Deutsche Märkte schließen in 11 Minuten
  • DAX

    14.381,21
    +460,52 (+3,31%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.762,98
    +93,44 (+2,55%)
     
  • Dow Jones 30

    31.938,13
    +441,83 (+1,40%)
     
  • Gold

    1.679,60
    -18,90 (-1,11%)
     
  • EUR/USD

    1,1862
    -0,0062 (-0,52%)
     
  • BTC-EUR

    42.910,15
    -103,98 (-0,24%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.028,99
    +4,78 (+0,47%)
     
  • Öl (Brent)

    65,46
    -0,63 (-0,95%)
     
  • MDAX

    31.310,69
    +594,18 (+1,93%)
     
  • TecDAX

    3.256,55
    +36,29 (+1,13%)
     
  • SDAX

    14.939,66
    +231,53 (+1,57%)
     
  • Nikkei 225

    28.743,25
    -121,07 (-0,42%)
     
  • FTSE 100

    6.712,85
    +82,33 (+1,24%)
     
  • CAC 40

    5.904,91
    +122,26 (+2,11%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.911,89
    -8,26 (-0,06%)
     

Altersvorsorge mit ETFs: Schlägt der Sparplan die Fondspolice der Versicherung?

Schier, Susanne
·Lesedauer: 9 Min.

Millionen Deutsche setzen auf passive Fonds zur Altersvorsorge. Auch Lebensversicherer machen sich den Trend zunutze. Was Fondspolicen können – und was nicht.

Wer für das Alter sparen will, hört derzeit meist zwei Tipps: „Lass die Finger von Lebensversicherungen – sie sind intransparent und zu teuer“ und „Nutze lieber ETF-Sparpläne – sie sind günstiger und flexibler“. Doch wie können Verbraucher ihr Geld wirklich am besten für die private Altersvorsorge anlegen?

Viele Verbraucher blicken inzwischen auch auf fondsgebundene Rentenversicherungen, von denen sich zahlreiche inzwischen auch mit ETFs besparen lassen. ETFs sind meist passiv gemanagte Fonds, die einen Index nachbilden, und gelten als besonders kostengünstig.

Denn Versicherungen sind bei Verbrauchern nach wie vor beliebt, bieten sie doch im Alter eine lebenslange Rente. Doch seit Jahren wachsen die Zweifel, ob das Geschäftsmodell der Assekuranzen angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen und sinkenden Garantien noch taugt – auch im Vergleich zum immer beliebteren Sparen mit Wertpapieren, das höhere Renditechancen verspricht.

Wie viel mehr Rendite bietet aber ein ETF-Sparplan gegenüber einer ETF-Fondspolice? Und welche Gründe könnten dennoch für die Versicherungslösung sprechen? Eine exklusive Modellrechnung legt die Vor- und Nachteile der beiden Varianten dar.

Mehr Kapital mit dem ETF-Sparplan

In der Regel gibt es bei Rentenversicherungen, also auch bei Fondspolicen, am Laufzeitende ein Recht, das Kapital oder eine lebenslange Rente zu wählen. Wer sich für eine Kapitalauszahlung entscheidet, fährt mit einem Direktinvestment in einen ETF, was für Exchange Traded Fund steht, also börsengehandelter Fonds, finanziell oft besser. Zu diesem Ergebnis kommt Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), der verschiedene Fälle für das Handelsblatt durchgerechnet hat.

Ein 40-Jähriger, der monatlich 300 Euro in einem weltweit streuenden Indexfonds spart, erhält mit 67 Jahren fast 200.000 Euro aus dem ETF-Sparplan und knapp 186.000 Euro aus der Fondspolice, ein Unterschied von gut 14.000 Euro. Bei einer Direktanlage von 75.000 Euro wären es etwa 275.000 Euro mit dem Direktinvestment und 267.000 Euro mit der Fondspolice. Die Fondspolice unterliegt vor allem wegen der eingerechneten Produktkosten. Hauer hat dabei die Kosten von ETFs sowie gängiger Versicherungstarife, die aktuell am Markt angeboten werden, und auch steuerliche Aspekte berücksichtigt.

Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen, bevorzugt daher die Sparplan-Variante: „Generell raten wir allen Menschen, sich auch mit Fondssparplänen auseinanderzusetzen." Welchen Teil des für die Altersvorsorge bestimmten Geldes sie darin investieren wollen und sollten, hänge von der persönlichen Risikoneigung ab.

Auch Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, empfiehlt Anlegern, die Sparplan-Variante zu wählen: „Die ,Hülle‘ Rentenversicherung ist, obwohl sie mit kleinen Steuervorteilen behaftet ist, aufgrund der hohen Produktkosten kaum empfehlenswert.“

Unter anderem fällt in der Ansparphase bei der Versicherungslösung keine Abgeltungsteuer an. Auch bei der Auszahlung gibt es steuerliche Vorteile.

Stotz überzeugen diese jedoch unter anderem auch deshalb nicht, da einige Versicherte nicht bis zum Laufzeitende durchhalten und die Police vorher kündigen. Er hält es daher grundsätzlich für besser, flexibel mit ETFs zu sparen. Das ist eine Einschätzung, die Verbraucherschützerin Oelmann teilt: Wichtig sei, dass Anleger „Spar- und Anlageprodukte immer wieder an sich verändernde Lebensumstände anpassen können“.

Vorsorgeexperte Hauer stört indes, dass ETFs in der Öffentlichkeit oft so wahrgenommen werden, als ob sie kostenlos wären: „Zwar müssen Anleger bei ETFs in der Regel keinen Ausgabeaufschlag bezahlen. Dennoch sollten sie die Börsengebühren nicht vergessen – die insbesondere beim Verkauf ins Gewicht fallen können.“

Punkte, die für die Fondspolice sprechen

Zudem könne sich der Vorteil des Sparplans schnell umkehren, sobald die Annahmen geändert werden. Nicht eingerechnet sind in dem obigen Musterbeispiel etwa die Kosten für einen Honorarberater. „Gut informierte Anleger können ETFs selbst bei einem Online-Broker kaufen. Für die meisten Verbraucher ist aber die Unterstützung durch einen Berater sinnvoll, insbesondere wenn es um langfristige Anlageentscheidungen wie die Altersvorsorge geht“, betont Hauer.

Hinzu kommt, dass er jeweils nur einen Fondswechsel eingerechnet hat. „Wer einen ETF-Sparplan für die Altersvorsorge nutzt, sollte das Kapital einige Jahre vor Rentenbeginn in sicherere Anlagen umschichten. Das kann ein Sparkonto oder – wie in unserem Beispiel – ein Rentenfonds sein“, erklärt Hauer. Anleger, die ihr ETF-Kapital im Lauf des Lebens häufiger umschichten, müssen die entsprechenden Transaktionskosten einkalkulieren.

Eine Fondspolice, bei der ein automatisches sogenanntes Rebalancing vereinbart wurde, kann dann unter Umständen die bessere Alternative sein. Hierbei wird je nach dem festgelegten Rendite-Risiko-Profil des Anlegers in bestimmten Zeitabständen eine bestimmte, gewünschte Gewichtung des Portfolios beispielsweise in Aktien- und Rentenfonds wieder hergestellt, wenn es durch Kursschwankungen zu Verschiebungen gekommen ist. Bei Umschichtungen innerhalb des Versicherungsvertrags fallen keine zusätzlichen Gebühren an.

Sparen fürs Alter mit einer Fondspolice bedeutet für die Versicherten also wenig Aufwand: „Fondsgebundene Rentenversicherungen eignen sich für bequeme Sparer, die das Risiko einer Fondsanlage eingehen wollen und ausschließlich für das Alter vorsorgen möchten“, schreibt daher das Verbrauchermagazin „Finanztest“.

Wer sich am Laufzeitende für eine lebenslange Rente und somit eine Absicherung des Langlebigkeitsrisikos entscheidet, fährt Hauer zufolge aufgrund der steuerlichen Vorteile ohnehin mit einer Fondspolice besser.

Um Sparern eine Entscheidungshilfe für den Vermögensaufbau fürs Alter zu bieten, sind im Folgenden die wichtigsten Aspekte der beiden Varianten zusammengefasst:

Vorteile eines ETF-Sparplans

Hohe Flexibilität: ETF-Sparpläne sind schon mit geringen Beträgen möglich. „Sparraten zwischen 15 und 30 Euro pro Monat sind für Berufsanfänger ein guter Einstieg“, sagt Verbraucherschützerin Oelmann. Die Raten lassen sich jederzeit ändern und aussetzen. Die Fondsanteile können vorzeitig verkauft werden, wenn das Geld schon vor dem Rentenalter benötigt wird.

Breites Produktspektrum: Anleger können aus allen am Markt verfügbaren ETFs die für sie geeigneten auswählen. Anlageberater empfehlen, nicht nur auf den Weltaktienindex MSCI World, der ein starkes Gewicht auf US-Technologiewerte legt, zu setzen, sondern beispielsweise auch in Papiere kleinerer Unternehmen und aus Schwellenländern zu investieren.

Niedrige Kosten: Viele Online-Broker und Direktbanken bieten mittlerweile ETF-Sparpläne ohne Kaufprovisionen an, auch die Depotführungsgebühren fallen bei diesen Anbietern häufig weg. Für die laufenden Kosten des Fonds sind in der Regel zwischen 0,2 Prozent und 0,5 Prozent im Jahr zu veranschlagen. Daneben können aber weitere Gebühren anfallen. Zu bedenken ist etwa, dass bei Umschichtungen und Verkäufen Transaktionsgebühren anfallen.

Nachteile eines ETF-Sparplan

Höheres Eigenengagement: Meist ist es nicht damit getan, einen oder mehrere ETF-Sparpläne anzulegen und diese bis zur Rente zu besparen. Hin und wieder gilt es, die eigenen Anlageziele zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen im Depot vorzunehmen. Auch mögliche Änderungen bei den Kosten sollten die Anleger im Blick behalten, etwa wenn die Bank Depotführungsgebühren einführt. Wer sich nicht selbst um seine Altersvorsorge kümmern will, kann einen Robo-Advisor oder, bei höheren Beträgen, eine Vermögensverwaltung in Anspruch nehmen. Doch auch das kostet Geld – ebenso wie die Beratung durch einen Honorarberater.

Mögliche Kursschwankungen: Anlagen am Aktienmarkt sind mit Risiken behaftet. Immer wieder kann es zu Rückschlägen kommen, wie auch in der Coronakrise zu sehen war. In der Regel lassen sich Kursschwankungen über lange Zeiträume aussitzen. „Anleger sollten einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren mitbringen“, sagt daher Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Sie sollten zudem nicht den Fehler machen, in der ersten Abwärtsphase alle Anteile wieder zu verkaufen, sondern niedrige Kurse eher für Zukäufe nutzen. Wichtig ist auch, einige Zeit vor der Rente anzufangen, Gewinne zu sichern und in risikoärmere Anlagen umzuschichten.
Keine Steuerstundung: Grundsätzlich fällt auf Kapitalerträge wie Zinsen, Kursgewinne und Dividenden die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls noch die Kirchensteuer. In der Ansparphase führt die Depotbank die Steuer jährlich auf eine sogenannte Vorabpauschale ab. Sie stellt eine Steuervorauszahlung dar, die mit der Steuerschuld beim Verkauf des Fonds verrechnet wird. Bei Aktienfonds mit einem Aktienanteil von mindestens 51 Prozent müssen allerdings nur 70 Prozent der Erträge versteuert werden. Anleger, deren jährliche Erträge aus Kapitalvermögen unter dem Freibetrag von 801 Euro für Singles und 1.602 Euro für Verheiratete liegen, zahlen keine Steuern. Sie sollten bei ihrer Depotbank einen Freistellungsauftrag einrichten. Andernfalls können sie gezahlte Steuern auch über die Steuererklärung zurückholen.

Vorteile einer ETF-Fondspolice

Hohe Bequemlichkeit: Für den Kunden ist die Versicherungslösung bequem: Die Auswahl der ETFs übernimmt der Versicherer nach dem vorgegebenen Risikoprofil des Versicherten. Die Sicherheitskomponente wird in Renten-ETFs, die in Staats- und Unternehmensanleihen investieren, angelegt.

Vorteilhafte Besteuerung: Während der Ansparphase fällt keine Abgeltungsteuer an. Versicherte profitieren von einem Steuerstundungseffekt. Hauer sagt: „Die Erträge können somit direkt reinvestiert werden und den Zinseszinseffekt verstärken.“ Bei der Auszahlung der Rente wird nur der Ertragsanteil, der im Schnitt etwa 18 Prozent ausmacht, versteuert. Bei einer Kapitalauszahlung wird nur die Hälfte der Erträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Voraussetzung ist, dass der Vertrag zwölf Jahre lief und der Empfänger 62 Jahre alt ist.

Lebenslange Rente: Eine Fondspolice bietet die Sicherheit, bis zum Lebensende eine Rente zu erhalten. Verbraucherschützer bemängeln, dass die Rentenhöhe aber meist so berechnet ist, dass die Versicherten sehr alt werden müssen, bis sie ihr angespartes Kapital in Form der Rentenzahlungen zurückerhalten. Stirbt der Versicherte früher als der Durchschnitt, dann finanziert er die Rente für diejenigen mit, die älter werden. „Es ist sozusagen eine Wette auf ein langes Leben“, sagt Hauer.

Nachteile einer ETF-Fondspolice

Hohe Kosten: Das Hauptproblem vieler Versicherungen sind die hohen Kosten. Sie sind oft der Grund, warum sich eine Versicherungslösung im Vergleich zum Direktinvestment nicht lohnt. „Finanztest“ hat in der Ausgabe 12/2020 insgesamt 33 Fondspolicen untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass die Renditechancen bei den meisten aufgrund zu hoher Kosten stark eingeschränkt sind. Nur drei Policen erhielten das Qualitätsurteil „gut“. Daneben verweisen die Tester auf sogenannte Nettotarife ohne Abschlusskosten. Anleger erhalten sie über Makler oder Berater, die ein Honorar für die Vermittlung erhalten.

Weniger Gestaltungsmöglichkeiten: Wer auf eine Fondspolice setzt, sollte sich sicher sein, dass er sich den Beitrag auch langfristig leisten kann. Hauer sagt: „Bei Fondspolicen werden die Vertriebsprovisionen am Anfang verrechnet. Nachteilig ist eine Versicherungslösung vor allem dann, wenn Anleger nicht bis zum Ende durchhalten und den Vertrag vorzeitig kündigen.“ Gute Policen bieten den Versicherten aber gewisse Spielräume, etwa um Beiträge anzupassen oder auch Fondswechsel vorzunehmen.

Mögliche Kursschwankungen: Auch wenn der Begriff Versicherung eine gewisse Sicherheit vorgaukelt, ist die Rendite der ETF-Fondspolice von der Entwicklung am Aktienmarkt abhängig. Eine Garantie für die eingezahlten Beträge gibt es nicht. Umso wichtiger ist, dass in der Police gute Fonds enthalten sind.

Mehr: Richtig sparen fürs Alter: Diese Produkte empfehlen Finanzexperten.