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Aktien Frankfurt: Dax tut sich schwer - Wirecard, Lufthansa und Bayer im Fokus

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax <DE0008469008> ist am Donnerstag angesichts der bestehenden Gefahren durch mögliche US-Strafzölle und einer neuen Corona-Welle kaum vorangekommen. Die Schlagzeilen beherrschten allerdings Einzelwerte wie Wirecard <DE0007472060>, Bayer <DE000BAY0017> sowie die inzwischen im MDax notierte Lufthansa <DE0008232125>.

Anleger agierten nervös. Der deutsche Leitindex gab am Nachmittag seine Gewinne wieder vollständig ab und notierte mit minus 0,10 Prozent auf 12 081,82 Punkten. In der Spitze war der Dax zuvor über 12 200 Punkte gestiegen. "Da die US-Börsen schwach eröffnen dürften, könnte es insgesamt zu einer ausgedehnten Konsolidierung am amerikanischen Aktienmarkt kommen, die nicht spurlos am Dax vorbeigehen wird", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank.

Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Börsenwerte legte am Donnerstagnachmittag um 0,74 Prozent auf 25 711,59 Punkte zu. Hier beeinflussten auch die hohen Kursgewinne der Lufthansa. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> sank um 0,2 Prozent.

Wirecard stellte nun Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Die Papiere des im Bilanzskandal feststeckenden Zahlungsabwicklers waren zeitweise vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme sackten sie bis auf 2,50 Euro ab und verloren damit seit der abermaligen Verschiebung der 2019er-Bilanz in der Vorwoche und dem Eingeständnis mutmaßlicher Luftbuchungen in Milliardenhöhe fast 98 Prozent. Am Nachmittag belief sich das Tagesminus auf 72 Prozent bei einem Kurs von 3,45 Euro.

Wirecard wird aber wohl auch nach dem Insolvenzantrag vor September, wenn die reguläre Indexüberprüfung durch die Deutsche Börse stattfindet, nicht aus dem Dax fliegen. Nur im Falle einer Abwicklung oder falls der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse abgewiesen wird, muss ein Unternehmen laut den Regeln der Deutschen Börse aus einem Auswahlindex "umgehend" herausgenommen werden.

"Der Fall Wirecard hat der Aktienkultur in Deutschland einen echten Bärendienst erwiesen", merkte Experte Lipkow kritisch an. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und die deutschen Aufsichtsbehörden hätten auf ganzer Linie versagt.

Als Wirecard-Nachfolger im Dax im September gelten der Online-Essenslieferant Delivery Hero <DE000A2E4K43> und der Aromen- und Duftstoffhersteller Symrise <DE000SYM9999>. Beide Aktien erreichten Rekordwerte und gewannen am Nachmittag jeweils annähernd vier Prozent.

Bei der Lufthansa läuft inzwischen die außerordentliche Hauptversammlung, auf der die Aktionäre darüber entscheiden, ob sie den Staat als Anteilseigner einsteigen lassen wollen oder nicht. Damit fest verbunden ist das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket, das in den Wochen zuvor zwischen Frankfurt, Berlin und Brüssel ausgehandelt worden ist. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben das Rettungspaket der Bundesregierung inzwischen genehmigt.

Auch Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der sich zuvor lange gegen den Einstieg des Staates zu den Bedingungen stark gemacht hatte, signalisierte mittlerweile Zustimmung zum Rettungspaket. Damit könnte eine Insolvenz der Fluggesellschaft noch vermieden werden. Anleger waren erleichtert. Die Lufthansa-Papiere gewannen zuletzt mehr als zehn Prozent.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer gab am Vorabend milliardenschwere Vergleiche zu den rechtlichen Problemen in den USA bekannt. Dabei geht es vor allem um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat. Bei Analysten kamen die jüngsten Nachrichten gut an. Michael Leuchten von der UBS sieht Bayer-Aktien nun wieder als investierbare Anlage. Die Bayer-Titel drehten jedoch bereits am Vormittag ins Minus und standen am Nachmittag zweieinhalb Prozent tiefer. "Sell on good news", hieß es aus dem Markt dazu. Anleger nutzten die guten Nachrichten zum Verkauf nach dem Kurszuwachs der zurückliegenden Wochen.

Besser als erwartet ausgefallene Quartalszahlen des US-amerikanischen Klebstoffherstellers H.B. Fuller <US3596941068> wirkten positiv auf die Papiere von Henkel <DE0006048432>. Die im Dax notierten Vorzüge gewannen an der Index-Spitze zweieinhalb Prozent. Henkel stellt ebenfalls Klebstoffe her. Das Geschäft stand zuletzt unter Druck.

Der Euro <EU0009652759> gab etwas nach. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1205 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1280 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,43 Prozent am Vortag auf minus 0,47 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> stieg um 0,16 Prozent auf 145,14 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> gewann 0,31 Prozent auf 176,64 Punkte./ajx/fba

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---