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Amazons KI-gesteuerte Kameras bestrafen ihre Fahrer, wenn sie in die Seitenspiegel schauen oder von anderen Autos geschnitten werden, so ein Bericht

·Lesedauer: 5 Min.

Überwachung und Bestrafung beim Ausliefern bestellter Produkte? Amazons Fahrerinnen und Fahrer werden anscheinend für einige als sicher geltende Fahrgewohnheiten bestraft. Ebenso wie für Vorkommnisse im Straßenverkehr, die außerhalb der Kontrolle der Fahrer liegt. Das berichtete das Tech Ressort Motherboard des Magazins "Vice".

In einem Gespräch mit Motherboard berichteten die Fahrerinnen und Fahrer, dass Kameras, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) gesteuert werden, jeden Schritt der Angestellten überwachen und sogar bestrafen. Das in den Fahrzeugen installierte System nennt sich Driveri. Es umfasst eine nach vorne gerichtete Kamera, zwei seitlich gerichtete Kameras sowie eine weitere, die auf die Fahrerin oder den Fahrer gerichtet ist. So werden der Blick der Fahrerinnen und Fahrer in den Seitenspiegel, das Einschalten des Radios oder sogar, wenn Angestellte von anderen Autos geschnitten werden, von den KI-gesteuerten Kameras festgehalten. Als Konsequenz dokumentierten Fehlverhaltens folgt eine Abmahnung für die Fahrer. Das Unternehmen bezwecke mit der Implementierung des KI-Systems eigenen Angaben zufolge nur, die Sicherheit zu erhöhen. So hätten Unfälle und Sicherheitsverstöße stark abgenommen, seitdem Amazon die Lieferfahrzeuge mit den Kameras von dem Softwareentwickler Netradyne ausgestattet hätte.

Jeder Schritt wird verfolgt, jede Handlung bewertet

Dennoch erzählte ein Lieferfahrer aus Los Angeles Motherboard: „Es ist ärgerlich, wenn ich nichts getan habe. Jedes Mal, wenn ich rechts abbiegen muss, passiert das zwangsläufig. Ein Auto schneidet mir den Weg ab, um in meine Spur zu kommen, und die Kamera schreit mich mit dieser dystopischen, dunklen und roboterhaften Stimme an.“ Das sei beängstigend, so der Fahrer.

Spüren die Kameras potenziell unsichere Fahrmanöver auf, werden diese Vorfälle in einer digitalen Leistungsbewertung des Angestellten festgehalten. Diese Bewertung wird herangezogen, wenn für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Prämien, Sonderzahlungen oder Gehaltserhöhungen im Raum stehen. Häufig würden deren Chancen durch das Performance-Bewertungssystem deutlich geschmälert, so die Angestellten im Interview. Doch nicht nur auf die Amazon-Angestellten selbst kann es Auswirkungen haben. Die Bewertungen können sich auch auf das Einkommen der Angestellten von Lieferdienstpartnern von Amazon auswirken.

Die Fahrerinnen und Fahrer werden anhand der Ereignisse mit „schlecht“, „mittelmäßig“, „gut“ oder „fantastisch“ bewertet. Amazons Lieferdienstpartner, sogenannte Delivery Service Provider (DSP), können nur dann Boni für Reparaturen, Schäden und andere Dinge erhalten, wenn die wöchentliche Gesamtpunktzahl ihrer Bewertungen im Bereich „fantastisch“ liegt. „Angeblich nutzt Amazon diese Kameras, um sicherzugehen, dass das Unternehmen eine sichere und verantwortungsbewusste Belegschaft hat. Doch in Wirklichkeit nutzen sie sie, um den Bezahlungen der Lieferunternehmen zu entkommen“, sagte ein Besitzer eines Washingtoner Lieferdienstpartners von Amazon zu Motherboard.

Zwischen Sicherheit und Überwachung

„Eine der Sicherheitsverbesserungen, die wir in diesem Jahr vorgenommen haben, ist die Einführung von Telematik- und kamerabasierter Sicherheitstechnologie in unserer Lieferflotte“, gab ein Sprecher E-Commerce-Plattform auf Nachfrage von Business Insider an. „Diese Technologie bietet Fahrerinnen und Fahrern Echtzeit-Warnungen, um ihnen dabei zu helfen, ein möglichst hohes Maß an Sicherheit im Straßenverkehr zu gewähren.“ Das Unternehmen fügte in seiner Stellungnahme hinzu, dass es seit der Installation der Kameras in mehr als der Hälfte der Fahrzeuge im Lieferraum der USA folgende Verbesserungen feststellen konnte: Unfälle hätten um 48 Prozent abgenommen und Verstöße gegen Stoppschilder und andere Verkehrszeichen seien um 77 Prozent zurückgegangen. Außerdem sei der Sicherheitsabstand zum vor dem Lieferfahrzeug fahrenden Auto um 50 Prozent häufiger eingehalten worden und das Fahren ohne Sicherheitsgurt habe um 60 Prozent abgenommen. Insgesamt waren die Fahrerinnen und Fahrer wesentlich fokussierter und konzentrierter während ihrer Fahrtrouten.

Laut dem Unternehmen erhalte jeder Lieferdienstpartner von Amazon eine umfangreiche Schulung über die KI-gesteuerten Kameras, hieß es weiter von Amazon. Darin soll auch eine Aufklärung darüber enthalten sein, wie sich die festgehaltenen Ereignisse der Kameras auf die Leistungsbewertung der Fahrer sowie der Lieferdienstpartner auswirke. Gegenüber Motherboard erklärte der Lieferdienstpartner Amazons aus Washington jedoch, dass er für den Umgang mit den Kameras keine Schulung erhalten habe. Als Reaktion darauf hätten einige Fahrer von Amazon die Kameras in ihren Fahrzeugen mit Aufklebern abgedeckt, um unnötige Verstöße nicht aufzeichnen zu lassen, berichtete Motherboard. „Wenn wir die Probleme mit den Kameras ansprächen, würden die Vorgesetzten es unter den Tisch kehren. Sie machen sich nur darüber Sorgen, die Pakete rechtzeitig und möglichst effizient auszuliefern“, sagte ein Lieferfahrer aus Kentucky. „Also vertuschen wir sie. Sie sagen uns nicht, dass wir es tun sollen. Aber sie rechnen damit, ohne uns darauf anzusprechen.“

Wiederum andere Fahrerinnen und Fahrer berichteten, dass sie während der Arbeitszeit Sonnenbrillen trügen, damit die Kameras die Augenbewegungen nicht erkennen und mögliche Ablenkungen beim Fahren identifizieren könnten. „Die Netradyne-Kameras, die Amazon in unseren Lieferwägen installiert hat, waren ein einziger Albtraum“, so ein ehemaliger Angestellter aus Alabama zu Motherboard. „Ich habe mich nicht sicherer gefühlt, wenn eine Kamera jede meiner Bewegungen überwacht.“

Es ist schwer, sich gegen falsch bewertete Ereignisse zu wehren

Zusätzlich erzählten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass es sehr schwierig sei, bei Amazon Einspruch gegen fälschlich markierte Ereignisse einzulegen. In den meisten Fällen würden ihre Versuche, sich gegen die Bewertungen zu wehren, abgewiesen. In einer Stellungnahme Amazons erklärte das Unternehmen, Einsprüche würden individuell überprüft. Fehlerhafte Ereignisse würden weder Lieferdienstpartner noch Angestellte betreffen.

Im Februar gab das Unternehmen an, es werde die Kameras in den Lieferautos installieren, um die Sicherheit der Fahrerinnen und Fahrer zu verbessern. Bereits nach der Bekanntgabe löste das Vorhaben bei einigen Angestellten Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Überwachung aus. Im darauffolgenden Monat kündigte ein Amazon-Fahrer wegen der neuen Kamerainstallationen. In einem Interview mit der Thomson Reuters Foundation sagte er damals: „Es war sowohl eine Verletzung der Privatsphäre als auch ein Vertrauensbruch.“

Netradyne wollte unsere Anfrage bisher nicht kommentieren.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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