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Amerikas größte Bank ist bereit für neue Übernahmen

Morgan Stanleys milliardenschwerer Zukauf von E-Trade spornt auch JP Morgan zu neuen Deals an. Nur eine andere Bank kann das Finanzinstitut nicht mehr übernehmen.

Morgan Stanley hat vorgelegt. Das Wall-Street-Haus kündete vergangene Woche die Übernahme des Online-Brokers E-Trade an. Mit einem Kaufpreis von 13 Milliarden Dollar war das die größte Übernahme seit der Finanzkrise. Das hat auch bei anderen Großbanken den Appetit auf Übernahmen geweckt.

„Wir werden Konkurrenz von Apple, Amazon, Facebook, Google, WeChat und Alipay sehen“, sagte JP Morgan CEO Jamie Dimon am Dienstag auf dem Investorentag der Bank. Das betreffe Bezahldienste genauso wie digitale Banking-Angebote und andere Bereiche. „Wenn es um Übernahmen geht, dann sollten wir sehr, sehr kreativ sein.“

Dabei setzt Dimon auch auf Rückenwind von den Regulierungsbehörden, die unter US-Präsident Trump weniger streng seien. „Sie geben jetzt eher grünes Licht“, stellte Dimon klar. „Die Tür ist offen, um bei Übernahmen etwas ambitionierter und aggressiver mit dem Einsatz von Kapital zu sein.“

2019 war für JP Morgan das profitabelste Jahr aller Zeiten. „2020 wird ein deutlich härteres Jahr werden“, so Dimon. Zwar sei die Bank auf einen wirtschaftlichen Abschwung vorbereitet. „Aber viele unserer Manager haben noch keinen erlebt, das bereitet mir Sorgen.“ Der Wertpapierhandel sei in den ersten Monaten des Jahres gut angelaufen.

Die Bank nahm am Dienstag zum ersten Mal auch den Klimawandel als Risikofaktor in den Geschäftsbericht auf. Faktoren wie lang anhaltende Dürrezeiten, Waldbrände und ein steigender Meeresspiegel könnten „für neue Regulierungsvorschriften sorgen oder die Vorlieben der Verbraucher verändern, was wiederum negative Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle“ der Bank-Kunden haben könnte, heißt es in dem Dokument. Erst am Montag hatte die Bank angekündet, ihr Engagement als Finanzierer der Öl- und Gas-Industrie zurückzufahren.

So will das Institut keine Finanzierungen mehr für neue Öl- und Gasbohrungen in der Arktis bereit stellen. Kohlekraftwerke werden nur noch finanziert, wenn sie den neusten Standards entsprechen. Klimaaktivisten hatten die Bank, die sich intensiv in dem Sektor engagiert hat, schon länger zum Handeln gedrängt. Der zweitmächtigste Verwaltungsrat hinter Jamie Dimon ist der frühere Chef des Ölkonzerns Exxon, Lee Raymond.

„Ich habe schon immer gedacht, dass Klimawandel ein Problem ist“, sagte Dimon. „Wir sollten das anerkennen und daran arbeiten“, sagte er auch mit Blick auf die Regierung von US-Präsident Donald Trump, die das Problem bewusst kleinredet.
Medienberichte, wonach JP Morgan in Großbritannien eine Online-Bank eröffnen wolle, wollte Dimon nicht weiter kommentieren. „Wir haben immer Leute, die über diverse Dinge nachdenken. Mehr sage ich dazu jetzt nicht.“