Deutsche Märkte schließen in 2 Stunden 2 Minuten

Amazon liefert in Frankreich bis 5. Mai keine Waren aus

Amazon-Standort südlich von Paris

Nach einem Gerichtsentscheid gegen Amazon in Frankreich hat der US-Onlineriese seinen Lieferstopp in dem Land verlängert. Der Konzern stellte nach eigene Angaben seine Dienstleistungen zunächst bis zum 5. Mai ein. Die Mitarbeiter sollen zu Hause bleiben, allerdings sollen sie weiterhin das volle Gehalt beziehen. Amazon reagierte mit dem Schritt auf die Entscheidung eines Berufungsgerichts, wonach der Versandhändler seine Logistikzentren auf Corona-Ansteckungsrisiken überprüfen muss.

Das US-Unternehmen antwortete auf das Urteil am Montagabend mit der Verlängerung des Lieferstopps in Frankreich bis Dienstag kommender Woche. Die französischen Logistikzentren sind bereits seit dem 16. April geschlossen. Amazon kritisierte insbesondere die Anordnung des Gerichts, wonach sich der Konzern auf einige wenige Produktbereiche beschränken müsse, während die Überprüfung der Logistikzentren laufe.

Der Konzern beklagte, dass bereits ein Anteil von 0,1 Prozent nicht genehmigter Produkte am gesamten Liefervolumen eine Strafe von mehr als einer Milliarde Euro pro Woche nach sich ziehen könne. Deshalb würden nun sämtliche Lieferungen durch Amazon eingestellt. In dieser Zeit würden die Logistikzentren entsprechen dem Urteil überprüft. Kunden können laut Amazon unterdessen aber weiterhin Produkte externer Anbieter über die Plattform beziehen.

Zugleich wandte sich Amazon erneut gegen den Vorwurf, seine Mitarbeiter nicht ausreichend gegen die Pandemie zu schütze. "Unsere Logistikzentren in Frankreich und überall in der Welt sind sicher", erklärte das Unternehmen. Einigen Gewerkschaften gehe es vielmehr darum, aus der derzeitigen Lage "einen Vorteil zu ziehen".

Ein Gericht in Nanterre bei Paris hatte Mitte April in erster Instanz einer Klage von Gewerkschaftsvertretern stattgegeben, wonach Amazon die Corona-Risiken für Arbeiter in Lagerhallen überprüfen und währenddessen nur Lebensmittel sowie Hygieneartikel und Medizinprodukte vertreiben darf. Andernfalls droht dem Unternehmen eine Strafe von einer Million Euro. Laut Gericht trug der US-Konzern den Sicherheits- und Gesundheitsverpflichtungen gegenüber seinen Angestellten nicht ausreichend Rechnung.

Am Freitag urteilte dann ein Berufungsgericht in Versailles, dass Amazon bis zur Überprüfung seiner Standorte zusätzlich auch Hightech- und Büroprodukte sowie Tiernahrung vertreiben. Zudem senkten die Richter das Strafmaß auf 100.000 Euro.

Auch in den USA hat der Onlineriese Ärger mit Beschäftigten, die über unzureichenden Schutz vor dem neuartigen Virus klagen. Etwa 400 Angestellte von Logistikzentren traten am Montag erneut in den Streik. Sie nutzte dafür Krankschreibungen, wie die Arbeitnehmerorganisation Athena mitteilte. Dem Streik schlossen sich 500 Ingenieure und Programmierer des Konzerns an, die am Montag ebenfalls die Arbeit niederlegten.

Neben unzulänglichen Schutzmaßnahmen kritisierten sie auch eine Entscheidung des Handelsriesen, die Zahl der nicht bezahlten Urlaubstage ab Donnerstag zu begrenzen. Angestellte befürchten daher, trotz Infektionsgefahr zur Arbeit gehen zu müssen, oder ansonsten ihre Stelle zu verlieren.

Amazon erklärte dagegen, die US-Beschäftigten, die nicht von zuhause aus arbeiten können, hätten eine bestimmte Zahl bezahlter und nicht bezahlter Urlaubstage. Wer positiv auf das Virus getestet wurde oder wegen Corona-Verdachts in Quarantäne muss, erhalte zudem zwei weitere Wochen Urlaub. Zudem seien die Schutzmaßnahmen verstärkt worden.