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Aktien Frankfurt: Wirecard-Kurssturz überschattet alles - Dax gibt etwas nach

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kurssturz der Wirecard-Aktien <DE0007472060> hat am Donnerstag am deutschen Aktienmarkt alles in den Schatten gestellt. Die Papiere des im Dax <DE0008469008> notierten Zahlungsabwicklers verloren zeitweise zwei Drittel ihres Börsenwerts nach Hinweisen auf unrichtige Saldenbestätigungen, die zu einer nochmaligen Bilanzverschiebung führen.

Insgesamt hielt sich im Dax die Kauflaune nach dem guten Lauf der vergangenen beiden Tage in Grenzen. Auch nach dem Wirecard-Kurssturz notierte der Leitindex kaum verändert, gegen Mittag rutschte er dann etwas ab und verlor 0,41 Prozent auf 12 331,77 Punkte.

Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen deutschen Börsenwerte rückte hingegen um 0,35 Prozent vor auf 26 296,52 Punkte. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> verlor 0,2 Prozent. Eine mögliche zweite Coronavirus-Welle beschäftigt die Anleger weiterhin. Am Nachmittag stehen unter anderem mit den wöchentlichen Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe Neuigkeiten zu dem zuletzt stark unter der Krise leidenden US-Arbeitsmarkt an.

Und auch der Hexensabbat am Freitag wirft seinen Schatten bereits voraus: Beim großen Verfall an den Derivatebörsen laufen dann Terminkontrakte und Optionen aus, was nicht selten zu Kursausschlägen führt. Laut der Landesbank Helaba bewegt sich die Mehrzahl der offenen Positionen um die 12 000 Punkte. Insofern könne nicht ausgeschlossen werden, dass Marktakteure versuchten, den Dax in diese Richtung zu drücken.

Wirecard kann wegen milliardenschwerer Unklarheiten in der Bilanz seinen Jahresabschluss erneut nicht vorlegen. Sollte der Konzern einen testierten Abschluss bis Freitag, 19. Juni, nicht präsentieren, könnten Kredite in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, warnte das Unternehmen. Anleger zogen daraufhin die Reißleine. Die Aktien brachen teils um bis zu 66 Prozent ein, zuletzt noch um gut die Hälfte.

Aktienindex-Experten zufolge könnte nun Wirecard im September aus dem Dax fliegen. Als mögliche Nachfolger wurden der Aromenhersteller Symrise <DE000SYM9999> und der Essenslieferant Delivery Hero <DE000A2E4K43> genannt, deren Aktien um 1,6 beziehungsweise 1,9 Prozent zulegten.

Abseits von Wirecard gab es am Donnerstag auch Erfreuliches für die Anleger. So rechnet der Internet-Modehändler Zalando <DE000ZAL1111> mitten in der Corona-Krise mit deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und operativem Gewinn. Zalando habe sehr starke Wachstumsindikationen für das zweite Quartal gegeben und könnte möglicherweise seine Jahresziele anheben, schrieb Analyst Volker Bosse von der Baader Bank in einer aktuellen Studie. Zalando gewannen fünfeinhalb Prozent und nahmen damit ihr Rekordhoch ins Visier.

Auch die Aktien des IT-Systemanbieters Cancom <DE0005419105> bewegten sich nach Zahlen für das erste Quartal und bestätigter Prognose für 2020 in Richtung ihres Rekordhochs mit einem Plus von 1,8 Prozent./ajx/fba

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---