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AKTIE IM FOKUS: Uniper mit Rekordtief - Angst vor teurer Stabiliserungslösung

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei Uniper <DE000UNSE018> haben am Mittwoch viele Aktionäre aus Furcht vor einer noch größeren Anteilsverwässerung im Zuge des Einstiegs des Staates bei dem angeschlagenen Konzern die Reißleine gezogen. Die Papiere brachen bis zum Mittag um rund ein Fünftel auf ein Rekordtief von 3,88 Euro ein. Die Anteilsscheine des im Zuge der Gaskrise schwer angeschlagenen Energiekonzerns weiteten ihren Wertverlust im laufenden Jahr damit nach dem jüngsten Erholungsversuch wieder auf rund 90 Prozent aus.

Am Morgen hatten Uniper-Aktien kurzzeitig noch positiv auf die aus informierten Kreisen durchgesickerte Meldung reagiert, dass auf der Suche nach einer langfristigen Stabilisierungslösung auch eine Verstaatlichung des Konzerns geprüft wird. Aktuell überbrückt Uniper, die mehrheitlich zum finnischen Fortum-Konzern <FI0009007132> gehören, den Liquiditätsbedarf mit einer KfW-Kreditlinie.

Börsianern zufolge setzte sich nach der ersten Erleichterung aber schnell die Erkenntnis durch, dass die Problemlösung für die Altaktionäre noch weitaus teuer als bisher werden dürfte.

Am Mittag signalisierte Uniper dann, dass die Gespräche mit der deutschen Bundesregierung und Fortum vorankommen. Die Zeit drängt, denn seit der Unterzeichnung des Stabilisierungspakts im Juli hat sich die Gaskrise nochmals verschärft, und die finanziellen Verluste aufgrund der höheren Gasbeschaffungskosten sind deutlich gestiegen.

Laut Uniper steht daher unter anderem auch eine Kapitalerhöhung im Raum, die zu einer signifikanten Mehrheitsbeteiligung des Bundes an Uniper führen würde. Den bisherigen Aktionären droht damit eine noch größere Verwässerung ihrer Anteile.

Erst im Juli hatten sich die Bundesregierung und der angeschlagene Energiekonzern sowie dessen finnische Mutter Fortum <FI0009007132> auf ein milliardenschweres Rettungspaket geeinigt, das auch den Einstieg des Bundes vorsieht. Fortum hält bisher gut drei Viertel der Uniper-Anteile.