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AKTIE IM FOKUS 3: Lufthansa fallen deutlich - Sorgen um Rettungspaket

(neu: Analysten, Kurs, weitere Infos zur Aktienentwicklung)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Zweifel am Gelingen der Lufthansa-Rettung <DE0008232125> haben die Aktien der Fluggesellschaft am Montag deutlich nach unten befördert. Sorgen um das Rettungspaket drückten die Papiere des Dax-Absteigers <DE0008469008> zuletzt um 5,70 Prozent auf 9,59 Euro. Im frühen Handel waren die Anteilscheine sogar um fast 9 Prozent gefallen.

Heftige Verluste während des Corona-Crashs hatten dazu geführt, dass die Titel ihren Platz im deutschen Leitindex räumen mussten und seit diesem Montag dem MDax <DE0008467416> angehören, in dem sie nun unter den insgesamt 60 Mitgliedern die höchsten Kursverluste an diesem Tag verzeichneten.

Vor rund zwei Wochen waren die Lufthansa-Aktien im Zuge ihrer Erholungsrally noch bis auf 12,56 Euro gestiegen. Damit hatten sie sich seit Mitte Mai wieder um mehr als 76 Prozent verteuert und dabei von den beschlossenen Lockerungen von Reisebeschränkungen profitiert. Die Lufthansa-Aktien stecken jedoch - anders als der Gesamtmarkt - bereits seit Anfang 2018 in der Krise. Damals hatten sie bei 31,26 Euro ein Rekordhoch erreicht.

Die Lufthansa fürchtet angesichts einer gering erwarteten Aktionärspräsenz auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag einen ungewissen Ausgang bis hin zu einer Insolvenz. Denn die Zustimmung zu den neun Milliarden Euro schweren Staatshilfen steht nach den Registrierungen der Anteilseigner auf der Kippe.

"Seit heute Nacht wissen wir, dass unsere Aktionäre weniger als 38 Prozent des Kapitals für diese Hauptversammlung angemeldet haben", hieß es in einem Brief von Lufthansa-Chef Carsten Spohr an die Mitarbeiter vom Sonntag, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Damit sei nun eine Zweidrittelmehrheit nötig, "die nach jüngsten Äußerungen von wichtigen Aktionären insbesondere zu den Konditionen der Kapitalerhöhung nicht sicher erscheint."

Damit gemeint ist vor allem Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der zuletzt gut 15 Prozent der Anteile hielt und die Staatshilfen skeptisch betrachtet. Er sieht die vorgesehene Beteiligung des Bundes mit bis zu 20 Prozent der Lufthansa-Anteile kritisch und will Nachverhandlungen. Seine Zustimmung zum Rettungspaket ließ er offen. Ein Marktteilnehmer rechnet mit einem zähen Ringen, an dessen Ende sich der Investor durchsetzen könnte - aus Angst des Bundes vor massenweisen Jobverlusten.

Citigroup-Analyst Mark Manduca skizzierte drei mögliche Szenarien für die Hauptversammlung. Erstens: Der Rettungsplan werde angenommen. Dann dürfte der Aktienkurs kurzfristig wieder steigen. Zugleich dürfte Lufthansa in den nächsten drei Jahren das Geschäft in Vorbereitung auf eine deutlich verwässernde Bezugsrechtsemission wieder aufbauen. Zweitens: Das Rettungspaket werde nicht angenommen und die Bundesregierung rücke von ihrer geplanten Kapitalbeteiligung rasch wieder ab. Dies wäre seines Erachtens die beste Lösung für die Aktie und das Management. Drittens: Das Rettungspaket werde nicht angenommen, es würden auch keine neuen Bedingungen seitens der Regierung festgelegt und das Management trete zurück. Dann, so schrieb er, fiele der Aktienkurs wohl stark und der aktuelle Großaktionär würde seinen Anteil ausbauen.

Laut Dirk Schlamp von der DZ Bank ist Thiele nach seiner Anteilsaufstockung zum Zünglein an der Waage geworden. Sollte er dem Rettungsplan nicht zustimmen, dürfte das Paket scheitern, konstatiert der Analyst. Möglicherweise nutze Thiele aber auch die gestiegene und von ihm gestreute Verunsicherung dazu, um weitere Lufthansa-Aktien zu erwerben und werde dann doch für das Rettungspaket stimmen. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung würde einen erheblichen Wertverlust seiner Lufthansa-Beteiligung bedeuten. Im Falle einer sich anschließenden regulären Insolvenz könnte sogar der Totalverlust drohen.

Einen Hoffnungsschimmer in Form eines möglichen Kompromisses sieht Schlamp aber in dem anstehenden Krisentreffen zwischen Bundesfinanzminister Scholz, Konzernchef Spohr und Thiele.