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Die allermeisten Commerzbanker blicken pessimistisch in die Zukunft

Kröner, Andreas Greive, Martin
·Lesedauer: 4 Min.

Die desolaten Ergebnisse einer Mitarbeiter-Umfrage zeigen, dass die Bankvorstände der Belegschaft neue Perspektiven eröffnen und ihr Vertrauen zurückgewinnen müssen.

Nur jeder fünfte Commerzbank-Mitarbeiter vertraute Ende 2020 darauf, dass das Topmanagement die Bank in die richtige Richtung führt. Foto: dpa
Nur jeder fünfte Commerzbank-Mitarbeiter vertraute Ende 2020 darauf, dass das Topmanagement die Bank in die richtige Richtung führt. Foto: dpa

Rote Zahlen, enttäuschte Investoren und unzufriedene Bankenaufseher: Dass Manfred Knof bei der Commerzbank eine schwierige Aufgabe antritt, war dem neuen Vorstandschef von Anfang an klar. Doch die Ergebnisse einer Umfrage unter seinen Mitarbeitern zeigen nun, dass der 55-Jährige das Frankfurter Geldhaus nicht nur profitabler machen muss. Er muss auch die Belegschaft wieder aufrichten und zusammen mit seinen Kollegen das Vertrauen der Mitarbeiter in das Management des Instituts wiederherstellen.

Dass Letzteres nach dem Chaosjahr 2020 kaum mehr vorhanden ist, zeigt die zwischen dem 27. November und dem 11. Dezember durchgeführte Umfrage „Pulse Check 2020“ eindrucksvoll. Die wichtigsten Ergebnisse wurden im Intranet der Bank veröffentlicht und liegen dem Handelsblatt vor. Nur ein Fünftel der Befragten schaue optimistisch in die Zukunft der Commerzbank, heißt es im Intranet-Bericht. „Ebenso vertraut nur jeder Fünfte darauf, dass das Topmanagement die Bank in die richtige Richtung führe.“

Personalvorständin Sabine Schmittroth bedankte sich für das offene Feedback. „Die Ergebnisse kommen für uns nicht überraschend, wenn man bedenkt, in welchem Zeitraum und welchem Umfeld die Befragung stattgefunden hat“, erklärte sie. Die monatelange Unsicherheit durch mehrere Veränderungen im Vorstand und zur künftigen Strategie habe bei vielen die Stimmung getrübt.

Nach heftiger Kritik des Großaktionärs Cerberus und der Bankenaufsicht hatten CEO Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann im Juli ihren Rückzug angekündigt. Im September warf dann Privatkundenvorstand Michael Mandel hin, im November Firmenkundenchef Roland Boekhout.

Wegen der Massenflucht aus dem Topmanagement verzögert sich auch die eigentlich für Sommer 2020 angekündigte Verabschiedung einer neuen Strategie. Diese will der seit Anfang Januar amtierende Vorstandschef Knof nun an diesem Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung final verabschieden. Die Eckpunkte musste er nach einem Exklusivbericht des Handelsblatts bereits vergangene Woche veröffentlichen. Geplant ist der Abbau von 10.000 Stellen weltweit sowie von 350 Filialen in Deutschland.

Die Bundesregierung, die nach der staatlichen Rettung in der Finanzkrise noch gut 15 Prozent an der Commerzbank hält, steht hinter den Umbauplänen. „Alle wissen, es muss etwas getan werden, auch etwas sehr Drastisches“, sagte Finanzminister Olaf Scholz am Dienstag. „Aber es muss natürlich auch im Rahmen der sozialpartnerschaftlichen Tradition erfolgen – und so scheint es auch zu sein.“

In engem Schulterschluss mit den Mitbestimmungsgremien, dem Betriebsrat und den Gewerkschaften, werde eine gemeinsame Lösung für die Zukunft gesucht, sagte Scholz „Das ist glaube ich auch der richtige Weg.“

Mitarbeiter brauchen Klarheit über künftigen Kurs

Knof hatte in einem Brief an die Beschäftigten erklärt, auf betriebsbedingte Kündigungen wenn möglich verzichten zu wollen. Grundsätzlich habe die Mitarbeiterbefragung gezeigt, wie wichtig Kommunikation und Dialog jetzt seien, schrieb er. „Sobald wir die Strategie beschlossen haben, werden das Vorstandsteam und ich Euch daher in verschiedenen Formaten über weitere Details informieren und uns Euren Fragen stellen.“

Aus Sicht von Personalchefin Schmittroth hat die Befragung deutlich gemacht, „dass die Mitarbeiter sich schnell Klarheit wünschen, wie es weitergeht“. Zuversichtlich stimme sie die hohe Eigenmotivation der Beschäftigten sowie ihre hohe Veränderungsbereitschaft. „Das sind gute Voraussetzungen für die strategische Neuausrichtung, an der wir im Vorstand mit Hochdruck arbeiten.“

In der Umfrage gaben 70 Prozent der Mitarbeiter an, dass Veränderungen in der Organisation nötig sind. Positiv sieht die Mehrheit auch ihr direktes Arbeitsumfeld: 75 Prozent der Befragten teilten mit, ihre Aufgaben mit Leidenschaft zu erfüllen, 78 Prozent empfinden ihre Tätigkeit als sinnvoll. Im Gegensatz zum Topmanagement bewerten die meisten auch ihre direkten Vorgesetzten positiv. Über 80 Prozent der Befragten gaben an, die Zusammenarbeit mit ihrer Führungskraft sei vertrauensvoll.

Früher hat die Commerzbank ihre Mitarbeiter regelmäßig befragt, in den vergangenen Jahren jedoch nicht mehr. Das neue Führungsteam will die Stimmung der Belegschaft nun in bestimmten Abständen immer wieder erheben. „Die Ende 2020 durchgeführte Nullmessung dient als Startpunkt für künftige, regelmäßige Mitarbeiterbefragungen“, erklärte ein Sprecher. „Die Erkenntnisse daraus unterstützen uns, die Begleitung des Transformationsprozesses zu gestalten.“

„Herr Knof schießt sich selbst ins Knie“

Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über den Umbau der Bank werden jedoch alles andere als einfach. Die Gewerkschaft Verdi hält das Zielbild zwar für richtig, fordert jedoch eines Streckung des Stellenabbaus über fünf bis sechs Jahre.

„Die Bank muss den Personenkreis der Beschäftigen, die beispielsweise für Altersteilzeit oder Vorruhestand infrage kommen sollen, im Vergleich zu den bisherigen Programmen deutlich ausweiten, wenn sie ihre Ziele erreichen will“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann, der auch im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, kürzlich der „Frankfurter Rundschau“. Dafür brauche man mehr Zeit, „weil ausreichend Beschäftigte erst einmal in das Alter kommen müssen, in dem diese Instrumente für sie infrage kommen“.

Für die Aufsichtsratssitzung am Mittwoch kündigte Wittmann Widerstand an. „Ich glaube, dass die Arbeitnehmerbank das Sanierungskonzept nicht akzeptieren kann, weil die personellen Auswirkungen noch völlig unklar sind“, sagte er. „Das bedeutet, dass die Umsetzung von der Arbeitgeberseite zwar beschlossen wird, aber von der Hälfte des Aufsichtsrats nicht mitgetragen wird.“ Der Vorstand erschwere damit die Umsetzung seines eigenen Konzepts. „Herr Knof schießt sich selbst ins Knie.“