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Aktien New York Ausblick: Erholung vom Crash - Hoffen auf Gegenmaßnahmen

NEW YORK (dpa-AFX) - Die Wall Street steuert am Dienstag nach dem panikartigen Kursrutsch auf eine kräftige Gegenbewegung zu. Nachdem der Dow Jones Industrial <US2605661048> am Vortag um fast 8 Prozent eingebrochen war, dürfte er nun einen Teil der Verluste wieder aufholen. Der Broker IG taxierte das Kursbarometer der Wall Street eine dreiviertel Stunde vor dem Auftakt 3,3 Prozent höher auf 24 646 Punkte. Tags zuvor war er unter 24 000 Punkten auf das tiefste Niveau seit Anfang 2019 gefallen.

In den vergangenen zwei Wochen hat der Dow im Zuge der Coronavirus-Krise

bis zum Vortag schon fast 18 Prozent verloren, belastet vor allem von den drohenden Folgen für die Weltwirtschaft. Nun aber zeichnen sich neue Gegenmaßnahmen der Regierungen ab, darunter ebensolche in den USA, die den Anlegern am Dienstag wieder Hoffnung machen, dass die Auswirkungen der Epidemie noch gemildert werden können.

US-Präsident Donald Trump stellte nach Börsenschluss bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt ein Maßnahmenpaket in Aussicht. Er kündigte an, dass die Regierung mit dem Kongress unter anderem über Lohnsteuererleichterungen sowie über Kredite für Kleinunternehmen reden werde. Am Dienstag ist eine Pressekonferenz angesetzt, um nach diesen Gesprächen ausführlich über die weiteren geplanten wirtschaftlichen Schritte zu sprechen.

"Es gibt zwar noch nichts Offizielles, aber die verbale Intention hat den Märkten ohne Zweifel geholfen", sagte Marktbeobachter Stephen Innes vom Broker Axicorp. Zuvor hatten sich deshalb auch die Börsen auf anderen Kontinenten teilweise deutlich vom Kurseinbruch vom Vortag erholt. In Europa ließ der Rückenwind aber bereits wieder etwas nach. Nach in der Spitze 4 Prozent erholte sich der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx zuletzt noch um 2,4 Prozent.

Teil der Vorhaben von Trump sollen auch Gespräche mit Fluggesellschaften, Kreuzfahrtveranstaltern und der Hotelindustrie sein, die von der aktuellen Krise durch das Virus mit schlagartig sinkender Reiseaktivität besonders stark betroffen sind. Aktien der Reedereien Carnival Corp <PA1436583006> und Royal Caribbean <LR0008862868> zum Beispiel rückten vorbörslich um bis zu 8 Prozent vor.

Für Fluglinien wie American <US02376R1023> oder United <US9100471096> ging es vorbörslich um 4,6 und 5,8 Prozent nach oben - ungeachtet dessen, dass der Wettbewerber Delta <US2473617023> am Dienstag eine Kapazitätsreduzierung um 15 Prozent mitteilte und seine Prognosen für das erste Quartal und das Gesamtjahr zurückzog. Die Delta-Papiere erholten sich dessen ungeachtet aber auch um 2,5 Prozent.

Auch an den Ölmärkten, die am Vortag zum Börsencrash beigetragen hatten, kam es am Dienstag zu einer Beruhigung. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI konterte den Crash am Vortag mit einem Anstieg um immerhin 8 Prozent. Dies sorgte bei den US-Ölaktien für Erholung, die beiden Dow-Werte ExxonMobil <US30231G1022> und Chevron <US1667641005> rückten vorbörslich um bis zu 8 Prozent vor. Für die Aktien der Branchendienstleister Halliburton <US4062161017> und Schlumberger <AN8068571086> zeichnet sich mit bis zu 18 Prozent noch mehr Gegenschwung ab.

Abseits des Coronavirus gibt es große Erleichterung unter den Aktionären von Cypress Semiconductor <US2328061096>, weil die geplante Übernahme durch Infineon <DE0006231004> über die Bühne gehen darf. Die US-Behörde Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) genehmigte die Transaktion - entgegen der zuletzt aufgekommenen Zweifel. Nach wie vor offen bleibt zwar die Freigabe durch die chinesischen Behörden, die Aktie katapultierte dies aber vorbörslich um fast die Hälfte nach oben.

Einen Blick wert sein dürften außerdem noch die Papiere des Kosmetikherstellers Coty <US2220702037>, die vorbörslich aber nicht gehandelt wurden. Im Verkaufsprozess um die Haarpflegemarke Wella sollen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg der deutsche Konsumgüterkonzern Henkel <DE0006048432> sowie der Finanzinvestor KKR noch im Rennen sein, die Finanzinvestoren Advent und Cinven jedoch nicht.

Kräftige Kursgewinne zeichnen sich derweil noch im Logistiksektor ab, wo die Aktien der Paketdienste Fedex <US31428X1063> und United Parcel Service (UPS) <US9113121068> vorbörslich um bis zu 3,8 Prozent stiegen. Als Rückenwind wurde hier eine fast 6-prozentige Kursrally in Europa beim Konkurrenten Deutsche Post <DE0005552004> angesehen. Als Treiber galt dort neben der Erholung des Gesamtmarktes eine überraschend hohe Dividende.