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AKTIEN IM FOKUS: Stressfaktoren für Banken steigen - Rekordtief bei Commerzbank

FRANKFURT/NEW YORK (dpa-AFX) - In Zeiten der Coronavirus-Krise, trüber Konjunkturaussichten und rekordtiefer Zinsen haben Kredithäuser einen schweren Stand. Der europäische Stoxx-600-Sektor für die Banken <EU0009658806> verlor am Freitag abermals deutlich. Seit Mitte Februar hat er bereits mehr als ein Fünftel eingebüßt und bewegt sich auf dem tiefsten Niveau seit der Finanzkrise 2009. Die Aktien der Commerzbank <DE000CBK1001> und Deutschen Bank <DE0005140008> rauschten in den vergangenen Handelstagen so stark ab wie kaum ein anderes Papier.

Die Aussicht auf eine erneute Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbanken mit noch tieferen Zinsen vergrößert die Sorgen der Institute. Schon jetzt müssen sie für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Negativzinsen zahlen. Marktbeobachter fürchten, dass die EZB noch weiter an dieser Schraube drehen wird. Tiefe Zinsen schmälern die Einnahmen der Banken, Zinserträge etwa aus Kredit- und Geldmarktgeschäften fallen weniger üppig aus. In Zeiten einer Konjunkturabkühlung oder gar Rezession werden zudem Kredite weniger stark nachgefragt.

Erst in dieser Woche hat die US-Notenbank Fed in einer außerplanmäßigen Aktion den Leitzins überraschend gesenkt. Anleger schauen nun auf die EZB, die in der kommenden Woche ihre Leitzinsentscheidung bekanntgeben wird.

Die Kurse deutscher Bundesanleihen legten an diesem Freitag im frühen Handel weiter zu und setzten damit ihren Höhenflug dank der hartnäckigen Schwäche der Aktienmärkte und der Verunsicherung durch die Corona-Epidemie fort. Der März-Terminkontrakt des Euro-Bund-Future <DE0009652644> rückte zuletzt mit 179,25 Punkten an sein bisheriges Rekordhoch bei 179,67 Punkten heran. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf minus 0,71 Prozent.

In den USA fiel die Rendite der zehnjährigen Papiere auf ein Rekordtief unter 0,8 Prozent. Die im US-Aktienindex Dow Jones Industrial <US2605661048> notierten Banken Goldman Sachs <US38141G1040> und JPMorgan <US46625H1005> hatten am Vortag in einem sehr schwachen Gesamtmarkt kräftig Federn gelassen.

Bei den Aktien der deutschen Banken kommen hausgemachte Probleme hinzu. Zwar vermeldete die Deutsche Bank nach fünf herben Verlustjahren in Folge Ende Januar wieder Rückenwind. Doch der im vergangenen Sommer verkündete Radikalumbau des Geldhauses unter Vorstandschef Christian Sewing zieht sich noch bis Ende 2022 hin. Bis Mitte Februar hatte sich der Aktienkurs im Vergleich zum Jahreswechsel um rund 50 Prozent auf 10,37 Euro erholt und das höchste Niveau seit September 2018 erreicht.

Im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus ging es aber wieder deutlich bergab. Inzwischen haben die Deutsche-Bank-Papiere ihren kompletten Kursgewinn im noch jungen Jahr 2020 eingebüßt. An diesem Freitag verloren sie zuletzt als schwächster Dax-Wert <DE0008469008> mehr als 5 Prozent - seitdem Coronavirus bedingten Absturz der Märkte sank der Börsenwert um fast ein Drittel auf 14 Milliarden Euro. Mehr hat seit dem 21. Februar kein Dax-Titel verloren.

Bei der Commerzbank sieht es noch schlechter aus. Die Anteile sackten vor dem Wochenende um bis zu 7,41 Prozent auf 4,2895 Euro auf ein weiteres Rekordtief. Zuletzt verloren sie im MDax <DE0008467416> gut 7 Prozent - über die vergangenen zehn Handelstagen summiert sich das Minus auf fast 34 Prozent. An der Börse ist die Bank damit gerade mal noch etwas mehr als fünf Milliarden Euro wert.

Das könnte die Bankspitze weiter unter Zugzwang bringen. Nachdem Vorstandschef Martin Zielke erst im Herbst ein umfangreiches Sparprogramm samt Stellenabbau bekannt gegeben hatte, feilt er bereits an weiteren Einsparpotenzialen.

Neben den Sorgen um eine weitere Zinssenkung durch die EZB könnte eine Wirtschaftskrise bei Banken auch für größere Kreditausfälle sorgen. So haben die Immobilienfinanzierer Aareal Bank <DE0005408116> und Deutsche Pfandbriefbank <DE0008019001> schon 2019 ihre Risikovorsorge für faule Kredite erhöht.

Die Aareal Bank stieß sogar wacklige Darlehen für Gebäude in Italien an Abwicklungsspezialisten los, um die Risiken aus der Bilanz zu bekommen. Und die Deutsche Pfandbriefbank reagiert darauf, dass eine verschärfte Epidemie die Menschen vom Reisen und ausgiebigen Shoppingtouren abhalten dürfte. Vorstandschef Andreas Arndt will sich bei der Vergabe von Krediten für Hotels und Einkaufszentren erst einmal zurückhalten.