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AMS muss bis zuletzt um Osram-Übernahme bangen

Bis zum Mittwochabend wurden den Österreichern erst 15,85 Prozent der Aktien angedient. Ein Endergebnis könnte nun auch erst am Montag feststehen.

Die Osram-Übernahme könnte noch im letzten Moment scheitern. Foto: dpa

Auf der Internetseite des österreichischen Sensorikspezialisten AMS läuft der Countdown der letzten Stunden, Minuten und Sekunden bis zur geplanten Übernahme des Lichtkonzerns Osram: Um 23:59 Uhr am heutigen Donnerstag endet die Frist für das Übernahmeangebot. Der Ausgang ist völlig offen.

Bis Mittwochabend hatte AMS 15,85 Prozent der Anteile von Aktionären eingesammelt, knapp 20 Prozent hatten die Österreicher bereits über die Börse gekauft. Damit ist die Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent noch in weiter Ferne.
Ein Scheitern sei weiter gut möglich, sagte ein Insider. „Es steht Spitz auf Knopf.“ Der Aktienkurs von rund 38 Euro am Donnerstag zeige, wie skeptisch die Märkte seien. Denn dieser liegt deutlich unter dem Angebot von 41 Euro. Laut Industriekreisen wird man womöglich erst am Montagabend wissen, ob die Übernahme gelingt oder platzt, wenn die letzten Nachmeldungen der Banken eingegangen sind.

Ob den Österreichern der hart umkämpfte Deal gelingt, hängt insbesondere vom Verhalten der Hedgefonds ab. Diese halten laut Industriekreisen zwischen 35 und 45 Prozent der Osram-Aktien.

Sie dürften zwar mehrheitlich hoffen, dass der Deal gelingt. Sie selbst wollen aber teilweise nicht tauschen, weil sie auf eine höhere Abfindung zu einem späteren Zeitpunkt hoffen. „Die Hedgefonds lassen sich nicht in die Karten schauen“, sagte ein Insider. AMS-Chef Alexander Everke hatte versucht, auf einer Roadshow am Montag und Dienstag in New York und London die Hedgefonds zum Tausch zu bewegen.

Erster Übernahmeversuch gescheitert

Seit Sommer kämpfen die Österreicher unter ihrem CEO Everke erbittert um die Übernahme von Osram. Den Widerstand der Osram-Führung konnten sie zuletzt überwinden, aber nicht den der IG Metall. Die Gewerkschaft fürchtet einen Arbeitsplatzabbau. Im Oktober war AMS beim ersten Anlauf gescheitert. Damals betrug die Annahmeschwelle noch 62,5 Prozent.

Das zweite Angebot war rechtlich umstritten. AMS bediente sich eines juristischen Kniffs: Die jüngste Offerte machte eine Zweckgesellschaft. Damit konnten die Österreicher die einjährige Sperre nach dem Fiasko mit dem ersten Angebot umgehen.

Die Unterstützung von Osram-CEO Olaf Berlien hat Everke inzwischen. Das Arbeitsverhältnis zwischen den beiden Managern stimme, heißt es im Umfeld beider Unternehmen. Die frühere Siemens-Personalchefin und ehemalige SPÖ-Politikerin Brigitte Ederer fungiert als Mediatorin zwischen den beiden Parteien.

Mit der Übernahme von Osram will AMS seine starke Abhängigkeit von Apple reduzieren. Die Synergien, auf die AMS hofft, würden laut Everka bei 300 Millionen Euro liegen. „Uns geht es nicht darum, dass alles im Jahr eins oder zwei passiert“, sagte der frühere Siemens-Manager zu seinen Fusionplänen. Wie das fusionierte Unternehmen nach einer gelungenen Übernahme heißen soll, lässt Everke offen.

Nur eines steht schon fest: Sollte die Übernahme doch noch gelingen, will Everke aus steuerlichen Gründen im österreichischen Premstätten bleiben. Sollte AMS beim zweiten Anlauf scheitern, will der Vorstand kein neues freiwilliges Angebot vorlegen. In Industriekreisen wird aber nicht ausgeschlossen, dass die Österreicher in einem halben Jahr über die Börse weitere Anteile kaufen könnten.

Wenn sie eine Beteiligung von 30 Prozent erreichen, wäre ein Pflichtangebot fällig. Spannend wird, wie es mit Osram nach einem möglichen Scheitern der Übernahme weitergeht. „Die Hedgefonds werden die Anteile halten und Krawall machen“, vermutete ein Branchenkenner.

Mehr: Die Übernahmeschlacht rund um den Lichtkonzern Osram zieht sich hin. Um das zu ändern, ziehen die CEOs von Osram und AMS nun an einem Strang.