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Amazon setzt Polizei-Kooperation bei Gesichtserkennung aus

Der Konzern will seine Software der Polizei für ein Jahr lang nicht zur Verfügung stellen. In der Zeit solle die Regierung die Nutzung regulieren, so Amazon.

Der US-Internetriese Amazon will der Polizei seine Gesichtserkennungssoftware für ein Jahr nicht mehr zur Verfügung stellen. Der Konzern habe sich für stärkere Regulierung seitens der Regierung für eine ethische Nutzung dieser Technologien eingesetzt, teilte Amazon am Mittwoch (Ortszeit) vor dem Hintergrund der jüngsten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt mit. Man werde die Software mit dem Namen „Rekognition“ aber weiterhin zum Beispiel für Organisationen verfügbar machen, die nach vermissten Kindern suchen, die Opfer von Menschenhändlern geworden sein könnten.

Inzwischen scheine es so, als ob der US-Kongress diese Herausforderung angenommen habe. Das einjährige Moratorium solle der Politik ausreichend Zeit geben, angemessene Regeln zu erlassen. Amazon steht wegen der umstrittenen Nutzung seiner Dienste durch Justizbehörden stark in der Kritik. Bürgerrechtler zeigen sich infolge des gewaltsamen Todes von George Floyd besorgt, dass der Einsatz von Gesichtserkennungsprogrammen zu ungerechtfertigten Verhaftungen bei Demonstrationen gegen Polizeibrutalität und Rassenungerechtigkeit führen könnte.

Erst Anfang der Woche hatte IBM angekündigt, sich aus dem Geschäft mit Gesichtserkennungs-Software komplett zurückzuziehen. Der Computer-Konzern erklärte, er wolle nicht zulassen, dass Technologie für Massenüberwachung, rassistische Diskriminierung oder Menschenrechtsverletzungen verwendet wird, hieß es in einem Brief an US-Abgeordnete.

Die „Rekognition“-Software wird bei Amazons Cloud-Tochter AWS entwickelt. Bisher verteidigte Amazon stets ihren Einsatz bei der Polizei, auch nachdem Forscher nach einer Testreihe kritisiert hatten, dass das Programm mehr Fehler bei Gesichtern mit einer anderen Hautfarbe als weiß mache. Amazon-Chef Jeff Bezos hatte sich bereits im Herbst für eine Regulierung der Technologie ausgesprochen.

Microsoft fordert das bereits seit 2018 – und ist zugleich auch ein relevanter Lieferant von Gesichtserkennungs-Software. Die amerikanischen Polizeibehörden haben aber auch andere Alternativen. So sorgte Anfang des Jahres die Firma Clearview für Aufsehen, die einfach eine Datenbank aus Millionen öffentlich zugänglichen Fotos von Online-Diensten zusammentrug und unter anderem Polizeibehörden darauf zugreifen lässt.

Google scheut unterdessen schon seit Jahren davor zurück, Technologie für Gesichtserkennung anzubieten oder öffentlich zugänglich zu machen. Einige US-Städte wie etwa San Francisco untersagten den Einsatz von Gesichtserkennung.