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Ja, die Allergiesaison fühlt sich dieses Jahr schlimmer an: Warum das so bleiben wird

Der Pollenflug verlängert und verstärkt sich durch den Klimawandel.
Der Pollenflug verlängert und verstärkt sich durch den Klimawandel.

Leidet auch ihr unter juckenden Augen, einer laufenden Nase und Juckreiz im Hals? Mehr als 12,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Heuschnupfen, so das Robert-Koch-Institut – und die Zahl nimmt stetig zu. Zurückzuführen ist der Anstieg auf den erhöhten Pollenflug und die längeren warmen Jahreszeiten. Das sagt Clifford Bassett, Assistenzprofessor und Arzt für Allergien und Infektionskrankheiten.

Einer Studie von Bassett aus dem Jahr 2021 zufolge hat der Pollenflug allein in den vergangenen 30 Jahren um etwa 20 Prozent zugenommen. Zudem habe sich die Allergiesaison um bis zu 20 Tage pro Jahr verlängert. Die Folge: Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen können mit dem Anstieg der Pollenmenge schwerere Symptome bekommen und mehr von ihnen Medikamente benötigen.

Das bestätigt auch eine im März in der Fachzeitschrift “Nature” veröffentlichte Studie. Die Autoren der Studie sagen zudem voraus, dass der Pollenflug weltweit bis zum Ende des Jahrhunderts um 200 Prozent zunehmen werde. Außerdem würden mehr Menschen in den nächsten Jahrzehnten saisonale Allergien entwickeln.

Pflanzen produzieren mehr Pollen aufgrund von Kohlenstoffemissionen

Doch woher kommt das? Kohlenstoffdioxid, ein Treibhausgas, trägt nicht nur zur Erwärmung des Planeten bei, sondern wird auch mit dem Pflanzenwachstum in Verbindung gebracht. Pflanzen nutzen Kohlenstoffdioxid für die Fotosynthese und die Produktion von Zuckern, die ihr Wachstum fördern. Infolge der milden Temperaturen und des erhöhten CO₂-Gehalts in der Luft produzieren die Pflanzen daher mehr Pollen als früher, so ein 2016 von "Environmental Health Perspective" veröffentlichter Bericht.

Die Hauptquelle der Kohlenstoffemissionen – die Gewinnung und Verbrennung fossiler Brennstoffe – trägt auch zur Luftverschmutzung bei. Bassett erklärte im Gespräch mit Business Insider, dass verschiedene Schadstoffe mit Pollen in der Luft interagieren können. Das könne die Schwere der hervorgerufenen Allergiesymptome verschlimmern.

Zudem haben Wissenschaftler in der Corona-Pandemie in mindestens 31 Ländern beobachtet, wie Pollen sogar die Virusübertragung beeinflussen können. In einer im März veröffentlichten Studie bestätigten sie, dass pollenreiche Tage mit einem Anstieg der Corona-Inzidenz korrelierten.

Längerer Pollenflug kann schwerwiegende Folgen haben

Jahrzehnte der globalen Erwärmung haben zu einem früheren Beginn der Allergiesaison geführt, so Bassett. Normalerweise produzieren verschiedene Pflanzenarten Pollen zu verschiedenen Jahreszeiten. Eine längere Allergiesaison bedeute aber, dass zahlreiche Pflanzenarten zur gleichen Zeit Pollen produzieren – das könne "das Elend für Allergiker vervielfachen", so die aktuelle "Nature"-Studie.

Asthma, das durch Pollen und Schadstoffe in der Luft ausgelöst werden kann, ist in den USA unter Angehörigen ethnischer Minderheiten und Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben, häufiger verbreitet als im Rest der Gesellschaft. Laut "Climate Central" hat eine diskriminierende Wohnungspolitik in den USA in der Vergangenheit dazu geführt, dass vor allem Angehörige von ethnischen Minderheiten in schlecht belüfteten Gebäuden in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung leben. Das erhöhe das Risiko von Atemwegserkrankungen, insbesondere während längerer Allergiesaisons, so "Climate Central".

Der Artikel wurde von Ben Peters aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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