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Allianz folgt Munich Re mit Warnung vor Abdeckungsforderungen

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Die Allianz SE lehnt es trotz politischen Drucks ab, für nicht-versicherte Schäden aus der Coronakrise auf breiterer Basis aufzukommen. Ähnlich hatte sich vergangene Woche auch schon die Munich Re geäußert.

Das Unternehmen könne “keinen Versicherungsschutz leisten, für den keine Prämie bezahlt wurde”, sagt Vorstandschef Oliver Bäte am Mittwoch bei der virtuellen Hauptversammlung seines Unternehmens. “Das würde unserer Branche den Boden unter den Füßen wegziehen.”

Er verwies dabei auf die jüngsten Diskussionen dazu, wann eine Versicherung für Betriebsschließung zahlen muss und wann nicht. “In den meisten Fällen sind Pandemien als Grund für eine staatlich angeordnete flächendeckende Betriebsschließung nicht versichert. Das war manchen Kunden nicht klar”, sagte Bäte.

Munich-Re-Chef Joachim Wenning hatte vergangene Woche in dieselbe Richtung argumentiert. “Retroaktiver Eingriff in Verträge ist mit rechtsstaatlichen Prinzipien unvereinbar”, sagte er. So etwas würde das Fundament von Versicherungen beschädigen. Munich Re verlasse sich darauf, dass die Politik diese Grundlagen nicht infrage stelle.

Vergangenen Donnerstag hatte die Allianz ihr diesjähriges Ziel für den operativen Gewinn von 12 Milliarden Euro, plus oder minus 500 Millionen Euro, gestrichen. Sie verwies auf “pandemiebedingte Unsicherheiten für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung” und vorläufige Zahlen für das erste Quartal.

Doppelter Schlag

Am Mittwoch sagte Bäte nun, die Allianz arbeite daran, “die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Geschäftszahlen 2020 und die kommenden Jahre genauer abzuschätzen”. Das Ergebnis werde zu gegebener Zeit bekanntgeben. Trotz aller Unsicherheit “bleibt unsere Basis solide”, erklärte Bäte.

Versicherer sind von der Coronakrise gleich doppelt betroffen. Zum einen müssen sie mit Schadensforderungen rechnen, auch wenn viele Verträge eine Pandemie ausschließen. Zum anderen leiden sie unter Unruhen an Finanzmärkten, da sie Prämieneinnahmen in Aktien und Anleihen investieren.

Auch Investoren machen sich Sorgen. So sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, dass bei der Allianz mit “massiven” Spuren der Krise zu rechnen sei. Gleichzeitig lobte er aber - genauso wie sein Kollege Reiner Klöcker von Union Investment - die strategische Ausrichtung des Konzerns unter Bäte.

Um sicherzustellen, dass der Markt für Warenkreditversicherungen trotz Krise weiter funktioniert, hat die Bundesregierung vergangenen Monat einen Schutzschirm gespannt. Sie übernimmt eine Garantie für Entschädigungszahlungen der Kreditversicherer von 30 Milliarden Euro in diesem Jahr. Im Gegenzug überlassen die Versicherer, darunter die Allianz-Tochter Euler Hermes, dem Bund 65% ihrer Prämieneinnahmen.

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©2020 Bloomberg L.P.