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Allianz kassiert Prognose – Vorerst kein neues Gewinnziel

Der operative Gewinn im ersten Quartal ist wegen der Coronakrise deutlich zurückgegangen. Eine neue Prognose der Allianz bleibt aus.

Die gesetzte Zielspanne beim Gewinn von zwölf Milliarden Euro plus oder minus 500 Millionen Euro könne nicht erreicht werden. Foto: dpa

Der Versicherungskonzern Allianz zieht nach Bremsspuren im ersten Quartal seinen Jahresgewinnausblick zurück. Vor dem Hintergrund der pandemiebedingten Unsicherheiten für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und den aktualisierten Planzahlen dürfte 2020 das Ziel eines operativen Ergebnisses von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro nicht mehr erreichbar sein, hieß es in einer am Donnerstagabend in München veröffentlichten Mitteilung. „Ein neues Gewinnziel für 2020 wird der Vorstand nach Abschluss der revidierten Planung kommunizieren.“

Die Coronakrise trifft die Branche doppelt: Zum einen sind die Finanzmärkte auf Talfahrt, auf denen die Versicherer zu den wichtigsten Anlegern gehören. Zum anderen steigen die Schäden in vielen Sparten der Versicherungswirtschaft – von ausgefallenen Veranstaltungen bis zu Ausfällen von Lieferantenkrediten.

Im ersten Quartal war das operative Ergebnis von 3,0 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 2,3 Milliarden Euro gesunken. Unter dem Strich fiel der Gewinn von 2,0 auf 1,4 Milliarden Euro.

Anleger reagierten zunächst relativ gelassen. Den Bericht über das erste Quartal will der Münchner Konzern am 12. Mai vorlegen.

Vorstandschef Oliver Bäte hatte zuletzt angedeutet, dass 2020 wegen der Coronakrise kein erneutes Rekordjahr werden würde. „Dieses Jahr wird nicht zum Lachen“, hatte er dem Magazin „Der Spiegel“ gesagt, aber die Gewinnprognose nicht in Zweifel gezogen.

Geschäft mit Reiseversicherungen liegt brach

Inzwischen hat die Allianz aber alle Töchter und Landesgesellschaften noch einmal gebeten nachzurechnen, ob ihre Planungen angesichts der Pandemie noch gelten. Das Ergebnis ist die Gewinnwarnung. Eine neue Prognose gab die Allianz wegen der Unwägbarkeiten rund um die Pandemie und die drohende Rezession nicht ab.

Versicherungen gegen den Ausfall von Veranstaltungen oder Betriebsschließungen waren die ersten Schadenfälle, die viele Versicherer zu spüren bekamen – auch wenn im Einzelfall unklar ist, ob sie bei einer Pandemie einspringen müssen. Aber auch in der Kreditversicherung werden angesichts einer drohenden Pleitewelle steigende Ausfallraten erwartet – so stark, dass die Bundesregierung der Branche in Deutschland einen großen Teil der Zahlungen abnimmt, aber auch zwei Drittel der Prämien kassiert. Dafür nehmen der zur Allianz gehörende Marktführer Euler Hermes und andere Warenkreditversicherer Verluste in Kauf. Das Geschäft mit Reiseversicherungen dürfte nahezu brachliegen.

Nur in der Autoversicherung rechnet die Branche mit weniger Schäden, weil der Verkehr während der Ausgangsbeschränkungen stark zurückging. Die Allianz und andere Versicherer haben aber in Aussicht gestellt, dass sich das in niedrigeren Beiträgen niederschlagen werde. Geschlossene Autohäuser bedeuten auch ein schrumpfendes Neugeschäft. Schwieriger zu verkaufen sein dürften auch beratungsintensive Produkte wie Lebensversicherungen, wenn der Allianz-Vertreter nicht ins Haus kommen kann.