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Was Amerika von Griechenland lernen kann – 2021 wird es keine Rückkehr zur Normalität geben

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Die US-Wirtschaft steckt infolge der Coronavirus-Pandemie in einer schweren Krise. Foto: dpa
Die US-Wirtschaft steckt infolge der Coronavirus-Pandemie in einer schweren Krise. Foto: dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Die US-Wirtschaft wächst so schnell wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Von Juli bis September stieg das Bruttoinlandsprodukt um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal, als der Lockdown zu einem historischen Einbruch der Wirtschaft führte. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Die rosigen Zahlen verstellen den Blick darauf, wie es der größten Volkswirtschaft der Welt tatsächlich geht. Auch ohne Lockdown ist die Pleitewelle längst losgerollt, im Einzelhandel, genauso wie in der Ölbranche. Große Konzerne trennen sich von tausenden Mitarbeitern. Exxon streicht knapp 2000 Stellen, bei Boeing sind es noch einmal 7000, die zu den ohnehin schon angekündeten 19.000 Arbeitsplätzen dazu kommen.

Investoren an der Wall Street diskutieren derzeit vor allem über zwei Fragen: Wird der US-Wirtschaft angesichts der rapide steigenden Infektionszahlen die Puste ausgehen? Vor allem, da ein neues Konjunkturpaket noch immer nicht verabschiedet wurde.

Und: Was passiert mit den rapide steigenden Schulden, die sowohl Familien als auch Unternehmen in den vergangenen Monaten angehäuft haben? „Realistisch betrachtet, kann das nicht alles zurückgezahlt werden“, sagt Daniel Alpert, Partner bei der Investmentbank Westwood Capital, der auch an der Cornell Law School in Ithaca, New York, lehrt.

Er sorgte mit einem ungewöhnlichen Vorschlag für Aufsehen. Amerika müsse aus der griechischen Schuldenkrise lernen und über eine Gläubigerbeteiligung, ein sogenanntes „Bail-in“, nach griechischem Vorbild nachdenken. „Sonst droht ein wirtschaftliches Desaster .“

Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden versuchen unterdessen, die Wähler auf den letzten Metern von ihren Wirtschaftskonzepten zu überzeugen. Biden kann seinen Vorsprung Umfragen zufolge halten. Er führt mit 51,1 Prozent, Trump verzeichnet Umfragen zufolge 43,7 Prozent der Stimmen.

In wichtigen „Swing States“, oder auch „Battleground States“ konnte Trump jedoch zuletzt leicht aufholen. In Arizona haben beide Kandidaten 47 Prozent der Wähler auf ihrer Seite. Auch in Nord Kalifornien liefern sich Trump und Biden ein Kopf an Kopf rennen – hier führt Biden lediglich mit 0,6 Prozent der Stimmen. In Florida liegt Trump ebenfalls nur 1,2 Prozent hinter Biden. Einen deutlicheren Vorsprung hat Biden in Michigan mit 6,5 Prozent, in Wisconsin mit 6,4 Prozent und in Pennsylvania mit 4,3 Prozent mehr Stimmen.

Dabei zeigt eine Analyse des Finanzdienstleisters Reuters, dass Trumps Initiative, neue Jobs in der Industrie zu schaffen, längst nicht so erfolgreich war wie Trump es gern darstellt. In den wichtigen Bundesstaaten Michigan, Pennsylvania und Wisconsin stiegen die Arbeitsplätze bis zum Beginn der Pandemie nur um rund zwei Prozent, deutlich weniger als der landesweite Durchschnitt, der bei 4,5 Prozent liegt.

Mit Schuld daran seien der Studie zufolge auch die Handelskriege, die der Region mehr geschadet als genutzt haben. Alle drei Staaten gingen 2016 überraschend an Trump. Sie zurückzugewinnen hat für Biden oberste Priorität. Doch wird es gelingen? Ein Wahlkampfstratege fasste die Lage so zusammen: „Die steigenden Coronazahlen spielen Biden in die Hände. Doch er gilt als verkopft und intellektuell. Trump dagegen schafft es, dass die Leute sich gut fühlen.“

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What's next?

Die Zahl der Corona-Infektionen in den USA durchbrach am Donnerstag zum ersten Mal die Marke von neun Millionen. So kurz vor der Wahl sind das keine guten Nachrichten für Präsident Trump, der noch vor ein paar Tagen auf einer Wahlkampfveranstaltung versprach, dass die Pandemie „bald vorbei“ sein würde. Amerikas oberster Virologe, Anthony Fauci, konnte seinen Pessimismus nicht verbergen. Einen Impfstoff würde es frühestens Ende Dezember geben. Doch zur Normalität werde Amerika im kommenden Jahr wohl nicht zurückkehren.