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Ist die Aktie der Dividendenperle BASF jetzt ein Kauf?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktie von BASF (WKN: BASF11) konnte in den vergangenen Monaten wieder einiges an Boden gutmachen. Seit Mitte August stieg das Papier von einem Kursniveau von 56,20 Euro auf den derzeitigen Stand von 69,35 Euro (20.11.2019, maßgeblich für alle Kurse und Bewertungen). Das entspricht immerhin einem Kursplus von rund 23,5 %, wobei die Aktie zwischenzeitlich sogar mal die Marke von 70 Euro zurückerobern konnte.

Insbesondere nach dieser Erholungsrallye, auch bedingt durch das freundliche Marktumfeld, dürften sich viele Investoren inzwischen fragen, was die Aktie nunmehr ist: eine spannende, langfristige Chance oder eine Value-Falle, die mit einem kurzen Ausbruch nach oben begeistern konnte.

Prinzipiell eine interessante Frage für alle Foolishen Investoren. Werfen wir in diesem Sinne nun einen Blick auf die fundamentale Bewertung, die Dividendenvorzüge und die Aussichten dieser Aktie am Scheideweg.

Die fundamentale Bewertung im Check

Anfangen wollen wir hierbei zunächst mit der fundamentalen Bewertung, die die BASF-Aktie gegenwärtig zu bieten hat. Beim derzeitigen Kursniveau und einem 2018er-Gewinn je Aktie in Höhe von 5,12 Euro käme sie momentan auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von in etwa 13,5, was noch immer eher moderat ist.

Außerdem wird BASF bei einem Jahresumsatz je Aktie von 68,24 Euro in etwa mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1 bepreist, was ebenfalls einem fairen Bewertungsniveau entspricht. Die Bewertung scheint somit, zumindest gemessen an den 2018er-Zahlen, einigermaßen ausgeglichen zu sein.

Nichtsdestoweniger sollten Investoren hier nicht vergessen, dass das aktuelle Geschäftsjahr erneut mit operativen Einschränkungen verbunden sein wird. Zwar werden die Umsätze voraussichtlich stagnieren, was hier nichts am Bewertungsmaß verändern dürfte. Allerdings wird das operative Ergebnis voraussichtlich um bis zu 30 % zurückgehen, was sich deutlich beim Ergebnis je Aktie bemerkbar machen dürfte.

Demnach könnte BASF in diesem Jahr auf einen Gewinn je Aktie in Höhe von in etwa 3,60 Euro kommen, wodurch sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 19,3 erhöhen würde. Allerdings könnte das möglicherweise der operative Tiefpunkt sein, von wo aus sich die operative Entwicklung in den kommenden Quartalen und Jahren wieder erholt. Wer weiß.

Die weiteren Aussichten

Wo wir thematisch gerade bei den weiteren Aussichten sind, hier existieren einerseits noch gewisse Belastungsfaktoren. Insbesondere konjunkturelle Sorgen haben sich in den vergangenen Monaten schließlich bemerkbar gemacht. Auch der Handelskonflikt hat hier die Aussichten sowie das Zahlenwerk inzwischen ordentlich eingetrübt.

Nichtsdestoweniger mehren sich momentan die Anzeichen dafür, dass das Schlimmste ausgestanden sein könnte. Die Wirtschaftswelt könnte knapp an einer Rezession vorbeischlittern, wodurch sich die weiteren globalen Aussichten wieder aufhellen könnten. Außerdem machen immer mehr Anzeichen Mut, dass das Kapitel des Handelskonfliktes beigelegt werden könnte.

US-Präsident Trump, der in diesem Kontext häufiger mal für negative Überraschungen gesorgt hat, steht schließlich innenpolitisch unter Druck. Einerseits, weil die Kritik im eigenen Land nicht weniger wird, andererseits jedoch auch, weil eine Einigung bei diesem größeren außenpolitischen Thema ein Erfolg sein könnte, den der US-Präsident für die nahende Wahl im nächsten Jahr benötigt.

Möglicherweise verändert sich das makroökonomische Marktumfeld daher momentan. Eine Entwicklung, die wir jedoch heute schon kurstechnisch beobachten können, denn immerhin kratzen viele Indizes schon heute an Rekordhochs.

Die Dividendenvorzüge

Zu guter Letzt, und gewiss auch ein bewertungstechnischer Aspekt, existieren bei der BASF-Aktie auch dividendentechnische Vorzüge, die man als Investor kennen sollte. So schüttete der Chemiekonzern beispielsweise für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende in Höhe von 3,20 Euro an die Investoren aus. Ein Wert, der beim derzeitigen Kursniveau von 69,35 Euro einer Dividendenrendite in Höhe von 4,61 % entsprechen würde.

Auch das ist noch immer ein hoher Wert, obwohl der DAX-Konzern in den vergangenen Wochen und Monaten auch die Marke von über 5 % vorweisen konnte. Allerdings ist die Bewertungskomponente hier nicht das Einzige, was Investoren wissen sollten.

BASF plant schließlich auch in den kommenden Jahren mit weiterhin stabilen und moderat wachsenden Ausschüttungen, so wie in den vergangenen Jahren. Die Dividendenpolitik sieht schließlich stets konstante und moderat höhere Dividenden vor, was die Dividendenrendite im kommenden Jahr womöglich steigern könnte.

Außerdem wäre die aktuelle Dividende von 3,20 Euro bei einem nachlassenden Gewinn je Aktie von 3,60 Euro noch immer fundamental ausreichend gedeckt. Entsprechend brauchen sich Dividendenjäger hier momentan zumindest noch keine Sorgen um die Dividendenhöhe zu machen.

Eine verzwickte Ausgangslage

Die aktuelle Bewertung von BASF könnte somit unterm Strich verzwickt sein. Günstig war das Bewertungsmaß vor einigen Wochen und Monaten, nun scheint es sich hier wieder um eine moderate Ausgangslage zu handeln.

Je nachdem, wie man die kommenden Aussichten bewertet, wird vermutlich die Einschätzung, ob preiswert oder nicht, ausfallen, wobei diese Frage doch eher persönlicher Natur ist. Es könnte sich daher definitiv anbieten, die weiteren Chancen und Risiken zu beurteilen. Das wird dich vielleicht der Antwort auf diese spannende Frage ein wenig näherbringen.

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Vincent besitzt Aktien von BASF. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019