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AKTIE IM FOKUS: RWE brechen im tiefroten Gesamtmarkt ein - Ausblick enttäuscht

FRANKFURT (dpa-AFX) - Enttäuschende Aussagen von RWE zum Jahr 2020 und darüber hinaus haben im bereits tiefroten und hochnervösen Gesamtmarkt die Anleger am Donnerstag zusätzlich verschreckt. Die Aktien sackten zeitweise bis auf 23,91 Euro ab und damit auf den tiefsten Stand seit Sommer 2019.

Bis zum Mittag erholten sie sich zwar ein Stück weit, büßten jedoch immer noch 7,8 Prozent auf 25,59 Euro ein, während der Dax knapp 6 Prozent verlor. Im vergangenen Jahr waren die RWE-Papiere nach Jahren der Schwäche und eines dann folgenden zappeligen Auf und Abs durchgestartet: Mit einem Plus von etwas mehr als 44 Prozent waren sie 2019 nach MTU <DE000A0D9PT0> und Adidas <DE000A1EWWW0> am drittstärksten im Dax gewesen und hatten ihren Wert im neuen Jahr dann sogar nochmals um ein Viertel gesteigert.

Analysten sprachen mit Blick auf den aktuellen Geschäftsbericht zwar von starken Ergebniszahlen 2019, kritisierten aber unter anderem die Dividende. Die für 2020 in Aussicht gestellten 0,85 Euro je Aktie lägen unter den Erwartungen, hieß es. Auch den Geschäftsausblick nannten einige "schwach".

Analyst Ahmed Farman von der Investmentbank Jefferies etwa schrieb: Der Mittelwert der von RWE für 2020 angegebenen Spanne für das Nettogewinnziel habe die Marktschätzung um 3 Prozent und der für 2022 habe sie sogar um 8 Prozent verfehlt.

Ähnlich sah dies auch Goldman-Sachs-Experte Alberto Gandolfi. Er rechnet nun damit, dass die Konsensschätzungen sinken. Etwa die Hälfte des Abschlages dürfte dem geringer als erwarteten operativen Ergebnis aus dem althergebrachten Stromerzeugungsgeschäft, also etwa Kohlekraftwerken, geschuldet sein, ergänzte er dazu. Von daher sei dies aber ein leicht mildernder Faktor, denn strukturelle Bedenken im Kerngeschäft Erneuerbare Energien sehe er nicht.

Barclays-Experte Peter Crampton indes betonte, dass hinsichtlich der womöglich als schwach wahrgenommenen Ergebnisziele bedacht werden sollte, dass hier noch nicht der Beitrag der Eon-Dividende von geschätzten 200 Millionen Euro enthalten sei. "Auch wenn RWE heute aus dem insgesamt sehr schwachen Markt nicht wird ausbrechen können, dürften die Kernbotschaften während des aktuellen Kapitalmarkttags definitiv positiv gesehen werden", glaubt er.

RWE werde zunehmend ein reiner Player im Bereich Erneuerbare Energien und zudem zum drittgrößten europaweit. Das spiegele der aktuelle Kurs nicht wider, konstatierte Crampton und riet im Zuge der allgemeinen Marktschwäche zum Kauf der Aktie.