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Aktien Europa: Virusängste drücken EuroStoxx auf Tief seit Februar 2019

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Nach einem Aufbäumen zu Wochenbeginn haben die Virusängste die Märkte wieder mit voller Wucht im Griff. Solange die Ausbreitung nicht erfolgreich unterbunden wird, bleibe die Verunsicherung unter Anlegern hoch, hieß es am Markt. In der Folge sackte der EuroStoxx 50 <EU0009658145> gegen Mittag um 4 Prozent auf 3228,28 Punkte ab. Er fiel damit auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Der Leitindex der Eurozone war schon am Vortag um 1,7 Prozent gefallen. In der Summe hat er in der laufenden Woche fast 2,7 Prozent verloren, auch wenn bis Mittwoch noch drei Gewinntage zu Buche standen. Der Kursrutsch erstreckte sich am Freitag auf alle wichtigen Länderbörsen: In Paris rutschte der Cac 40 <FR0003500008> um 4,1 Prozent auf 5139,62 Zähler ab, während der Londoner FTSE 100 <GB0001383545> um 3,2 Prozent auf 6493,73 Punkte fiel.

Laut Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker Axitrader konnten die vor einigen Tagen noch als Stütze angesehenen Maßnahmen von Notenbanken und Regierungen den Markt nicht nachhaltig entlasten. Billiges Geld und Hilfspakete linderten nur die Symptome aber nicht die Ursache, gab der Experte zu bedenken. Sowohl humanitär als auch wirtschaftlich seien die wirklichen Folgen nach wie vor nicht absehbar.

In Deutschland ist die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus über die Marke von 500 gestiegen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass in der Region Stockholm mehrere Schulen vorübergehend geschlossen bleiben. Selbiges gilt in ganz Italien bereits bis Mitte März. Das Land ist jenes in Europa mit den meisten bestätigten Infektionen. Die Zahl der Virusopfer ist dort mittlerweile auf knapp 150 gestiegen.

Der Ausverkauf erstreckte sich am Freitag auf alle Branchen, selbst die mit vermeintlich defensivem Charakter konnten dem Abwärtsdruck keineswegs entkommen. Telekomwerte <EU0009658947> waren mit einem Abschlag von 2,5 Prozent der Sektor mit den noch kleinsten Abschlägen. Sehr viel deutlicher ging es in den konjunktursensitiven Sektoren nach unten.

Vom Virus gezeichnet bleiben vor allem die Reisewerte, deren Teilindex um 5,3 Prozent abrutschte auf ein Tief seit 2014. Aktien von Reisekonzernen, Kreuzfahrtanbietern, Fluggesellschaften, Flughafenbetreibern und Freizeitangeboten kamen allesamt wieder mächtig unter Druck. Tui <DE000TUAG000> und IAG <ES0177542018> waren im Londoner FTSE 100 mit Abschlägen bis zu 6 Prozent ganz hinten zu finden.

Stark zu spüren bekommt die Flaute in der Flugbranche - mit reihenweise gestrichenen Flügen - auch der Flugzeugbauer Airbus <NL0000235190>, dessen Aktien am Freitag um 6,5 Prozent in den Keller gingen. Nach einem starken Januar kamen im Februar keine Flugzeugbestellungen mehr herein, wie der Konzern mitteilte. Der Druck erstreckte sich auch auf die Zulieferindustrie mit Abgaben von 5,8 Prozent bei Safran <FR0000073272>.

Die Folgen des Virus zeigen sich auch beim Brillenkonzern EssilorLuxottica <FR0000121667>, der sich für das erste Halbjahr auf ein gebremstes Umsatzwachstum einstellt. Auch wenn die vorgelegten Zahlen bei Experten auf positives Feedback stießen, hatte der eingetrübte Ausblick einen Kursverlust von 3,3 Prozent zur Folge.

Düster zu ging es außerdem weiter bei Auto- und Finanzaktien. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Autos <EU0009658681> sackte um 3,9 Prozent ab auf das tiefste Niveau seit 2013. Jener der Bankenwerte <EU0009658806> büßte 4,3 Prozent ein und bewegt sich neuerdings auf dem tiefsten Niveau seit der Finanzkrise 2009. Auch hier hieß es, erhöhe sich durch den Virus der Stressfaktor.