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Alibaba & Ant Financial: 6 Monate Verzögerung?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Es war definitiv ein empfindlicher Schlag, der auch die Aktie von Alibaba (WKN: A117ME) getroffen hat: Die chinesischen Behörden haben in der letzten Woche auf den letzten Metern den Börsengang von Ant Financial verhindert. Damit hat sich gezeigt, dass China-Tech in gewisser Weise immer einem politischen Risiko ausgesetzt ist.

Teilweise kann man sagen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Allerdings könnte es regulatorische Hindernisse geben, die trotzdem den Wert und die operative Ausgangslage mindern beziehungsweise verschlechtern.

Auch der Börsengang könnte einige Zeit benötigen, bis es einen zweiten Anlauf gibt. Werfen wir heute einen Blick darauf, wie lange sich der IPO verzögert. Beziehungsweise was auch andere Folgen der Absage sind.

Alibaba & Ant Financial: 6 Monate Verzögerung?

Wie jetzt mehrere Medien, allen voran die Financial Times, berichten, dürfte sich der Börsengang erheblich verzögern. Aufgrund der sich verändernden Ausgangslage könne es eine Verzögerung von bis zu sechs Monaten geben. Ein Problem? Ja, möglicherweise. Allerdings ist es eigentlich nicht die Zeit, die kritisch wird.

Nein, es sind eher die regulatorischen Veränderungen, die die chinesischen Behörden Ant Financial auferlegen wollen. Gemäß der Einschätzung der Financial Times könnten die neuen Regeln dazu führen, dass Ant Financial sein Geschäftsmodell ein wenig neu definieren und anpassen muss. Das wiederum sei ein Schlüsselfaktor (key factor) für Ant Financial und den bisherigen operativen Erfolg.

Die Verzögerung von sechs Monaten, die vornehmlich auf die Erstellung eines neuen Prospektes für den Börsengang zurückgeführt werden kann, scheint daher das geringste Problem zu sein. Die inhaltlichen, materiellen neuen Anforderungen könnten den Wert von Ant Financial empfindlich beeinflussen. Erste Einschätzungen eines Shanghaier Fondsmanager besagen dem Bericht zufolge, dass sich der Wert von Ant Financial halbieren könnte. Aus den zuletzt mehr oder minder offiziell kolportierten 315 Mrd. US-Dollar dürften demnach knapp über 150 Mrd. US-Dollar werden. Das tangiert auch Alibaba, denn der Tech-Konzern hält schließlich ca. ein Drittel aller Anteile an dem Fintech.

Die spannende Frage: Was jetzt?

Foolishe Investoren fragen sich natürlich, was jetzt passiert. Fest steht jedenfalls, dass sich wieder einmal zeigt, dass im chinesischen Raum vieles regulatorisch passieren kann und dass selbst eine Größe wie Alibaba nicht zwingend geschützt ist.

Alibaba besitzt viele starke Geschäftsmodelle und einen führenden profitablen Ansatz im E-Commerce und auch die Cloud ist weiterhin sehr wachstumsstark. Die Größe von Alibaba könnte mittel- bis langfristig jedoch auch ein Problem für die chinesischen Behörden werden. Alibaba ist zwar momentan noch nicht im Fokus der Behörden, könnte es jedoch aufgrund der Machtposition im Internet werden.

All das mag noch Zukunftsmusik sein, keine Frage. Alibaba möchte jedoch hoch hinaus und künftig starke Standbeine auch in der Produktion, im Energiemarkt und in weiteren Branchen einnehmen. Wird das das politische Risiko erhöhen? Eine Frage, auf die Foolishe, unternehmensorientierte und eigentlich unpolitische Investoren eine Antwort finden sollten.

Alibaba: Das China-Risiko …

Alibaba wächst weiter und auch Ant Financial besitzt eigentlich ein sehr erfolgreiches Geschäftsmodell. Die Megatrends sind klar und vorhanden, das lässt sich kaum bestreiten. Die Chance hat jedoch einen Preis und der ist das vergleichsweise hohe politische Risiko. Ob man das als Foolisher Investor eingehen möchte, könnte jetzt relevanter sein denn je.

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Vincent besitzt Aktien von Alibaba. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alibaba Group Holding Ltd..

Motley Fool Deutschland 2020