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Aktien Frankfurt Ausblick: Im Plus - Konjunkturhoffnung verdrängt Virus-Angst

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt dürfte es am Freitag zunächst weiter nach oben gehen. Der X-Dax <DE0008469008> als Indikator für den deutschen Leitindex deutete gut eine Stunde vor Handelsstart einen Zuwachs von 1,17 Prozent auf 12 320 Punkte an. Auf Wochensicht liegt der Dax damit nur leicht im Minus. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> wird am Freitag 1,1 Prozent höher erwartet.

Der Markt ist nach Einschätzung von Experten hin- und hergerissen zwischen wieder gestiegenen Corona-Sorgen und Konjunkturdaten, die zumindest auf eine moderate Erholung der Wirtschaft hindeuten. Mit Blick auf den Sommer sei das Umfeld für die Finanzmärkte herausfordernd, urteilten die Experten der Credit Suisse. Aktien blieben zunächst attraktiv, doch schade eine gewisse Vorsicht nicht.

Vor allem die Entwicklung in den Vereinigten Staaten und die dort wieder zum Teil stark steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen bereitet vielen Investoren Kummer. Da die Luft an den Aktienmärkte nach einer der kräftigsten Rallys in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg dünn geworden ist, sind viele Anleger vorsichtiger geworden.

Mit dem aktuellen Niveau liegt der Dax fast 50 Prozent über dem Corona-Crash-Tief im März. Zudem fehlen bis zum Rekordhoch von 13 795 Punkten, das der deutsche Leitindex kurz vor dem Ausbruch der Corona-Krise Mitte Februar erreicht hatte, nur knapp zwölf Prozent. Das halten viele Experten angesichts der größten Wirtschaftskrise in der Nachkriegsgeschichte und den weiter bestehenden Risiken für überzogen.

Auch stößt der Dax bei dem Weg nach oben derzeit an charttechnische Widerstände. Sollte der Dax diese durchbrechen, könnte er sich wieder dem bisherigen, vor knapp drei Wochen erreichten Zwischenhoch der jüngsten Erholungsrally von 12 913 Zähler nähern.

Bei den Einzelwerten dürfte am Freitag einmal mehr die Wirecard <DE0007472060>-Aktie nach dem Absturz der vergangenen sechs Handelstage um knapp 97 Prozent im Mittelpunkt stehen. Der in einen Bilanzskandal verwickelte Zahlungsabwickler stellte am Donnerstagabend Antrag auf Insolvenz, nachdem er dies am Vormittag angekündigt hatte. Auf Tradegate rauschten die Titel vorbörslich um weitere 18 Prozent zum Xetra-Schluss nach unten.

Bei der Lufthansa <DE0008232125> ging die am Vortag gestartete Erleichterungsrally weiter, nachdem am Vorabend nach Börsenschluss die Aktionäre des MDax <DE0008467416>-Konzerns einer 20-prozentigen Kapitalbeteiligung der Bundesrepublik mit einer Mehrheit von 98 Prozent zugestimmt hatten. Auf der Handelsplattform Tradegate gewannen Lufthansa fünf Prozent zum Xetra-Schluss. Die Nachricht über die Zustimmung sei gut, da sie Unsicherheit herausnehme und einer Erholung den Weg bereite, schrieb Analyst Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research.

Adidas <DE000A1EWWW0> stehen im Blick nach Quartalszahlen von Nike <US6541061031> und gaben vorbörslich auf Tradegate leicht nach. Die Corona-Pandemie riss den US-Rivalen tief in die roten Zahlen.

Die Deutsche Bank <DE0005140008> ist das zweite Jahr in Folge ohne Probleme durch den Stresstest der US-Notenbank Fed gekommen. Allerdings erteilten die Finanzaufseher den größten Geldhäusern im Land angesichts der Corona-Krise strikte Auflagen zur Schonung der Kapitalausstattung. Deutsche Bank rückten vorbörslich auf Tradegate um 0,8 Prozent vor.