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Alibaba & Ant Financial: Das Politik-Problem könnte größer sein als gedacht

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Die Aktie von Alibaba (WKN: A117ME) konnte in den Tagen zuletzt wieder mit positiven Nachrichten glänzen. Der Grund: Der diesjährige Singles’ Day lief erneut erfolgreich. Innerhalb weniger Sekunden, Minuten, Stunden und Tage ist ein rekordverdächtiges Warenvolumen umgewälzt worden, womit die E-Commerce-Plattformen erneut ihr Potenzial unterstreichen konnten.

Das hat fast schon über ein eher dunkles Kapitel der letzten Tage hinweggetäuscht, aber eben auch nur fast: den abgesagten Börsengang von Ant Financial. Nur wenige Meter auf der Zielgeraden des rekordverdächtigen Börsengangs haben die chinesischen Behörden den Plänen einen Riegel vorgeschoben. Und damit möglicherweise Milliarden an Börsenwert von Ant Financial vernichtet. Zumindest kurzzeitig.

Es zeigt sich jedoch, dass Alibaba möglicherweise ein größeres Problem besitzt. Denn das Problem mit den chinesischen Behörden könnte größer sein als gedacht. Schauen wir im Folgenden daher einmal, was Foolishe Investoren wissen sollten.

Ant Financial: Börsengang-Stopp von höchster Stelle?

Wie jetzt jedenfalls mehrere Medien und allen voran die US-Ausgabe des Wall Street Journal berichten, könnte der geplatzte Börsengang von sehr weit oben kommen. Beziehungsweise sogar von der obersten Stelle persönlich. Demnach habe Chinas Präsident Xi Jinping persönlich den Stecker des geplanten Börsengangs nur wenige Tage vor der Erstnotiz gezogen. Das berichtet das US-Wirtschaftsmagazin mit Verweis auf zitierte chinesische Beamte.

Der Anlass könnte Kritik sein. Demnach hat sich Alibabas Gründer, langjähriger Funktionär und noch immer maßgeblicher Investor Jack Ma zuletzt kritisch über die chinesische Finanzaufsicht geäußert. Präsident Xi wies seine Behörde demnach an, Ant Financial kritisch zu überprüfen und den Börsengang zu verhindern. Eine offizielle Stellungnahme dazu gebe es weder von Ant Financial noch von den chinesischen Behörden.

Die Folgen könnten sowieso schon schwerwiegender sein als zunächst gedacht. Durch den geplatzten Börsengang und den Kontext scheint sich vielleicht abzuzeichnen, dass Ant Financial zukünftig stärker reguliert wird. Das könnte das Geschäftsmodell beeinträchtigen und möglicherweise den Wert der Beteiligung deutlich reduzieren. Zwischenzeitlich ist sogar von einem hälftigen Wertverfall bereits die Rede gewesen.

Wird das Problem auf Alibaba überschwappen?

Das Problem, das sich für Foolishe Investoren ergibt, ist daher grundsätzlich politischer Natur. Jeder Investor weiß, dass der chinesische Markt mit einigen politischen Risiken verbunden ist. Das haben bereits andere chinesische Tech-Größen gespürt, wie beispielsweise Tencent, als die Videospiele plötzlich kaum noch Genehmigungen erhielten. „Don’t mess with Xi“ könnte daher ein Credo sein, wenn man das umgehen möchte.

Allerdings hat Alibabas Jack Ma genau das getan, was weitere Fragen aufwirft: Kommt es zu einem intensiveren Konflikt? Wird es weitere Restriktionen geben? Ich schätze, wenn sich der Sachverhalt jetzt abkühlt, können wir beides vermutlich mit Nein beantworten. Ma hat jedoch gezeigt, dass er nicht zu allem Ja und Amen sagt, was die chinesische Regieung macht. Auch das könnte ein Risiko sein, das Investoren auf dem Schirm haben sollten, selbst wenn es mit der eigentlich bloßen, freien Meinungsäußerung zusammenhängt, was hier eigentlich selbstverständlich ist.

Alibaba: Starke Megatrends!

Alibaba besitzt natürlich weiterhin starke Megatrends, die ausgereizt werden können. Alleine die zwei klassischen Segmente E-Commerce und Cloud dürften für weiteres Wachstum sorgen, selbst wenn die Finanzdienstleistungen bei Ant Financial etwas heikler werden.

Trotzdem zeigen diese Meldungen, dass unternehmensorientierte Investoren das politische Risiko in China stets beobachten sollten. Es ist vermutlich noch zu früh, die Investitionsthese zu überdenken. Ein Problem könnte sich mittel- bis langfristig jedoch vielleicht hier abzeichnen. Je nachdem, wie die Behörden und auch die Alibaba-Funktionäre sich künftig geben.

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Vincent besitzt Aktien von Alibaba. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alibaba Group Holding Ltd..

Motley Fool Deutschland 2020