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AKTIE IM FOKUS 2: Wirecard weiter im Abwärtssog - Prüfbericht wirkt nach

(neu: ausführlicher, aktueller Kurs)

FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Die Wirecard-Aktien <DE0007472060> haben am Mittwoch die Nachwehen des vom Markt kritisch interpretierten KPMG-Bilanzprüfungsberichts zu spüren bekommen. Die Papiere des Zahlungsabwicklers sackten zeitweise um weitere 14 Prozent ab. Zuletzt notierten sie immer noch 7,65 Prozent tiefer bei 90,13 Euro. Damit waren sie klares Schlusslicht im Dax <DE0008469008>.

Am Vortag waren die Wirecard-Titel zwischendurch um rund 30 Prozent eingebrochen und mit einem Minus von mehr als einem Viertel aus dem Handel gegangen. Auf dem Höhepunkt der Virus-Panik Mitte März waren die Anteilsscheine bis knapp unter 80 Euro abgesackt, bevor sie sich rasant erholten und am vergangenen Donnerstag wieder die Marke von 140 Euro übersprangen.

Der am Dienstag veröffentlichte Sonderprüfungsbericht hatte nicht alle Zweifel an den Geschäftspraktiken des Zahlungsdienstleisters ausräumen können. So konnte KPMG einige wichtige Daten nicht einsehen, in einem wichtigen Teilaspekt der Prüfung konnten sich die Prüfer gar nicht zu einem Urteil durchringen. In einem wesentlichen von der "Financial Times" kritisierten Bereich blieben die Ergebnisse unbefriedigend.

Wirecard sieht sich durch den KPMG-Bericht hinsichtlich der Vorwürfe um mutmaßliche Bilanzfälschungen dennoch entlastet. In den vier Prüfbereichen des Berichts hätten sich für die Jahre 2016 bis 2018 nach wie vor keine substanziellen Feststellungen ergeben, die Korrekturen erforderlich gemacht hätten.

"Es gibt weiter zu viele Unbekannte", erklärte JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande den Bericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG. Zwar gebe es keine Belege für die Vorwürfe der Bilanzmanipulation. Besorgniserregend sei aber, dass sich die KPMG-Experten veranlasst gesehen hätten, auf die fehlende volle Kooperationsbereitschaft des Unternehmens hinzuweisen. Der Report habe entscheidende Fragen offen gelassen, ohne deren klare Beantwortung die Wirecard-Aktie wohl ihren Abschlag zur Branchenbewertung nicht wett machen werde, resümierte der JPMorgan-Experte.

Sein Kollege Hannes Leitner von der Schweizer Großbank UBS <CH0244767585> empfahl dem Wirecard-Management süffisant, die bereits 2018 versprochenen Investitionen in die internen Unternehmensprozesse aufzustocken. Der Prüfbericht zeige, dass diese Prozesse und deren Kontrolle nach wie vor Anlass zur Sorge gäben, so Leitner.

Bereits am Dienstag hatte es kritische Kommentare von Analysten gehagelt. Die Experten der NordLB und der DZ Bank gingen noch einen Schritt weiter und strichen ihre Kaufempfehlung für die Aktien. "Das KPMG-Gutachten brachte für Wirecard nicht den erhofften Befreiungsschlag", stellte Harald Schnitzer von der DZ Bank fest. Zudem verzögere sich auch die Publikation des Geschäftsberichts für 2019, was hohe Unsicherheit bedeute.

Wolfgang Donie von der NordLB schrieb: "Ein Freispruch sieht anders aus." Der Zeitraum 2016 bis 2018 bleibe ein schwarzes Loch. Neuen Vorwürfen sei damit weiterhin Tür und Tor geöffnet, auch wenn dies auf das operative Geschäft nur wenig Einfluss haben dürfte.

Kritik an Wirecard gab es auch von anderer Seite. Der bekannte Hedgefondsmanager Christopher Hohn mit seinem Fonds TCI forderte in einem offenen Brief die Ablösung von Wirecard-Chef Markus Braun. Hohn hält nach eigenen Angaben eine sogenannte Short-Position von gut einem Prozent der Wirecard-Aktien - das heißt, dass er von sinkenden Kursen profitiert.

Leerverkäufer wie Hohn leihen sich Aktien gegen Gebühr, verkaufen diese und spekulieren darauf, sie später günstiger zurückkaufen zu können, wenn sie dem Eigentümer wiedergegeben werden müssen. Wirecard sieht sich als Opfer solcher Spekulanten, die angeblich mutwillig schlechte Nachrichten streuen, um den Kurs zu drücken./edh/men/fba

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