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Airbus macht Millionenverlust – doch verzichtet weiter auf Staatshilfe

Der Flugzeugbauer leidet unter der Coronakrise. Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, Zulieferer bangen um ihre Existenz. Doch Staatshilfen lehnt der Konzern weiter ab.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat im ersten Quartal einen Verlust von 481 Millionen Euro erlitten. Der Cashflow war negativ und erreichte einen Mittelabfluss von acht Milliarden Euro. „Der internationale Flugverkehr ist kollabiert, die ganzen Auswirkungen der Krise sind in den Ergebnissen des ersten Vierteljahrs noch nicht voll zu sehen“, sagte Airbus-CEO Guillaume Faury am Mittwochmorgen in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Sehr viele Airlines versuchten derzeit, die geplanten Auslieferungen von Flugzeugen zu verzögern.  „Wir reden über jedes einzelne Flugzeug mit jedem einzelnen Kunden“, erläuterte Faury. Stornierte Bestellungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie habe es nicht gegeben. Die Zahl von Stornierungen habe 66 Maschinen betragen, das sei weniger als im vergangenen Jahr. Netto habe Airbus in den ersten drei Monaten 290 Aufträge für Zivilflugzeuge erhalten. 122 Maschinen wurden ausgeliefert, 40 weniger als im Jahr zuvor.

Die Lieferungen in den kommenden Monaten sei derzeit noch nicht absehbar, erklärte Faury. Die meisten Gespräche mit den Kunden liefen noch. Die Airlines könnten sich in vielen Fällen noch nicht festlegen, da sie ums Überleben kämpften oder mit den Regierungen über finanzielle Hilfe verhandelten. „Wir können nicht sagen, wo wir Ende 2020 landen werden“, äußerte der CEO. Airbus sehe sich derzeit alle Kosten an, um sich anpassen zu können. „Dabei gilt die klassische Unterteilung in fixe und variable Kosten nicht mehr“, so Faury.

Die Verteidigungssparte laufe gut, die Aufträge hätten sich um 1,7 Milliarden Euro erhöht. Der Verlust enthält eine Abschreibung von 136 Millionen Euro auf einen Kredit für den Satellitenpartner One Web, der Ende März Gläubigerschutz beantragt hatte, weil er keine zusätzliche Finanzierung seines wichtigsten Kapitalgebers Softbank erhalten konnte.

Derzeit bleibt Airbus bei der vor drei Wochen angekündigten Verringerung der Produktion von Zivilflugzeugen um rund 30 Prozent. Erst im Juni werde das Unternehmen wohl Klarheit über weitere nötige Schritte über die derzeit begonnene Kurzarbeit hinaus haben, sagte Faury.

In Großbritannien sind derzeit rund 3.200 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen, in Frankreich sind es 3.000 Mitarbeiter. Auch in Deutschland sollen es mehrere Tausend sein, die Gespräche laufen aber noch. In Frankreich werde die Zahl sich deutlich erhöhen, eine Größenordnung von 7.000 stehe im Raum, sagte der CEO.

Keine Staatshilfen nötig

In einem Brief an die Belegschaft hatte der Airbus-Chef Ende letzter Woche gewarnt, dass die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel stehe. Im Juni, nach Gesprächen mit den Mitarbeitern, werde der Konzern über die mittelfristige Kostensenkung berichten. Ein Abbau von Arbeitsplätzen ist offenbar nicht ausgeschlossen. 

Der Mittelabfluss von acht Milliarden Euro enthält laut Airbus-Finanzchef Dominik Assam die Strafzahlung von 3,6 Milliarden Euro wegen des abgeschlossenen Korruptionsverfahrens. 4,4 Milliarden Euro sei die Größenordnung des negativen Cashflows, die im ersten Quartal üblich sei. „Wir werden im Juni eine weitere Verschlechterung sehen, wollen im Dezember aber wieder neutral sein“, sagte Assam. Falls Airbus alles schaffe, was man sich vorgenommen habe, werde man ohne direkte staatliche Hilfen auskommen. Das gelte aber nicht für die gesamte Branche.

Die absolute Priorität sei derzeit der Schutz der Liquidität, erklärte Faury. Investitionen in die Verringerung der CO2-Emissionen seien nicht weniger wichtig, aber derzeit nicht so dringlich. Deshalb habe Airbus bestimmte Projekte wie die Entwicklung des elektrischen Antriebs E-Fan X mit Rolls-Royce vorübergehend gestoppt. Nach der Coronakrise wolle man wieder verstärkt in die Bekämpfung des Klimawandels einsteigen.

Airbus will dabei auch versuchen, die angeschlagenen Zulieferer zu unterstützen. „Wir können aber nicht das ganze Ökosystem finanzieren, das geht nur sehr selektiv“, sagte Faury. Airbus stehe noch ganz am Anfang des Prozesses. Zulieferer, die bereits unter der 737-Max-Krise bei Boeing litten, stünden hoch auf der Prioritätenliste.