Deutsche Märkte schließen in 3 Stunden 52 Minuten

Aktien Frankfurt: Anleger werden nach Rally vorsichtiger

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die jüngste Rally des Dax <DE0008469008> ist den Anlegern offenbar doch etwas zu weit gegangen. Am Dienstag wurden sie vorsichtiger, der Dax verlor am Nachmittag 1,51 Prozent auf 12 625,98 Punkte und schwenkte erst einmal auf einen Konsolidierungskurs. Die 13 000-Punkte-Marke rückte damit wieder etwas in die Ferne.

In den vergangenen elf Handelstagen war der Leitindex ohne größeren Stopp um teils gut 19 Prozent bis auf 12 913 Zähler geklettert, getragen vom Optimismus wegen der Lockerungsmaßnahmen aus der Corona-Krise und zahlreichen Hilfsprogrammen von Notenbanken und Regierungen.

Der Glaube der Anleger an die Zentralbanken und an Konjunktur-Stimuli sei der Treibstoff gewesen für die jüngste Rally an den Börsen, sagte Stratege Elia Lattuga von der Unicredit. Aktien erschienen nun aber hoch bewertet, weshalb die Kurse anfälliger seien für negative Nachrichten etwa hinsichtlich einer ungewissen Wirtschaftserholung und geopolitischer Spannungen. Eine länger dauernde Schwäche bei riskanteren Anlagen wie Aktien erwartet Lattuga jedoch nicht.

Der MDax <DE0008467416> gab am Dienstag um 1,49 Prozent auf 26 587,64 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> sank um 1,2 Prozent.

Europaweit geriet der zuletzt stark erholte Bankensektor <EU0009658806> unter Druck mit einem Abschlag von fast drei Prozent. Im Dax waren Deutsche Bank <DE0005140008> mit einem Minus von fast vier Prozent weit hinten.

Lufthansa <DE0008232125> schwankten zwischen Gewinn und Verlust und waren am Nachmittag mit plus 0,3 Prozent wieder weit oben im Dax. Seit ihrem Krisentief Ende April haben sie 69 Prozent aufgeholt. Am Dax-Abstieg zum 22. Juni ändert dies aber nichts mehr. Die Lufthansa-Tochter Eurowings spürt nun nach dem Tief in der Corona-Krise eine "sprunghaft" anziehende Nachfrage und fährt ihr Angebot weiter hoch.

SAP <DE0007164600> setzten an der Dax-Spitze mit plus 1,1 Prozent ein Zeichen im europäischen Techsektor, der am Dienstag mit plus 0,2 Prozent unter den besten im europäischen Branchentableau war. Am Vortag hatten bereits die Indizes an der Technologiebörse Nasdaq in New York weitere Rekorde verzeichnet. Seit ihrem Krisentief von Mitte März haben sich die Titel von Europas größtem Softwarekonzern um 52 Prozent verteuert.

Bei gedämpfter Euphorie am Gesamtmarkt standen nach zwischenzeitlich deutlichen Kurskorrekturen im Zuge der Lockerungen in der Corona-Krise auch die Krisengewinner wieder in der Gunst der Anleger oben. Die Aktien des Kochboxenversenders Hellofresh <DE000A161408> und der Shop Apotheke <NL0012044747> legten dabei besonders deutlich zu.

Der Euro <EU0009652759> kostete am Nachmittag 1,1296 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montagnachmittag auf 1,1285 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,28 Prozent am Vortag auf minus 0,33 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> stieg um 0,21 Prozent auf 144,09 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> gewann 0,07 Prozent auf 173,66 Punkte./ajx/jha/

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---