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Alibaba-Aktie: Wie viel ist eigentlich die Cloud-Sparte wert?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Wenn es um das Thema Alibaba (WKN: A117ME) geht, ist häufig das E-Commerce-Segment im Vordergrund. Sicher, der chinesische Internetkonzern verdient schließlich noch immer das meiste seiner Umsätze in diesem großen und führenden Bereich, nichtsdestoweniger existieren auch andere Segmente, die eine nähere Betrachtung verdient haben.

Insbesondere die Cloud-Sparte sorgt immer wieder im Rahmen von Quartalszahlen für mächtig Aufsehen. Das Wachstum ist hier auf Sicht des Gesamtkonzerns überproportional, die Umsätze liegen pro Quartal inzwischen bei über 1 Mrd. US-Dollar. Damit wird dieses künftig vermutlich margenstarke Segment immer wichtiger für den Gesamterfolg des chinesischen Internetkonzerns.

Aber wie groß ist wohl der Wert alleine dieses Bereichs und was hat das mit der derzeitigen Alibaba-Aktie beziehungsweise deren Bewertung zu tun? Ein paar spannende Fragen, denen wir uns im Folgenden mal etwas widmen wollen.

Auf der Suche nach spannenden Vergleichswerten

Grundsätzlich eine Fragestellung, die wir jedoch nicht mit Blick in die aktuellen Bücher von Alibaba beantworten können, denn Segmentwerte werden hier natürlich nicht genannt. Was wir jedoch mit Blick auf die letzten Quartalszahlen feststellen können, ist, dass hier das Cloud-Segment mit einer Wachstumsrate von zuletzt 64 % im Jahresvergleich glänzen konnte. Die Umsätze beliefen sich dabei außerdem auf einen Wert von 1,3 Mrd. US-Dollar, und das sogar ziemlich genau. Auf annualisierter Basis entspräche das somit einem Wert von 4,2 Mrd. US-Dollar. Gewiss damit kein kleinerer Bereich mehr.

Was wir nun jedoch brauchen, ist ein ansprechender Vergleichswert, um den Börsenwert damit messen oder ansatzweise definieren zu können. Amazon taugt hierbei jedoch sehr wenig, weil auch hier im Gesamtkonzern die Cloud-Sparte untergeht. Salesforce (WKN: A0B87V) hingegen, ein relativ klassischer Anbieter von Cloud-Dienstleistungen, ist hier schon eher eine Referenzgröße, die man inspizieren kann.

Diese US-Amerikaner kamen im letzten Geschäftsjahr 2019 jedenfalls auf Umsätze in Höhe von 13,28 Mrd. US-Dollar, was noch deutlich über Alibaba geht. Jedoch können die Chinesen hier in etwa ein Drittel dieser Umsätze vorweisen, was möglicherweise eine gewisse Vergleichsdimension eröffnet, die natürlich mit etwas Vorsicht zu genießen ist. Sofern wir hier jedoch einfach mal relativ stumpf ein Drittel des derzeitigen Börsenwertes von Salesforce für diesen Alibaba-Bereich zugrunde legen, kämen wir bei einer Salesforce-Marktkapitalisierung von derzeit 166 Mrd. US-Dollar auf einen Wert von 55 Mrd. US-Dollar.

Wie gesagt, keine Raketenwissenschaft, zumal es hier einige Unterschiede wie Marktstellung, handels- oder generelle politische Risiken zu berücksichtigen gilt sowie auch ein unterschiedliches Wachstum. Salesforce wuchs im letzten Quartal aus der Sicht der Umsätze beispielsweise lediglich um 34 % zu konstanten Währungen. Jedoch könnte diese Referenzgröße Pi mal Daumen aufgehen.

Was das jetzt unterm Strich bedeutet

Die spannende Frage ist nun natürlich, was das jetzt für die allgemeine Bewertung der Alibaba-Aktie bedeutet. Grundsätzlich werden die Chinesen gegenwärtig mit einer Marktkapitalisierung von 579 Mrd. US-Dollar bewertet. Rund 10 % dieses Gesamtwertes könnten dabei wohl auf den Bereich der Cloud entfallen, was unterm Strich bedeutet, dass rund 520 Mrd. US-Dollar für den restlichen Bereich übrig blieben.

Der E-Commerce wird dabei einen größeren Anteil des Börsenwertes einnehmen, jedoch existieren noch andere Geschäftsbereiche, die ebenfalls berücksichtigt werden sollten. So rückt der Internetkonzern schließlich näher an seine Finanztochter Ant Financial heran, die ebenfalls über ein starkes, zukunftsträchtiges Geschäftsmodell im Segment der digitalen Finanz- und Versicherungsleistungen verfügt. Ein strategischer Imperativ, der auf weiteres Wachstum schließen lässt.

Möglicherweise ermöglichen solche Vergleiche beim Börsenwert der einzelnen Segmente daher einen tieferen Blick in die Bewertungsstruktur und vielleicht wird man dabei sogar feststellen, dass die Bewertung vergleichsweise günstig ist. Vor allem, da man theoretisch noch ein gewisses Premium für die klare Marktführerschaft im Bereich der Cloud und natürlich dem E-Commerce im Reich der Mitte vergeben kann.

Aber bleiben wir bei der Cloud

Doch für den Moment bleiben wir noch einmal kurz bei der Cloud. Im Endeffekt hat unser heutiges Rechenbeispiel mithilfe von Salesforce gezeigt, dass dieser Bereich bereits einen bedeutenden Anteil am Gesamtkonzern ausmachen könnte. Je nachdem, wie man einzelne Faktoren bewertet, könnte dieser Wert sogar noch größer sein.

Ob die Alibaba-Aktie damit nun günstig oder teuer ist, lässt sich zwar nicht einzig und alleine hieran ablesen. Das könnte jedoch ein solider Anhaltspunkt für weitere Analysen dieses spannenden Gesamtkonzerns sein.

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Vincent besitzt Aktien von Alibaba. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon.

Motley Fool Deutschland 2020