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Alstom verliert im Werk in Hennigsdorf Milliardenauftrag — Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

·Lesedauer: 3 Min.
Alstom.
Alstom.

Die Angestellten am Alstom/Bombardier-Standort in Hennigsdorf haben harte Monate hinter sich. Erst legte die EU-Kommission fest, dass die französischen und kanadischen Bahnriesen nach ihrer Fusion Teile der Produktion nahe Berlin veräußern müssen, dann verhedderte sich Alstom in Verhandlungen mit dem Interessenten Skoda-Transportation – und verkaufte nicht innerhalb der von der EU-Kommission gesetzten Frist bis Ende Juli. Und nun verliert der Standort auch noch seinen wichtigsten Auftrag in Milliardenhöhe. Am Standort in Hennigsdorf arbeiten rund 2000 Beschäftigte, ihre Jobs sind durch den geplatzten Auftrag gefährdet.

Die Österreichische Bundesbahn hat zwei Jahre auf Züge des Typs Talent 3 gewartet – so lange hat Bombardier die Auslieferfrist mittlerweile gerissen. 2019 sollten die Kanadier liefern, bis heute kam kein einziger Zug. Insgesamt handelt es sich um einen Vertrag von 300 Zügen, den die Österreicher bei Bombardier bestellt hatten. Den Österreichern soll am Dienstag der Kragen geplatzt sein, sie haben den Vertrag mit Alstom gekündigt. Den Auftrag haben sie nun neu vergeben - ausgerechnet an Siemens Mobility. Das Unternehmen, mit dem Alstom ursprünglich einmal fusionieren wollte – und dies wegen Kartellsorgen der EU-Kommission untersagt bekommen hatte. Bestellt wurden vorerst 21 Schnellbahnzüge des Typs Desiro ML, weitere 25 Stück (für Tirol) könnten zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Den Vorgang bestätigte ein Sprecher der ÖBB gegenüber Business Insider.

Vertragskündigung für Hennigsdorf "eine Katastrophe"

Der Streit zwischen Alstom und dem ÖBB ist mit diesem Vorgang eskaliert, für den Standort Hennigsdorf ist das eine Katastrophe, sagen Unternehmensinsider. Alstom hat für die übernommene Bahnsparte von Bombardier bis heute nicht den Unternehmensbericht für das Jahr 2020 veröffentlicht, dabei ist bald September. Insider berichten, dass es dafür einen guten Grund gibt: Bombardier soll Verluste in dreistelliger Millionenhöhe machen. Auch der Standort Hennigsdorf soll in den roten Zahlen stecken - und der wegfallende ÖBB-Auftrag reißt nun ein noch viel größeres Loch in die Einnahmen. Dabei war der Deal mit dem ÖBB die große Hoffnung für die Verhandlungen mit Skoda Transportation, sozusagen das Filet, dass man den Tschechen schmackhaft machen wollte.

Die Verhandlungen soll Alstom die vergangenen Monate dann allerdings „desaströs“ geführt haben – Insider berichten von „zerstörerischem Verhalten“ der Franzosen. Obwohl die Gespräche seit Monaten andauern, hat Alstom Skoda die Kaufverträge für die einzelnen Posten am Standort nicht vorgelegt, berichten Insider. Skoda weiß demnach bis heute nicht, was sie eigentlich am Standort kaufen sollen, kennen die einzelnen Preise und den Wert der Maschinen nicht – und können auch keine Schätzwerte ableiten. Hinzu kommen nun der fehlende Geschäftsbericht für das Jahr 2020 und der geplatzte ÖBB-Deal. Insider und Branchenkreise nennen dies „die Katze im Sack“, die Alstom den Tschechen andrehen will – und fragen sich, welche Argumente und Anreize für Skoda es überhaupt noch geben könnte, Teile des Standortes zu übernehmen.

Alstom soll überlegen, Bombardier-Standorte in Deutschland zu schließen

Die EU-Kommission soll Alstom für den Verkauf von Hennigsdorf eine Nachfrist eingeräumt haben. Wann diese endet, wissen nur die Kommission und Alstom. Ob sich nach dem Absprung des ÖBB und angesichts der hohen Verluste noch ein Käufer findet, ist offen. Mitarbeiter befürchten derweil, dass Alstom den Standort ganz schließen könnte. Aus Branchenkreisen heißt es sogar, dass Alstom die Schließung aller übernommenen Bombardier-Standorte in Deutschland prüft, weil sie schlicht nicht wirtschaftlich seien.

Auf Anfrage von Business Insider antwortete ein Alstom-Sprecher am Donnerstag:„Alstom ist weiterhin im Kontakt mit den Vertragsparteien bezüglich der Verpflichtungen, die der Konzern gegenüber der EU-Kommission eingegangen ist, um Bombardier Transportation zu kaufen.“ Die Vertragsparteien würden an der bestmöglichen Lösung für die betroffenen Werke, Produkte und Mitarbeiter arbeiten, sagte der Sprecher weiter.

Zum Standort Hennigsdorf sagte der Sprecher: „In Sachen Größe ist Hennigsdorf unsere wichtigste Fabrik in Deutschland. Sie ist in der Komposition der Dach-Region also eine wichtige Fabrik und steuert einen signifikanten Anteil an Ingenieurs-Kapazität bei.“

„Aktuell“ prüfe man derzeit keine Entlassung von Mitarbeitern, sagt der Sprecher weiter. „Zu diesem Zeitpunkt“ prüfe man auch nicht die Schließung aller Bombardier-Fabriken in Deutschland.

Die Vertragskündigung durch den ÖBB wollte der Sprecher nicht kommentieren.

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