Deutsche Märkte öffnen in 2 Stunden 30 Minuten

Aktien Frankfurt: EU-Einigung treibt Dax über 13300 Punkte

·Lesedauer: 3 Min.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat seinen Corona-Einbruch dank des Konjunkturoptimismus der Anleger inzwischen fast vollständig überwunden. Am Dienstag übersprang der deutsche Leitindex erstmals seit Februar wieder die Marke von 13 300 Punkten. Unterstützung kam durch die Einigung der EU auf das größte Haushalts- und Finanzpaket ihrer Geschichte. Bis zur Mittagszeit stieg das Börsenbarometer um 2,03 Prozent auf 13 311,28 Punkte.

"Der Dax feiert die Ergebnisse des EU-Gipfels und die Marktteilnehmer schieben alle Bedenken beiseite", kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank die Entwicklung. "Bargeld und liquide Mittel müssen nun angelegt werden und somit dürfte es zu weiteren Kurssteigerungen bei Aktien, Anleihen und Edelmetallen kommen."

Auch MDax legt zu

Der Index der mittelgroßen Werte MDax legte um 1,35 Prozent auf 27 485,01 Zähler zu. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 rückte zugleich um 1,7 Prozent vor.

Nach mehr als viertägigen Verhandlungen nahmen die 27 EU-Mitgliedstaaten den Kompromiss im Kampf gegen die Corona-Wirtschaftskrise am frühen Dienstagmorgen an. Das Paket über 1,8 Billionen Euro umfasst mehr als eine Billion Euro für den nächsten siebenjährigen Haushaltsrahmen und 750 Milliarden Euro für ein Konjunktur- und Investitionsprogramm gegen die Folgen der Pandemiekrise.

Technologie sorgt für gute Stimmung

Einen weiteren Grund für gute Laune haben Anleger, da die Technologiewerte an der US-Börse Nasdaq rechtzeitig vor den Quartalsberichten der Schwergewichte wieder im Rallymodus sind. Der Auswahlindex Nasdaq 100 befindet sich nach einem zwischenzeitlichen Rückschlag wieder auf Kurs in Richtung seines in der vergangenen Woche erreichten Rekordhochs. Das trieb auch hierzulande Tech-Werte an. Infineon etwa legten im Dax um 2,3 Prozent zu und erreichten ein neues Zweijahreshoch.

Die Aktien von Bayer stiegen um marktkonforme 1,9 Prozent. Im Berufungsverfahren zum Urteil im ersten US-Prozess um angeblich krebserregende glyphosathaltige Unkrautvernichter wurde die Strafe für den Konzern drastisch reduziert. Allerdings wurde der Schuldspruch nicht wie von Bayer gefordert aufgehoben.

Die Anteilsscheine von Continental zogen nach Zahlen um 4,0 Prozent an, womit sie zu den Dax-Spitzenwerten zählten. Der Autozulieferer und Reifenhersteller hatte am Vorabend mit seinem vorläufigen Bericht zum zweiten Quartal überrascht. Der Umsatz war abgesackt und ein Verlust eingefahren worden, doch Händler und Analysten hatten überwiegend noch Schlimmeres befürchtet. Wegen der Unsicherheiten rund um Corona blieb Conti aber weiterhin einen Ausblick auf das Gesamtjahr schuldig, was moniert wurde.

Im SDax indes drehten die Papiere von Zeal Network nach angehobenen Jahreszielen zuletzt in die Verlustzone und gaben um 0,1 Prozent nach. Die Aktien des Lottounternehmens Zeal, zu dem etwa die Anbieter Lotto24.de und Tipp24.com gehören, haben sich allerdings bereits wieder vollständig von ihrem Tief im Corona-Börsencrash erholt. Die DWS-Aktien, von der Commerzbank frisch zum Kauf empfohlen, legten um 3,4 Prozent zu und erreichten ein neues Hoch seit Ende Februar.

Die vorgelegten Eckzahlen des Gasfeder- und Dämpfer-Spezialisten Stabilus für das dritte Geschäftsquartal indes sorgten für einen Kursabsacker. Mit minus 1,2 Prozent zählten die Anteilsscheine zu den schwächsten im 70 Unternehmen umfassenden Nebenwerte-Index. Am Markt wurde als Grund auf überraschende Wertberichtigungen verwiesen./ck/mis

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX --