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Allianz-Aktie: Langweilig und trotzdem attraktiv

Alexander Frymark, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 5 Min.

An der Börse geht es immer nur um Hype, wie man an den astronomischen Kursen von Amazon und Tesla sieht. Doch abseits der altbekannten Technologiewerte liegt eine vergessene, doch zugleich sehr profitable und sichere Welt, die nur auf Orders wartet.

Warum sollte jemand nicht in gehypte Technologiewerte investieren?

Nicht jeder Technologiewert ist eine gute Investition, da diese Unternehmen noch dabei sind, sich zu entwickeln und zu wachsen. Dementsprechend bergen Technologiewerte auch ein gewisses Risiko, weil man nicht zu 100 % weiß, ob zum Beispiel nun Tesla die Elektromotorrevolution gewinnt oder Amazon die Einzelhandelsindustrie endgültig in die Knie zwingt.

Marktführer von heißen Branchen können allerdings auch schnell fallen, wie das Beispiel von eBay illustriert. Seit dem Ende der 1990er ist die eBay-Aktie – trotz der Existenz von Amazon – sehr stark gestiegen und wurde als Star an der Börse gehandelt. Allein im ersten Börsenjahr von November 1998 bis November 1999 ist eBay um 580 % gestiegen (!). An eBay hatte man riesige Erwartungen, die aber enttäuscht wurden, weil sich herausstellte, dass das Customer-to-Customer-Prinzip von eBay nicht mit dem Business-to-Customer-Prinzip von Amazon mithalten konnte. So hat sich die Aktie bis heute im Vergleich zu ihren Hochs im Jahr 2004 gerade einmal verdoppelt, wohingegen die Amazon-Aktie einige Dutzend Mal mehr wert ist als damals.

Im Schatten des Rampenlichts

Im Schatten des Rampenlichts gibt es Unternehmen, die sich bereits seit Jahren etabliert haben, wie beispielsweise die Allianz (WKN: 840400). Die Allianz ist schon jahrzehntelang Europas größter Versicherer mit einer Börsenkapitalisierung von aktuell 74,4 Mrd. Euro (Datum: 20.09.2020, gilt für alle Kennzahlen). Aber die Tatsache, dass die Allianz ein alter Primus ist, bedeutet nicht, dass die Allianz altersschwach ist:

Die Allianz konnte ihren Umsatz von 2016 bis 2019 solide um 4,5 % von 104 auf 109 Mrd. Euro steigern. Mehr Dynamik gibt es beim Gewinn nach Steuern, der im selben Zeitraum um 16 % von 6,8 auf 7,9 Mrd. Euro gestiegen ist.

Die soliden Fundamentaldaten und der niedrige Aktienkurs führen dazu, dass die Allianz-Aktie ebenfalls günstig bewertet ist. Nimmt man die aufgrund der Coronakrise geänderte Analystenprognose von 16,19 Euro Gewinn pro Aktie, dann hat die Allianz ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11. Ein sehr gutes Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1 unterstreicht ebenfalls, dass die Allianz-Aktie günstig bewertet ist.

Auch die Bilanz der Münchner hat gute Zahlen. Die Eigenkapitalquote liegt bei 7,32 %, was für Finanzunternehmen eine gute Zahl ist. Darüber hinaus signalisiert eine Eigenkapitalrendite von 10,23 % eine gute Profitabilität, die helfen kann, Krisenzeiten zu bestehen. Zum Vergleich: AXA (WKN: 855705), ein direkter Konkurrent der Allianz mit 40,7 Mrd. Euro Marktkapitalisierung, hat eine Eigenkapitalrendite von 5,17 %.

Außerdem ist das Geschäftsmodell der Allianz sehr krisensicher und robust, da jeder Versicherungen braucht und Leute ihre Versicherung, sobald sie sie gekauft haben und zufrieden sind, nicht wechseln. Die Folge daraus ist, dass die Allianz jeden Monat die Versicherungsbeiträge ihrer Kunden auf das Konto erhält und diese nur in seltenen Notfällen wie einem Autounfall oder einer schweren Krankheit teilweise auszahlen muss.

Die Dividendenkennzahlen der Allianz sind sehr, sehr stark. Das Unternehmen hat eine Dividendenrendite von 5,4 % (!) und hat seine Dividende seit 2008 entweder konstant gehalten oder erhöht. Zwar hat die Allianz eine Ausschüttungsquote von nahezu 60 %, doch das kann immer noch hohe Dividendenerhöhungen versprechen, bis man eine Ausschüttungsquote von 75 % erreicht, die von vielen Unternehmen als Grenze angesehen wird, zumal eine Dividendenrendite von über 5 % himmlisch ist, während Sparer und Anleiheinvestoren mit Nullzinsen zu kämpfen haben.

Und wo bleibt die Rendite?

Die Rendite steckt in der Dividende, die auch ohne Kurssteigerungen für hohe Gewinne sorgen würde. Ein Beispiel: Wenn man in eine Aktie einmalig 100 Euro investiert und jedes Jahr 5 % Dividende erhält, dann würde man nach zehn Jahren allein durch die Zinsansammlung der Dividende circa 60 % Gewinn gemacht haben. Und das nicht zu vergessen ohne jegliche Kurssteigerungen und Zukäufe. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass bei diesem Beispiel Steuern und Reinvestitionskosten nicht berücksichtigt wurden.

Nehmen wir einmal an, zu der Dividendenrendite in Höhe von 5 % gesellt sich noch eine jährliche Kurssteigerung von 5 % hinzu – was für Aktien historisch gesehen nicht untypisch ist –, dann kämen wir auf eine Rendite von 10 % pro Jahr, was nach zehn Jahren insgesamt 160 % Rendite ergibt (allerdings nur, wenn man Steuern und Reinvestitionskosten vernachlässigt). Das ist viel mehr als die Rendite der Dividenden allein.

Gibt es einen Haken?

Es gibt natürlich auch ein Risiko. Viele der Finanzprodukte der Allianz sind mit Kapitalanlagen hinterlegt, die an Wert verlieren würden, sobald der Markt sinkt. Den Effekt von eintreffenden Bärenmärkten kann man jedoch mit Eigenkapital und Derivaten abmildern, die durch Short-Gewinne in einem Bärenmarkt die Long-Verluste ausgleichen.

Im Rahmen des Versicherungsgeschäfts ist die Allianz von Minuszinsen gefährdet, da dadurch die Kapitalanlagen, in die man die Versicherungsbeiträge investiert, kaum Rendite aufbringen würden, weil diese zu einem großen Teil aus verzinsten Staatsanleihen bestehen. Jedoch kann man auf dieses Risiko mit Umschichtungen in alternative Anlagen reagieren wie beispielsweise Immobilien, Rohstoffe oder Aktien.

Fazit

Abseits der gehypten Technologiewerte gibt es einige sehr profitable und marktschlagende Aktien, die durch ihre Sicherheit und niedrige Volatilität für risikoscheue Anleger oder die Altersvorsorge geeignet sind. Die Allianz-Aktie ist trotz des Risikos von Minuszinsen ein gutes Beispiel für solche Aktien.

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Alexander Frymark besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Tesla und empfiehlt die folgenden Optionen: Short January 2022 $1940 Call auf Amazon und Long January 2022 $1920 Call auf Amazon.

Motley Fool Deutschland 2020