änderung in der Speicherrichtlichtlinie. Wenn ein Nutzer demnach in einem oder mehreren der Dienste Gmail, Photos und Drive mindestens zwei Jahre nicht aktiv war, "könnten", so Google, die Daten in dem entsprechenden Dienst gelöscht werden. Das Gleiche gilt für Konten, bei denen die 15-GB-Grenze mindestens zwei Jahre überschritten war.

Simferopol, Russia - July 9, 2014: Google biggest Internet search engine. Google.com domain was registered September 15, 1997.
Google-Nutzer stehen bald unter Zugzwang. (Bild: Getty Images)

Die inaktiven Nutzer werden immerhin Möglichkeiten haben, sich gegen den radikalen Schritt zu wehren. Die erste: Google will die betroffenen Nutzer mehrfach über den Löschvorgang informieren. Damit hätten sie die Chance, entsprechend zu reagieren. Der zweite und laut Anbieter "einfachste Weg" besteht darin, die Dienste "regelmäßig" zu besuchen. Bildlich gesprochen: Gibt der Nutzer ein Lebenszeichen von sich, verschont Google seine Daten.

Aber auch die allzu Aktiven, diejenigen also, die den kostenlosen Speicherrahmen sprengen, werden unter Zugzwang gesetzt. Wollten sie das Löschen ihrer Daten vermeiden, müssten sie ihre kostenlose Speicherplatz-Konfiguration auf eine kostenpflichtige Variante upgraden. Die Bandbreite reicht von 100 GB für 1,99 Euro bis 30 Terrabyte für rund 150 Euro im Monat.

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