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Ex-HSV-Profi: "Magath wollte immer die ganze Macht"

·Lesedauer: 11 Min.
Ex-HSV-Profi: "Magath wollte immer die ganze Macht"
Ex-HSV-Profi: "Magath wollte immer die ganze Macht"

Wenn am Samstag der Hamburger SV im Topspiel der 2. Liga Fortuna Düsseldorf (2. Bundesliga: Hamburger SV - Fortuna Düsseldorf, ab 20.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) empfängt, kommen bei Jörg Albertz nostalgische Gefühle hoch. Der heute 50-Jährige spielte jeweils fünf Jahre für beide Vereine.

Im SPORT1-Interview spricht Albertz, der seit seinem Karriereende 2008 zusammen mit Ex-Profi Hans-Georg Dreßen eine Fußballschule für Jugendliche in Mönchengladbach betreibt, über die Fortuna und den HSV, seine beiden Lieblingstrainer, den Aufstieg - und er verrät auch die eine oder andere Anekdote. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

SPORT1: Herr Albertz, Fortuna und der HSV hatten in Ihrer Karriere einen großen Platz. Wie kam das?

Jörg Albertz: Ich habe beiden Vereinen sehr viel zu verdanken. Bei Fortuna Düsseldorf bekam ich die Chance überhaupt Fußballprofi zu werden. Ich sollte bei Borussia Mönchengladbach einen Profivertrag unterschreiben, aber ich war noch in der Lehre. Mein Vater wollte, dass ich diese auch beende. Ich wurde also Vertragsamateur und bei der Borussia gab es einen Trainerwechsel. Für Wolf Werner kam Gerd vom Bruch. Und nach der Ausbildung wollte ich meinen ersten Profivertrag unterschreiben. Aber Gerd wollte mich weiter als Vertragsamateur behalten. Für ihn war ich noch nicht bundesligatauglich. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

SPORT1: Und dann hat sich die Fortuna gemeldet?

Albertz: Ganz genau. Der gute alte Aleksandar Ristic rief mich an und sagte: „Junge, kommst du zu mir.“ Früher war das nämlich so, dass du nicht als Vertragsamateur zu einem anderen Klub wechseln konntest, sondern beim neuen Klub gleich Profi wurdest. Das war natürlich eine ganz große Sache für mich, obwohl ich im ersten Jahr nur ein einziges Spiel gemacht habe. Das war Lehrgeld für mich, aber der alte Ristic hat mich auf die Bundesliga vorbereitet. Ich konnte in Düsseldorf extrem viel lernen. Es hat Riesenspaß gemacht, obwohl wir abgestiegen sind.

Freiburg oder HSV?

SPORT1: Und warum sind Sie dem HSV dankbar?

Albertz: In Düsseldorf wurde ich Profi und beim HSV konnte ich zum gestandenen Bundesligaspieler werden. Und ich habe diese Chance genutzt. Ich war nach einem guten Jahr bei der Fortuna in der 2. Liga eigentlich schon mit dem SC Freiburg einig. Mein Berater und ich waren auch schon vor Ort und es war alles super. Aber einen Tag später rief mich der Manager des HSV an und bat um ein Gespräch. Das musste ich machen, denn einen Anruf des HSV zur damaligen Zeit konnte ich nicht ignorieren. Freiburg oder HSV? Da war für mich alles klar. Ich ging nach Hamburg.

SPORT1: Wie hat man in Freiburg reagiert?

Albertz: Nicht so gut. Mein Berater wollte dort nicht absagen. (lacht) Ich habe also Volker Finke (damals Trainer beim SC Freiburg, d. Red.) angerufen, der natürlich nicht erfreut war und mich am Telefon zusammengestaucht hat. Aber ich habe den Schritt nie bereut. Unter dem damaligen HSV-Coach Benno Möhlmann wurde ich sofort Stammspieler. Und so konnte ich das Sprungbrett nutzen ein etablierter Bundesligaspieler zu werden.

SPORT1: Aber warum ist der HSV für Sie immer noch so etwas Besonderes?

Albertz: Ich hatte dort eine wunderschöne Zeit und dann wird man wie in einen Bann gezogen, obwohl auch damals nicht alles toll war. Der HSV ist so ein Verein wie Borussia Mönchengladbach, da gab es auch eine Phase zwischendurch, in der es nicht lief. Doch dort hat man die Ruhe bewahrt, alles vorbereitet und jetzt ist man da, wo man hin wollte. Daran sollte sich der HSV ein Beispiel nehmen. Den gleichen Weg wünsche ich ihnen auch. Der HSV hat irgendetwas an sich. Ich kann es gar nicht erklären, aber eigentlich muss man den Verein gern haben. Die Personen und das Chaos mit ihnen lasse ich mal außen vor. Der Klub ist für mich auch immer der Fan, der dahinter steht.

SPORT1: Wo war es schöner für Sie? In Düsseldorf oder in Hamburg?

Albertz: Beide Orte kann man nicht miteinander vergleichen. Ich bin gebürtig aus Mönchengladbach und habe zu meiner Fortuna-Zeit nie in Düsseldorf gewohnt, sondern immer in Gladbach. Ich möchte beide Stationen nicht miteinander vergleichen. Wie gesagt: In Düsseldorf konnte ich den Grundstein für meine Karriere legen, den ich beim HSV festigen konnte. Ich würde immer wieder nach Hamburg gehen. Ich mag die Leute dort, diese wunderschöne Stadt und die Fans. Ich habe dort auch gewohnt, das war etwas anderes, als wenn ich in Düsseldorf gewohnt hätte.

SPORT1: Wollten Sie nie sesshaft werden in Hamburg?

Albertz: Nach meiner Rückkehr von den Glasgow Rangers hatte ich in Hamburg auch ein Haus gekauft, für mich war damals klar, dass ich da bleibe. Das war mein Lebenswunsch. Hamburg und der HSV werden immer einen hohen Stellenwert für mich haben.

Albertz: „Man hatte auch hohe Ansprüche an mich“

SPORT1: Als Sie zurückkamen, waren Sie der teuerste Einkauf in der Vereinsgeschichte des HSV.

Albertz: Der teuerste Flop, haben einige gesagt. (lacht) Weil es zu meiner zweiten Zeit nicht mehr so gut lief wie in der ersten. Ich wusste, dass man viel Geld für mich bezahlt. Man hatte auch hohe Ansprüche an mich. Ich habe mich aber nicht unter Druck gesetzt gefühlt, habe auch Leistung gebracht. Als Spieler kannst du aber für die Summen, die bezahlt werden nichts. Das war damals so wie heute. Es hat sich aber auch die Waage gehalten, was sie für mich gekriegt haben und was dann wieder für mich bezahlt wurde.

SPORT1: Woran lag es, dass es nicht mehr so gut lief?

Albertz: Ich habe immer alles für den HSV gegeben. Am Anfang meiner zweiten Zeit hatte ich etwas Verletzungspech, bin danach auch nie so richtig fit geworden. Aber belastend war die hohe Ablösesumme nicht für mich. Man hatte einen gewissen Gedanken gehabt mich zurückzuholen. Frank Pagelsdorf brauchte einen Kapitän beziehungsweise Häuptling für die Truppe und damit hat er mich gelockt. In der Zeit mit Nico-Jan Hoogma, Erik Meijer und Sergej Barbarez gab es genug Häuptlinge, die da rum liefen. Aber ich kam bei den Rangers mit Trainer Dick Advocaat nicht mehr klar und da kam das Angebot des HSV gerade recht. Obwohl ich in Schottland die schönste Zeit in meiner Karriere hatte.

SPORT1: Wer gab Ihnen eigentlich den Spitznamen „Hammer Ali“?

Albertz: Der entstand zu meiner Zeit beim HSV. Irgendwann stand das in einer Zeitung. Zu meiner Düsseldorfer Zeit hieß ich in einer Zweitliga-Saison auch mal „Ali Baba und die 40 Punkte“. (lacht)

SPORT1: Sie hatten unter anderem mit Felix Magath und Aleksandar Ristic zwei ähnliche Trainer. Gibt es Anekdoten, die Sie verraten können?

Albertz: Als das Angebot des HSV kam, bin ich zum alten Ristic gegangen und habe ihm ehrlich davon erzählt. Ich wollte seinen Rat haben und das hat er mir hoch angerechnet. Er sagte mit seinem verschmitzten Lächeln nur: „Junge, ich möchte, dass du in Düsseldorf bleibst, aber wenn du die Möglichkeit hast zum HSV zu wechseln, dann musst du das machen“. Er war ja auch beim HSV der Co-Trainer von Ernst Happel. Beim HSV hat mich Benno Möhlmann dann gleich in die Stammelf gesteckt. Das hat er nicht nur wegen meines Namens gemacht. Bei mir stimmte oft die Leistung.

SPORT1: Felix Magath war da schon Co-Trainer.

Albertz: Richtig. Da gab es die junge Garde mit Francisco Copado oder Brazzo Salihamidzic, die in der zweiten Mannschaft spielten. Aber ich habe da auch anfangs öfter mit trainiert, weil ich die Zeit dazu hatte. Da habe ich bei Felix Pluspunkte sammeln können. Als er dann Cheftrainer wurde, war das natürlich ein anderes Training. Aber der Erfolg gab ihm recht. Er hat das auch vorgelebt.

SPORT1: Können Sie sich an eine besondere Situation mit Magath erinnern?

Albertz: Wenn wir im Trainingslager waren und drei Trainingseinheiten am Tag hatten, hat sich Felix danach umgezogen und ist noch alleine losgelaufen. Er hat nie etwas verlangt von einem, was er selber nicht mitgemacht hat. Ristic und Magath waren meine besten Trainer.

SPORT1: Können Sie es nachvollziehen, dass Magath von manchen Leuten so negativ gesehen wird?

Albertz: Nein. Ich konnte immer zu ihm kommen. Er hatte immer ein offenes Ohr für die Spieler, wenn man alles für den Erfolg getan hat. Wir waren topfit. Felix hat der Truppe viel abverlangt, aber so ein harter Hund war Magath nicht. Es war seine erste Station als Cheftrainer, danach hat er auch dazu gelernt.

„Junge, nächste Woche bist du wieder auf der Tribüne“

SPORT1: Welche Anekdote können Sie über Ristic erzählen?

Albertz: In meinem ersten Jahr in Düsseldorf habe ich nur einmal gespielt. Ich hatte meine Tasche beim Abschlusstraining immer gepackt. Ich wusste, dass ich nicht im Kader bin, aber ich war bereit für Tag X. Der kam dann, als wir auswärts bei Hertha BSC spielten. Ristic kam nach dem Training also zu mir und fragte mich: „Junge, hast Du die Tasche gepackt?“ Ich antwortete: „Trainer, meine Tasche ist immer gepackt.“ Ristic sagte nur: „Gut, dann fährst du mit, aber als Spieler Nummer 17.“ Ich sollte einfach mal mitfahren, um den Ablauf kennen zu lernen.

Über Nacht wurde dann Mike Büskens krank und da war ich 16. Ich bin dann in der 2. Halbzeit eingewechselt worden und machte das Siegtor zum 1:0. Am Flughafen in Düsseldorf wollten alle Journalisten mich sprechen. Im Hintergrund sah ich nur Ristic. Er rief mir grinsend zu: „Junge, ganz ruhig, nächste Woche bist du wieder auf der Tribüne.“ Und das war es dann auch. Am nächsten Spieltag gegen die Bayern saß ich wieder auf der Tribüne. Da war ich schon gefrustet.

SPORT1: Gab es sonst eine weitere nette Anekdote?

Albertz: Ja. Eine kann ich noch verraten. Wir hatten mal einen Spieler zum Probetraining und Ristic ließ ihn dann Stollenschuhe anziehen, ging mit ihm in die Dusche und sagte „Halt den Ball hoch“. Der Spieler wunderte sich nur. Ristic erklärte ihm: „Ich muss doch wissen, wie du im Regen spielst.“

SPORT1: Und was hat sich Magath mal erlaubt?

Albertz: Beim Felix konntest du die Uhr danach stellen, dass er abends noch mal auf die Zimmer kam. Um 22.30 Uhr klopfte es und Felix setzte sich auf das Bett und sagte gar nichts. Ich schaute Harald (Harald Spörl, d. Red.) nur an und wusste nicht, was ich machen soll. Fünf Minuten sagte Felix nichts, er grinste nur. Es war schon unangenehm. Plötzlich sagte er: „Was ist denn morgen?“ Ich wusste nicht, wie er das meint. „Wie spielen wir?“, sagte Felix. Und ich meinte nur: „Wir spielen in weiß.“ Und er wollte auch jede Woche die Mannschaftsaufstellung wissen, ob wir das im Training genauso gesehen haben wie er.

SPORT1: Können Sie sich erklären, warum sein Ruf schlechter ist als früher?

Albertz: Keine Ahnung. Immer, wenn er zu einem Verein kam, hatte er Erfolg. Eine Mannschaft macht so ein Training wie von Felix nur solange mit, wie sie auch Erfolg hat. Eine Sache fand ich bei ihm nicht gut, Anfangs setzte er sehr auf junge Spieler und gab ihnen Vertrauen. Doch er wollte immer die ganze Macht. Er war glaube ich auch der erste, der Trainer und Manager in Personalunion war. Felix war dann auch in Vereinen, in denen er die Möglichkeit hatte viel Geld auszugeben. Und das war nicht sinnvoll. Es war nicht gut ihm die ganze Macht zu überlassen. Es war nur ein Jahr unter Felix und ich kann sonst nichts Schlechtes über ihn sagen.

Ristic wollte Albertz nach Uerdingen holen

SPORT1: Haben Sie heute noch Kontakt zu Ristic und Magath?

Albertz: Zu Magath leider nicht. Mit Ristic traf ich mich nach meiner Rückkehr nach Deutschland noch mal, da wollte er mich zu Uerdingen locken. Das war ein sehr angenehmes Treffen. Aber ich wollte Fortuna etwas zurückgeben und bin ein zweites Mal nach Düsseldorf gewechselt.

SPORT1: Kommen wir zum Spiel am Samstag. Können beide Klubs im Aufstiegsrennen eine Rolle spielen? (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

Albertz: Es wird für beide Vereine sehr schwer. Den direkten Wiederaufstieg wollen auch Schalke und Bremen schaffen. Beim HSV stehen drei Siege, fünf Remis und eine Niederlagen zu buche. Von den 14 Punkten haben sie zu Hause sechs geholt und auswärts acht. Das ist für den HSV zu wenig. Zuhause muss es krachen. Auch die Fortuna ist mit nur zwei Punkten daheim alles andere als heimstark. Die Düsseldorfer haben drei Siege, vier Unentschieden und vier Niederlagen gelandet. Der Anspruch für die Bundesliga muss bei beiden Klubs ein anderer sein. Wenngleich es nicht einfach ist in dieser 2. Liga nach oben zu marschieren.

SPORT1: Der HSV versucht es im vierten Ablauf.

Albertz: Leider. Der HSV hat den Aufstieg immer leichtfertig verspielt. Und mit jeder weiteren Saison wird es schwerer. Ich wünsche es dem Verein, glaube aber, dass sie auf lange Sicht Zweitliga-Mittelmaß sind, wenn der Aufstieg auch in dieser Saison verpasst wird. Bei der Fortuna sehe ich es ähnlich. Aber für sie wäre es gar nicht so schlimm, sich erstmal in der 2. Liga zu etablieren und kontinuierlich etwas aufzubauen. Man sollte in Hamburg und in Düsseldorf vernünftig sein. Beim HSV muss auf Dauer Ruhe rein kommen. Bitte nicht jedes Jahr ein neuer Trainer. Es darf nicht sein nach einem Aufstieg gleich wieder abzusteigen.

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