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Airbus streicht 15.000 Stellen – Deutschland am stärksten betroffen

·Lesedauer: 4 Min.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus reagiert mit massiven Sparplänen auf die Coronakrise. Auch betriebsbedingte Kündigungen werden nicht ausgeschlossen.

In Deutschland beschäftigt Airbus Zehntausende Mitarbeiter und hat zahlreiche Standorte – etwa in Hamburg-Finkenwerder oder Bremen. Foto: dpa
In Deutschland beschäftigt Airbus Zehntausende Mitarbeiter und hat zahlreiche Standorte – etwa in Hamburg-Finkenwerder oder Bremen. Foto: dpa

„Wir packen den Stier bei den Hörnern und sehen Unterstützung für unser Vorgehen seitens der europäischen Regierungen“: Airbus-CEO Guillaume Faury hat am Dienstagabend in einer telefonischen Pressekonferenz die schärfste Personalkürzung verteidigt, die es bei Europas Vorzeigeunternehmen je gegeben hat.

Kurz zuvor hatte der Flugzeugbauer bekanntgegeben, dass er weltweit im zivilen Flugzeugbau 15.000 Jobs abbauen wird. Davon sollen 5100 auf Deutschland, 5000 auf Frankreich, 1700 auf Großbritannien und 900 auf Spanien entfallen, der Rest im Wesentlichen auf China und die USA.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus ist wie die gesamte Luftfahrtbranche wegen der Covid-19-Pandemie in eine schwere Krise geraten. „Unser Geschäft ist um 40 Prozent eingebrochen, das wird voraussichtlich in den kommenden zwei Jahren so bleiben. Hätten wir die Mitarbeiterzahl (insgesamt 90.000 bei den zivilen Flugzeugen) entsprechend verringert, dann wäre ein wesentlich größerer Abbau von Arbeitsplätzen herausgekommen“, erläuterte Faury.

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Rettungspaket aus Frankreich

Er ergänzte, dass die Streichung von 15.000 Stellen zwar die größte Schrumpfungskur sei, die Airbus in seiner Geschichte jemals beschlossen habe, und dass jeder im Unternehmen lieber nicht in dieser Lage wäre. Doch sei es angesichts der „brutalen und schnell hereingebrochenen Covid-Krise“ eine Personalanpassung, die unterproportional sei im Vergleich zum Einbruch des Geschäfts. Dies sei nur möglich, da verschiedene Regierungen langfristige Möglichkeiten für Kurzarbeit bis zu zwei Jahren angeboten hätten.

Dennoch kritisierte das französische Wirtschaftsministerium den Personalabbau am Abend als „exzessiv“. Man erwarte, dass die Zahlen verringert werden, sagte ein namentlich nicht genannter Ministeriumsvertreter. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte vor einigen Wochen ein 15 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für die Luftfahrtindustrie angekündigt. In Frankreich arbeiten allein bei Airbus knapp 50.000 Menschen.

Faury bemerkte dazu, dass er verstehe, wenn niemand froh sei über die bekanntgegebenen Einschnitte. Doch arbeite Airbus eng mit den Regierungen zusammen, sei dankbar für die bereitgestellte Unterstützung und erläutere jeden Schritt des geplanten Anpassungsprogramms. Insgesamt habe man bislang vonseiten der Staaten eher Verständnis für das eigene Vorgehen erlebt.

Entlassungen als letzte Option

Faury will nicht ausschließen, dass das Unternehmen in zwei Jahren immer noch einen zu hohen Personalbestand haben kann. „Wir orientieren uns jetzt am wahrscheinlichsten Szenario, dass nach 2022 die Produktion wieder ansteigen wird, zunächst bei den Kurz- und Mittelstrecken-, dann bei den Langstrecken-Flugzeugen.“ Sollte es anders kommen, dann habe Airbus „Mitarbeiter, die keine Arbeit mehr haben werden“, räumte der Franzose ein.

Der Jobabbau soll vor allem durch natürliche Fluktuation erreicht werden. Erst wenn es gar nicht anders gehe, werde Airbus Entlassungen aussprechen, sagte der CEO. Der Hersteller setze darauf, im Rahmen der Kurzarbeiter-Regelungen Mitarbeiter rotieren zu lassen, damit ihre Qualifikation nicht verloren gehe.

Das Risiko eines möglichen zu hohen Personalbestands gehe das Unternehmen auch deshalb ein, weil Airbus in der Vergangenheit Schwierigkeiten gehabt habe, genügend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Die wolle man nun nicht einfach auf die Straße setzen.

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Kein Land soll benachteiligt werden

Faury unterstrich mehrfach, dass alle Airbus-Standorte weltweit in gleicher Weise betroffen seien: „Da haben wir nicht dran gedreht, die genannten Werte ergeben sich einfach aus der Verteilung der Produktion auf die verschiedenen Länder.“ Frankreich und Deutschland seien in identischer Weise betroffen, keines der Länder werde benachteiligt. Hamburg weist vier Endproduktionslinien für die besonders unter der schwachen Nachfrage leidende A320-Familie auf, Frankreich, China und die USA jeweils nur eine.

In der kommunizierten Zahl von 15.000 Arbeitsplätzen sind weitere Abbauschritte bei der französischen Airbus-Tochter Stelia und bei der deutschen Filiale Premium Aerotec nicht enthalten. Außerdem wurde bereits vor wenigen Wochen bekanntgegeben, dass die Verteidigungssparte 2600 Jobs abbauen wird, davon entfällt ein großer Teil auf die Bundesrepublik, da hier der größte Teil des Airbus-Verteidigungsgeschäfts angesiedelt ist.

Airbus hatte im April bekanntgegeben, dass es die Herstellung der mittelgroßen Maschinen, die den allergrößten Teil zum Produktionsvolumen beisteuern, von 60 pro Monat auf eine Rate von 40 heruntersetzen werde. Bei den Großraum-Flugzeugen sinkt die Rate von rund neun auf sechs. Faury deutete an, dass es in näherer Zukunft eine weitere Absenkung der Raten geben werde, die sich aber in einer deutlich kleineren Größenordnung bewegen werde als im April kommuniziert.

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