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Alle paar Jahre ein paar hundert Euro mehr: So erklimmt ihr die Karriere- und Gehaltsleiter im öffentlichen Dienst

·Lesedauer: 6 Min.

Der Bund sucht derzeit zahlreiche Mitarbeiter in fast allen Bereichen der Verwaltung, der Ministerien und der Universitäten. Das Angebot ist attraktiv: Arbeitsplatzsicherheit, faire Aufstiegschancen sowie Work-Life-Balance sind Buzzwords, die angesichts einer verheerenden Wirtschaftslage nach einem Jahr Corona an Strahlkraft für Menschen gewinnen. Sie bangen um ihren Job, während es im öffentlichen Dienst praktisch unmöglich ist, gekündigt zu werden. Wer dort arbeitet oder verbeamtet ist, wirkt meist auf Lebenszeit.

So ist es zum Beispiel eine Seltenheit, dass in den Betrieben der freien Wirtschaft Mitarbeiter alle paar Jahre eine automatische Gehaltserhöhung von ein paar hundert Euro für die nächst höhere Gehaltsklasse erhalten. Im öffentlichen Dienst ist das klar geregelt. Beispiel Humboldt Universität in Berlin. Am dortigen Sprachenzentrum arbeitet Mariana Alvarez, Dozentin für Spanisch. Sie erklärt das System der Bezüge beim Bund, das für Outsider ein wenig klingt wie die Regeln im Criquet.

„Bewirbst Du Dich auf eine ausgeschriebene Stelle, ist das Gehalt transparent. Denn die Stelle ist an eine Vergütungsgruppe gekoppelt. Dort ist festgelegt, wie viel Grundgehalt Du bekommst. Dazu kommen individuell noch Zulagen“, sagt Alvarez. Wer einmal im öffentlichen Dienst arbeitet, erfährt von Jobangeboten für eine höhere besoldete Stelle früher.

Je schwerer eine Stelle zu besetzen ist, desto größer die Chancen auf höhere Eingruppierung

Dazu eine Beispielrechnung: Ist eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiter mit der Gehaltsklasse E13 ausgeschrieben, startet das Grundgehalt in Berlin etwa mit 4.074 Euro. Dies ist das Gehalt in der Erfahrungsstufe für Einsteiger, in der Regel mit einem Master-Abschluss. Zum Vergleich: In Stufe 6 sind dies 5.872 Euro Grundgehalt.

Verfügt jemand beim Start in den öffentlichen Dienst bereits über Arbeitserfahrung, weil er oder sie ein paar Jahre auf dem freien Markt gearbeitet hat, können die Arbeitgeber denjenigen auch in die höhere Erfahrungsstufe 2 eingruppieren. Je schwerer es ist, jemanden für eine Stelle zu bekommen, zum Beispiel für einen Softwareentwickler, desto größer die Chancen auf eine höhere Eingruppierung. Dort beträgt das Grundgehalt bereits 300 Euro mehr.

Mit zwei Kindern erhält der wissenschaftliche Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin dazu noch Familienzulagen, je nach Bundesland sind das 120 bis 150 Euro pro Kind. Die Ballungsraumzulage für Berlin beträgt 150 Euro. Für diese Beispielrechnung addieren sich also 450 Euro Zulagen für diese Stelle (bei 150 Euro pro Kind) und lassen das Gehalt in der Erfahrungsstufe 1 auf 4.524 Euro steigen, in der zweiten Stufe auf 4.824 Euro.

Sichere Gehaltserhöhung von 600 Euro in sieben Jahren

Mit der nächsten Erfahrungsstufe 3 verdient der wissenschaftliche Mitarbeiter dann bereits 5.124 Euro. Man wechselt aus der Stufe 2 nach drei Jahren automatisch in Stufe 3, nach 4 weiteren Jahren in Stufe 4. Die sichere Gehaltserhöhung von 600 Euro in sieben Jahren ist für viele ein Anreiz, in den öffentlichen Dienst zu gehen.

Welche Zulagen der Bund als Arbeitgeber zahlt, ist in Tabellen auf einschlägigen Seiten des öffentlichen Dienstes aufgelistet, zum Beispiel beim Beamtenbund. Einen noch größeren Gehaltssprung macht zum Beispiel jemand, der Führungsaufgaben wahrnimmt und Mitarbeiter hat. Solche heiß begehrten Stellen sind etwa die Stufen E14 und E15. Das Gehalt von E14 beginnt mit einem Grundgehalt von etwa 4.400 Euro und reicht bis 6.250 Euro plus Zulagen. E15Ü, die höchste Stufe des höheren Dienstes, bewegt sich zwischen 5.955 bis 7.740 Euro.

Auch der Verfassungsschutz in Köln und Berlin hat sich als Arbeitgebermarke mit dem Slogan „Im Auftrag der Demokratie“ neu aufgestellt. Die Referatsleiterin für Personalmarketing, Hannah Marienfeld aus Köln, erläutert Business Insider: „Aktuell sind wir unter anderem auf der Suche nach exzellent ausgebildeten IT-Fachkräften und Fremdsprachlern. Hier liegt der Fokus auf Sprachen wie zum Beispiel Persisch, Russisch, Hocharabisch inklusive verschiedenen arabischen Dialekten sowie Urdu (Pakistan) und Hindi.“

"Der Verfassungsschutz sucht sowohl Mitarbeiter für die Beschaffung von Informationen, etwa auf Veranstaltungen, als auch Analysten, um die Daten auszuwerten", erklärt Personalerin Marienfeld weiter. Letztere sind Personen, die auf Grundlage der Informationen, die zum Beispiel ihre Kollegen vor Ort auf einer Demonstration besorgt haben, Lagebilder- und Analysen erstellen. „Als Teil der Sicherheitscommunity können unter dem Dach eines Arbeitgebers unterschiedliche und auch wechselnde Aufgaben wahrgenommen werden. Durch umfassende Schulungen und Weiterbildungen bereiten wir Kolleginnen und Kollegen auf ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten vor.“

Auch die Justiz sucht deutschlandweit Mitarbeiter in allen Bereichen

Der Verfassungsschutz beschäftige sich unter anderem mit Rechts- und Linksextremismus, Islamismus, islamistischem Terrorismus, Ausländerextremismus und der Bekämpfung von staatlich gesteuerten Cyber-Angriffen. „Mit einem Master in Informatik kann man ohne Berufserfahrung mit einem Grundgehalt ab etwa 4.350 Euro einsteigen.“

In der freien Wirtschaft verdient ein IT-Spezialist natürlich sehr viel mehr. "Um konkurrenzfähig zu sein, verfolgen wir verschiedene Ansätze, die Gehaltsanhebungen in Einzelfällen ermöglichen. Hierzu gehören zum einen finanzielle Anreize, wie etwa die Möglichkeit der zusätzlichen Gewährung einer IT-Fachkräftezulage sowie weitere Gehaltsanhebungen, etwa durch die Vorweggewährung sogenannter Erfahrungsstufen." Auch spiele der besondere Sinn der Arbeit, die im Dienst für die freiheitlich demokratische Grundordnung steht, eine gewichtige Rolle, ist Marienfeld überzeugt.

Auch die Justiz sucht deutschlandweit neue Mitarbeiter in allen Bereichen, zum Beispiel in Berlin für „das Team der Gerechten“. Staatsanwälte, Richterinnen und Richter, Mitarbeiter in den Justizvollzugsanstalten, Servicekräfte sowie Rechtspfleger werden dort vermehrt angeworben. Wenn hunderte Babyboomer demnächst in Rente gehen, sollen keine Lücken an Fachkräften klaffen.

Doch wie viel verdient zum Beispiel ein Richter im Staatsdienst an einem Amtsgericht? Das Einstiegsgehalt liegt hier zwischen rund 3.350 Euro brutto im Saarland und rund 4.200 Euro brutto in Bayern und Hamburg in der Spitze. Hier gibt es größere Unterschiede nach den Regionen. Ansonsten richtet sich die Höhe der Bezahlung von Richtern stets an deren Besoldungsgruppe und an der Stufe innerhalb dieser Gruppe.

Ein Richter der Besoldungsgruppe R1 verdient in der Stufe 1 monatlich beispielsweise 3.971 Euro brutto, ein Richter der Besoldungsgruppe R2 – bestimmte leitende Richter wie Direktoren eines Amtsgerichts, Vizepräsidentin oder Vizepräsident eines Landgerichtes – in Stufe 8 hingegen 7.014 Euro brutto. R3 Richter bekleiden noch höhere Positionen, beispielsweise Präsident eines Oberlandesgerichts, hier liegt das Gehalt in Stufe 1 bei 8.591 Euro.

Um den Sprung von einem Amtsrichter der Stufe R1 zu einem leitenden Richter (R2) zu schaffen, bedarf es besonderer Fähigkeiten. Hier sieht die Justiz eine neun- bis zweijährige Qualifikationsphase innerhalb der Gerichte unter Aufsicht eines höheren Richters vor. Das kann auch einmal äußerst aufwendig sein, je nach Persönlichkeit der Vorgesetzten. Wer diesen Schritt geschafft hat, steigt auf.

Auch diese Verfahren sind hoch kompetitiv – nach oben wird die Luft bekanntlich dünner. Endlich angekommen lockt einem Präsidenten oder einer Präsidentin jedoch ein lebenslanger attraktiver und gut bezahlter Job.

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